Clueso - An Und Für Sich - Cover
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Clueso An Und Für Sich


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 71 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Mittelding aus Pop und der Lockerheit seines üblichen Sprechgesangs bleibt auf einem klebrigen Level hängen.

Er beißt sich fest, er lässt nicht los und wieder ist er da. Nein, das ist keine Textzeile aus einem neuen Clueso-Lied, sondern eine Feststellung. Seit 2008 kam jährlich eine neue CD des Erfurters raus. Auch wenn es sich bei den letzten beiden Alben um Live-Aufnahmen alter Tracks handelte, wird man das Gefühl nicht los, dass der Name Clueso inzwischen so präsent ist, dass man neues Material von ihm schon gar nicht mehr wahrnimmt. Das mag aber vielleicht auch daran liegen, dass es diesmal keine große Ankündigungssingle gab, die die Charts dominierte und auf und ab gespielt wurde. Wurde „Kein Zentimeter“ damals noch Fünfzehnter der Charts, tummelt sich „Zu schnell Vorbei“ auf Platz 38 ohne besondere Ambitionen herum.

Der Grund dafür ist jedoch die Single selbst, auch wenn dieser Fakt noch weitreichende Folgen für das Album „An Und Für Sich“ haben soll. Die Nummer ist entspannt, poppig, geht ins Ohr. Wo ist also das Problem? Ist es die melancholische Grundstimmung, die dem aufkeimenden Frühling nicht gerecht wird oder die fast schon routinierte Ruhe des Liedes? Natürlich kann nicht alles Party und Feierei sein, aber vielleicht ist so ein ruhiges Lied nicht das richtige Comeback für den Sänger aus Erfurt, der bei weiblichen und männlichen Fans beliebt ist. Keine Hip-Hop-Anleihen und auch kein Grönemeyer-Gedächtnis-Gesang, Clueso will sein eigenes Ding machen und klingt plötzlich wie Lindenberg (ansatzweise). Vielleicht ist es die Stimmung und ein noch gewagterer Vergleich, doch die stoische Ruhe (allerdings hochdeutsch) erinnert an Lindenberg, der immer eine gewisse Gleichheit im Ton trägt.

Aber zurück zur Single. Muss es denn auch gleich so eine echt gleichmütige Nummer sein? Wie wäre es mit dem nächsten Stück „Beinah“ wird man sich fragen und auf Cluesos Sound zwischen Pop, Akustik und Club setzen. Nach wenigen Sekunden zeigt sich jedoch, dass „Beinah“ stilistisch eine Kopie des Openers ist und auf das Gerüst der Marke „Entspannter Popsong mit künstlerischem Anspruch“ wird man noch oft stoßen, ohne dass Clueso Mittel findet, um diese Tracks langfristig in unseren Ohren zu manifestieren. „Ey Der Regen“, „Dreh Dich“ und „Stern“ sind nur eine kleine Auswahl der Lieder, die stilistisch das Album dominieren. Im Gegensatz zu den leider viel unbekannteren Klez.E schafft es Clueso allerdings nicht, weltbewegende Neuheiten oder interessante Experimente in seine Midtempo-Popsongs zu verpacken, welche also weder als Experiment, noch als Ohrwurm an den Start gehen. Zurücklehnen und träumen kann man, wenn man die ruhigen Lieder und den beruhigenden Gesang hört, doch nach drei Liedern dieser Sorte am Stück fällt man von angenehmen Tagträumen ganz schnell in einen ausgiebigen Nachmittagsschlaf.

Da machen auch keine zeitgemäßen Texte wett, was die Musik verpasst. Man ist schon dankbar, wenn sich nur der Klang – nicht aber die Struktur – der Stücke verändert, wie in „Rollen“, das ausnahmsweise auf organischen Klang in Form der Gitarre setzt. Das ist sehr bedauerlich, da besonders die romantischen Lieder von kryptisch („Herz“) bis modern („Du Bleibst“) auf alle verschiedenen Arten und immer clever das Thema behandeln. Endlioch mal wieder ein Künstler, der das älteste Thema der Welt einigermaßen frisch auf den Markt bringt. Warum er dabei auf musikalischer Ebene auf Tristesse setzt, ist jedoch nicht auszumachen.

Dabei hätte es anders laufen können. Clueso hätte nicht wieder ein Album schaffen müssen, das versucht den zeitlichen Rahmen zu sprengen und dafür vier Songs weniger aufzunehmen, die doch nur wie Doppelgänger weiterer Stücke auf der selben Platte klingen. Die winzigen Details und Ideen, die jene Lieder scheinbar abgrenzen sollen, hätten sich problemlos in die sonst so gleichen Nummern einfügen lassen. Vielleicht wäre das Album so etwas angenehmer geworden. Ein „Straßen Sind Leer“ bettelt gerade darum, dass es eine Single sein darf (wenn da nicht die unnötige Überlange per Soundsalat wäre) und auch gegen Ende des Albums erinnern ein paar übliche Clueso-Stücke daran, wofür man den Wortakrobaten sonst liebt. Das Mittelding aus Pop und der Lockerheit seines üblichen Sprechgesangs bleibt jedoch auf einem klebrigen Level hängen, das weder begeistern noch enttäuschen kann. Ein seltsamer Gleichmut gegenüber solcher Musik kann im schlimmsten Fall eintreten.

Anspieltipps:

  • Die Straßen Sind Leer
  • Du Bleibst
  • Baumkrone

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