Paul Simon - So Beautiful Or So What - Cover
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Paul Simon So Beautiful Or So What


  • Label: Concord/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„So Beautiful Or So What“ ist abgesehen von einer unkonventionellen Eröffnung grob in drei Stile einzuteilen.

Das erste Mal hörte man in Deutschland von Paul Simon im Jahr 1972. Der Singer/Songwriter aus dem Jahrgang 1941 startete mit 31 Jahren nicht unbedingt früh, doch es erfordert kein Mathegenie, um zu erkennen, dass Simon seinen späten Einstieg mit einem nicht minder späten Ausstieg wettmachen möchte. Schon Udo Jürgens hat uns gelehrt, dass das Leben erst mit 66 Jahren anfängt und dementsprechend ist der 69-jährige Paul noch ein echter Jungspund, der sich rechtzeitig vor dem ersten runden Geburtstag des neuen Lebensabschnitts mit einem Album beschenkt.

Moment, Kommando zurück! Zum ersten Mal 1972? Man kann nur hoffen, dass nicht allzu viele Leser auf diese Einleitung hereingefallen sind. Natürlich handelt es sich bei Paul Simon um eine Hälfte des legendären Duos Simon & Garfunkel. Seit 1972 startet lediglich die Solo-Karriere des prägenden Musikers. Und dieses Schwergewicht der Musikbranche pfeift auch gleich mal auf Gepflogenheiten und Mainstream und startet sein neues Album mit einem Weihnachtslied. „Getting Ready For Christmas Day“ ist allerdings mehr von seiner Thematik eine Besonderheit. Ansonsten erwartet eine feine Gitarrenmusik und aufmunternder Gesang. Ein beschwingtes, fröhliches Weihnachtslied ohne nennenswerte Höhen. Dass man Tiefen vergeblich sucht, versteht sich bei diesem Mann mehr oder weniger von alleine.

Das neue Album „So Beautiful Or So What“ ist abgesehen von dieser unkonventionellen Eröffnung grob in drei Stile einzuteilen. Den Anfang machen drei Stücke, die mal afrikanisch, mal nahöstlich angehaucht (gerade im Rhythmus) locker leicht über die Bühne kommen und noch genauso frisch wirken wie Coldplays „Strawberry Swing“ vor knapp drei Jahren. Wer Musik dieser Sorte mag, der wird mit diesen drei Tracks außerordentlich zufrieden sein. Paul Simon klingt souverän, aber doch lebendig, sodass niemand dem Altmeister die nötigen Emotionen absprechen kann. Strukturell gibt es ebenfalls nichts auszusetzen.

Was den theoretischen Bereich angeht, kann man Simon jedoch sowieso nicht allzu viel vormachen. Lediglich die romantischen Anflüge in den Balladen „Love And Hard Times“ und „Questions For The Angels“ dürften einigen ein Dorn im Auge sein. Wie in den großen Liebesfilmen der längst vergangenen Tage tun sich Wellen von Flöten und Streichern auf, die eine rosarote Soundwolke durch das Zimmer schweben lassen. Wen das stört, der kann sich am nicht ganz so eingängigen, ruhigen „Amulet“ versuchen, welches mit hispanischen Elementen eine weitere Ebene hinzufügt.

Zu guter Letzt wird noch dem Americana gehuldigt. Besonders im Titeltrack und in „Love Is Eternal Sacred Light“ sorgt Paul Simon mit vorantreibenden Rhythmen für das nötige Flair, das Songs dieses Genres benötigen. Die große Stärke – zu jedem Zeitpunkt des Albums – ist die Stilsicherheit des Singer/Songwriters, der seit über 50 Jahren die Musikwelt unsicher macht. Simon versucht nicht ein aufrüttelndes Werk zu schaffen, dass die Welt verändert. Das hat er früher nicht und heute ist das erst recht nicht der Fall. Stattdessen zeigt der Amerikaner, wie man es richtig macht. Er beherrscht gleich drei Stile innerhalb eines Albums besser, als manche Bands ihre sogenannten Klangheimatgefilde. Das verdient Applaus und neugierige Ohren, die sich über richtig gute Singer/Songwriter-Musik freuen dürfen.

Anspieltipps:

  • Rewrite
  • Love And Hard Times
  • So Beautiful Or So What

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