Soundgarden - Live On I-5 - Cover
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Soundgarden Live On I-5


  • Label: A&M/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 78 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Live On I-5“ ist eine Ansammlung von 17 Stücken, die sich vornehmlich auf die Schaffensphase der Neunziger Jahre konzentriert.

Die zum Jahresanfang beschlossene Reunion der Klanggärtner nimmt weiter Formen an. Nach der Best-Of-Werkschau „Telephantasm“ bleiben Cornell, Cameron, Thayil und Shepherd Neuware zwar weiter schuldig, doch in diesen Tagen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Im Jahr 2011 will man tatsächlich ein neues Studioalbum aufnehmen und unters Volk bringen. Doch bevor es soweit ist, wird weiter das Bandarchiv geplündert. Unter einer dicken Staubschicht hat man dabei diverse Liveaufnahmen von der letzten US-Tour vor dem fast vierzehnjährigen temporären Band-Aus ausgegraben. Dabei waren die Aufnahmen schon damals für eine Veröffentlichung gedacht. Eigens dafür wurde Mischpultmeister Adam Kasper mit auf Tour genommen, um dafür zu sorgen, die Live-Energie der Band für die Nachwelt zu erhalten. Die Bandauflösung hat den Veröffentlichungsplänen jedoch zunächst einen Strich durch die Rechnung gemacht und so musste man sich bis zum heutigen Tage gedulden, um den Live-Sound der Seattlelites im heimischen Wohnzimmer genießen zu können.

„Live On I-5“ ist eine Ansammlung von 17 Stücken, die sich vornehmlich auf die Schaffensphase der Neunziger Jahre konzentriert. Die Frühphase wird lediglich durch die erste Single „Nothing To Say“ repräsentiert. Die Platten „Ultramega OK“ und „Louder Than Love“ bleiben komplett unberücksichtigt. Die Songauswahl weiß jedoch durchaus zu überzeugen. Neben unvermeidlichen „Hits“ wie „Spoonman“, „“Fell On Black Days“, „Burden In My Hand“, „Rusty Cage“ und dem von Cornell solo vorgetragenen „Black Hole Sun“ gibt es auch einige Schmankeln, die das Fanherz höher schlagen lassen und sonst eher in zweiter Reihe des Repertoires stehen. Zu nennen sind etwa das großartige „Searching With My Good Eye Closed“, das unterschätzte „Let Me Drown“, den Geheimtipp „Dusty“ oder auch der Schwanengesang „Boot Camp“ vom bis dato letzten Studioalbum „Down On The Upside“. Darüber hinaus begibt sich die Viererbande mit dem Stooges-Song „Search And Destroy“, sowie dem Beatles-Klassiker „Helter Skelter“ auf Coverpfade.

Der Livesound der Band kommt angenehm rau, sehr druckvoll und um einiges rockiger als auf den Studioalben daher. So wird man auch daran erinnert, dass die Band gerade auf den letzten beiden Alben „Superunknown“ und dem erwähnten „Down On The Upside“ durchaus die Möglichkeiten der Studiotechnik ausgenutzt hat. Trotz oder gerade auf Grund des einigermaßen ungeschliffenen, authentischen Konzertklangs werden die Fähigkeiten der Musiker noch einmal offenkundig. Thayil kommt mit messerscharfen und tonnenschweren Riffs daher, Shepherd drückt die Songs nach vorne und Schießbudenkönig Cameron knüppelt auf den Punkt. Und auch Cornell macht seine Sache hervorragend. Das ist nicht selbstverständlich, stammen die Aufnahmen doch aus einer Zeit, in der der Frontmann wiederholt von Stimmproblemen heimgesucht wurde, die auch zu Konzertabsagen führten.

Alles in allem eine runde Sache, insbesondere deshalb, weil Liveaufnahmen von Soundgarden bisher einfach ziemlich rar sind. Zu bemängeln ist ein typisches Phänomen von Liveplatten, die sich aus Mitschnitten verschiedener Auftritte zusammensetzen. Der Spannungsbogen einer kompletten Show kann nur bedingt rekonstruiert werden und der oft magische Punkt, wo sich einfach „nur“ live vorgetragene Stücke zu einem bleiben „Konzerterlebnis“ wandeln, kann sich nicht wirklich einstellen. Das klappt am ehesten noch dann, wenn wie im Falle von „Spoonman“, „Searching With My Good Eye Closed“ und „Let Me Drown“, oder auch „Helter Skelter“ und „Boot Camp“ Stücke aufeinander folgen, die auch tatsächlich so hintereinander gespielt wurden. Dabei hat Mr Kapser zusammen mit der Band ganze Arbeit geleistet und beim Abmischen und Zusammenstellen alles dafür getan, dass hier soweit es eben geht, ein realistischer Gesamteindruck eines „typischen“ Soundgarden-Konzerts geliefert wird. Einzig die manchmal fast hysterisch aufbrandende Begeisterung des Publikums wirkt manchmal ein wenig künstlich in den Vordergrund gemischt. Es gibt Momente da wirkt das beinahe störend.

Wenngleich im Staub des Bandarchivs wohl noch mehr Material ruht, das zu heben sich lohnt (etwa die immer wieder angekündigten B-Seiten-Sammlung), so war das bis hierher jetzt eine angemessene, aber zunächst auch ausreichende Aufpolierung des Nachlasses im Zuge der Reunion. Die Neugier auf das angekündigte Studioalbum steigt weiter an und man möchte doch zu gerne wissen, ob die Jungs tatsächlich noch an ihre alte Kreativität anknüpfen können. Wenn nicht, dann geht es halt doch noch mal in den Staub des Archivs.

Anspieltipps:

  • Searching With My Good Eye Closed
  • Let Me Drown
  • Outshined
  • Boot Camp
  • Fell On Black Days

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