The Life Between - Colours Of Your Choice - Cover
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The Life Between Colours Of Your Choice


  • Label: Kaiserlich Königlich/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

The Life Between bringen nach inzwischen vier Jahre Bestehen ihr Debüt heraus und die ganze Welt fragt sich: Wer ist das überhaupt? Eine Pop-Band? Na super! Davon gibt es zurzeit auch wirklich zu wenig. Spaß beiseite: The Life Between machen zwei Dinge von vornherein richtig, um im Pop-Business nicht unterzugehen. Erstens benutzen sie echte Instrumente und klingen oft nach Soft-Rock, wie sich Pop mit echten Gitarren heute schließlich schimpft. Zweitens gibt es Lieder, die Rockfans erwartungsgemäß die Zähne vollzuckern, aber auch Stücke, die Liebhaber vertrackter Musik begeistern dürften. Eine Sache haben The Life Between aber auch falsch gemacht: sie kommen aus Deutschland. Doch kann man ihnen deswegen einen Vorwurf machen?

Musikalisch fängt dieser Erstling mehr als interessant an. „Holy & Devilish“ wird dem Titel in dem Sinne gerecht, dass einen hier die gute alte Soundachterbahn erwartet. Zwischen Art-Ballade und pompösem Rock wechselt das Lied gnadenlos hin und her, um in einer riesigen Wolke aus Lärm einen künstlerischen hochwertigen und nicht gerade leicht verdaulichen Eindruck zu hinterlassen. Ob es nun als dreist, gewieft oder unglücklich bezeichnet werden soll, dass danach ein echter Marathon an Pop-Rock der leicht bekömmlichen Sorte folgt, bleibt dem Hörer überlassen. „Take A Photograph“ und „When It's Over“ entsagen Soundspielereien besonderer Natur sogar komplett und geben hübsche, fast schon zu normale Pop-Lieder ab. Bis „Light“ findet sich dann in den Liedern immer wieder ein Element oder nur ein Moment, der auf Experimentiergeist hinweist. So unerhört anders wie im Opener wird es leider nicht mehr.

„Light“ selbst ist eine überlange Interlude, die allerdings stimmungsvoll so gelungen ist, dass sie zu den stärksten Nummern des Albums gehört. Wer hier nicht leicht ins Schwelgen gerät, dem ist nicht mehr zu helfen. Als wäre das nicht genug, gibt es noch das verschollene Lied der alten Radiohead. „Up“ hört sich in den ersten Moment geradezu verboten nach einer Nummer zwischen „Pablo Honey“ und „OK Computer“ an. Gypsie-Streicher im Chorus sorgen für noch ein wenig mehr Eigenständigkeit und lassen wieder ernsthaft die Frage aufkommen, warum die Band ihr Potenzial an all die einfachen Popsongs verschenkt. Ohne den schlichten Songs zu nahe treten zu wollen, schafft es keiner von ihnen so gute Hooklines zu liefern, dass „Up“ und „Holy & Devilish“ nicht um Lichtjahre besser einzustufen sind.

Die Abschlussballade „Into The Night“ ist ein Rausschmeißer im wahrsten Sinne des Wortes. Unbemerkt schleicht der Song am Hörer vorbei und ruft keinerlei großartige Gefühle auf. Unbemerkt ist überhaupt ein Lied, dass sich gut mit diesem Album identifizieren kann. Ähnlich wie die Senkrechtstarter Stanfour liegt das Hauptaugenmerk von The Life Between in einfachen Pop-Melodien. Diese sind allerdings nicht ganz so radiotauglich wie eben bei Stanfour. Ob es ein Trost für die Debütanten ist, dass sie kompositorisch mehr auf dem Kasten haben wird sich erst noch zeigen. Wenn sie ihre wahren Stärken erkennen und die Fangemeinde mitzieht, dann erwarten uns demnächst hoffentlich noch mehr Lieder wie „Holy & Devilish“, „Up“ oder auch „Light“ und Deutschland steht eine mehr als bloß durchschnittliche Band ins Haus. Da hieße es ein weiteres Mal: Hut ab, es geht doch!

Anspieltipps:

  • Up
  • Holy & Devilish
  • Light

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