New York Dolls - Dancing Backward In High Heels - Cover
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New York Dolls Dancing Backward In High Heels


  • Label: Blast Records/H'ART
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die New York Dolls sind eine dieser wenigen Bands, die man hassen und lieben zugleich kann. Schließlich gibt es doch einen gewaltigen Unterschied zwischen den New York Dolls von 1971 und der seit 2004 wiedervereinten Gruppe. Viel hat sich getan in rund 30 Jahren moderner Geschichte und so sollte es auch keine Überraschung darstellen, dass die ehemaligen Punks nun Blues, Rockabilly oder sogar Gospel bevorzugen und nicht mehr in knallbunten Stretchhosen herum rennen. Nach „One Day It Will Please Us To Remember Even This“ (2006) und „'Cause I Sez So“ (2009) folgt schon das dritte Album der Band, womit sie seit ihrer Wiedervereinigung mehr Alben aufgenommen haben, als zu ihrer Hochzeit in den 70ern. Erfolg und Qualität sprechen zumindest nicht gegen dieses anhaltende Revival alter Legenden.

Das neue Album versucht gleich mit der ersten Nummer Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das schaffen sie auch souverän und mit Erfolg! „Streetcake“ dürften jeden Freund von klassischem Rock'n'Roll begeistern. Eine unverschämt einprägsame Melodie paart sich mit David Johansons gewohnt kratzenden Gesang und mit vielen „Ooohs“ und „Aaaaahs“ im Hintergrund entsteht tanzbarer Rock der älter als Retro anmutet und trotzdem Spaß macht. „Talm To Me Baby“ macht eiskalt dort weiter, wo das Intro aufhört. Auch „Fool For You Baby“, „Round And Round She Goes“ und „I Sold My Heart To The Junkman“ halten sich an dieses Schema, womit das Herzstück des Albums ins Auge gefasst wäre. Aber was hat das Album daneben noch zu bieten?

Natürlich gibt es eine knappe Hand voll Balladen. „Kids Like You“ und „You Don't Have To Cry“ halten sich an das Soundgerüst der bereits genannten Lieder und fallen nicht weiter auf. Da fällt der Schlusspunkt „End Of The Summer“ mit Reggae-Einflüssen schon eher auf und sorgt für Sonnenschein statt Herzschmerz. Wem jedoch mehr nach Rock ist, wie er in der Beschreibung versprochen wurde, der freut sich eventuell über den Versuch der Band wieder nach Punk zu klingen. „I'm So Fabulous“ gibt alles. Zumindest alles, was die Band aufzubringen in der Lage zu sein scheint. Wirklich überzeugend ist die Nummer allerdings nur aufgrund eines kompromisslosen Bläsereinsatzes. Da funktioniert eine Akustik-Blues-Nummer („Baby Tell Me What You're On“) oder Funk-Soul-Rock („Funky But Chic“) um Längen besser und macht mit dem Hauptprogramm die Stärken des Albums aus.

Es wird wohl nicht mehr dazu kommen, dass die New York Dolls noch einmal so einen revolutionären Einfluss wie vor inzwischen vier Dekaden haben werden, aber wenn sie weiterhin so liebevoll und voller Leben Musik auf den Markt werfen, sind ihre Platten gern gesehene Gäste in Shops auf der ganzen Welt. Für Liebhaber bietet das Album übrigens ein weiteres Schmankerl mit einer DVD die das Making-Of beinhaltet. Fans werden dankbar zum DVD-Player stürzen, doch das Material auf der DVD wird dem Prädikat „Für Fans“ gerecht und liefert nichts Besonderes. Aer bei der DVD handelt es sich, solange sie noch mit dem Album geliefert wird, um den bekannten geschenkten Gaul, über den sich niemand beklagen sollte, genauso wenig wie über die Musik.

Anspieltipps:

  • Streetcake
  • Baby Tell Me What You're On
  • Funky But Chic

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