Blackfield - Welcome To My DNA - Cover
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Blackfield Welcome To My DNA


  • Label: KScope/EDEL
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nun also doch. Nach anfänglichem Dementi wegen Zeitproblemen bei Herrn Wilson und der Beschäftigung an seinem zweiten Soloalbum, das ebenfalls bald erscheinen sollte, steht nun „Blackfield III“ in den Startlöchern. Entschuldigung, das neue Album hat ja sogar einen eigenen Titel: „Welcome To My DNA“. Ein durchaus aussagekräftiger Titel, der die Abkehr vom Projektstatus deutlich macht und gleichzeitig die sentimentale Art-Pop Musik als die Essenz der nun vollwertigen Band Blackfield definiert. Vielmehr noch wird die Melancholie in der DNA der beiden Musiker verankert. Zwei Musiker, die auf den ersten Blick so unterschiedlich erscheinen und aus völlig anderen Welten stammen, der eine aus England, der andere aus Israel, und doch sind sie musikalische Seelenverwandte. Es ist aber noch ein anderer Aspekt, der dem Titel eine für Steven Wilson typische kritische Bedeutung verleiht. Dieses bereitwillige Willkommen im Titel kann auch eine Kritik an der leichtfertigen Preisgabe seiner Persönlichkeit im Internet sein, über die sich viele Menschen keine Gedanken machen.

Nach den ersten Songs ist schnell klar, dieses Album ist anders als seine Vorgänger. Das Duo vernachlässigt leider ihre typisch eingängigen Refrains und die leichten Melodien. Die melancholische Thematik dominiert über die Texte hinaus auch die Musik. Unterstrichen wird dies durch einen omnipräsenten Einsatz von Streichinstrumenten, die den Kompositionen mehr Spannung und Dramatik verleihen. Das Arrangement der Streichinstrumente fügt sich hervorragend ins Gesamtbild der Songs, ist also nicht bloßes Beiwerk, aber was nutzt es, wenn jene Lieder nicht so emotional berühren können wie die des Vorgängeralbums. Es ist, als ob die Geigen eine gewisse Lücke zu füllen versuchen. Die beiden Herren wollen aus den alten Gewohnheiten ausbrechen, Blackfield ein Stück Veränderung einhauchen, nur wird das eher von den progressiven Porcupine Tree erwartet als den angenehm poppigen Blackfield.

Aviv Geffen hat, wie schon auf dem Vorgänger „Blackfield II“, fast alles im Alleingang geschrieben, den Großteil singt aber nach wie vor Steven Wilson. Wenn Aviv zum Mikrofon greift, kommt dabei „fuck you all, fuck you“ heraus, eine Textzeile, die man von Blackfield wahrlich nicht hören möchte, aber leider bleibt dieser Anfangsverse von „Go To Hell“ besonders im Hirn kleben. Nach mehreren Hördurchläufen ändert sich das wenig, der Gesang ist im Zuge der melancholischen Stimmung zurückgeschraubt und weniger ausdrucksstark, es fehlen einfach gute Gesangsmelodien. Schade, dass Blackfield mehr auf Anspruch als Eingängigkeit setzen. Beim Thema Produktion hingegen muss gesagt werden, dass Steven ganze Arbeit geleistet hat und das Album mit großer dynamischer Bandbreite ausgestattet hat, wie sie heutzutage fast nur noch im Jazzbereich üblich ist. Die Spielzeit dürfte um die 40 Minuten liegen, denn „Far Away“ befindet sich nicht auf der Promo.

Trotz der Kritik ist „Welcome To My DNA“ ein sehr hörenswertes Werk, das besonders in seiner zweiten Hälfte mehr Abwechslung mit sich bringt, wie dem wohl bisher rockigsten Lied dieser Band („Blood“), zwei bisher typischen Songs des Duos („Oxygen“ und „On The Plane“), einem der wenigen Stücke, in denen Melancholie und Melodie perfekt zueinander gefunden haben („DNA“) und einer durch akzentuierte Stakkato-Motive besonders spannungsgeladener Komposition („Dissolving With The Night“). Nicht zu vergessen der Höhepunkt des Albums, „Zigota“. Ein Song, der sich im Refrain unwiderstehlich hoch schraubt und am Ende eine überraschende Wendung nimmt, die Soundflächen im Hintergrund und seine Struktur deuten ganz klar auf eins der wenigen Lieder von Steven hin. So ist es, das lang erwartete dritte Album von Blackfield.

Anspieltipps:

  • Zigota
  • DNA
  • Dissolving With The Night
  • Oxygen

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