Nazareth - Big Dogz - Cover
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Nazareth Big Dogz


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein netter Überblick auf das Repertoire der Band. Doch es handelt sich nur um ein oberflächliches Menü und nicht um ausgewählte Delikatessen.

Wenn Nazareth ein neues Album herausbringen, dann kann man schon von einem Dokument der Geschichte des Hardrock in den Händen wissen. Diese Band prägt die Szene seit nunmehr vierzig Jahren mit ihren Alben und ist ähnlich wie AC/DC als Koryphäe des Genres anzusehen. Genau wie die berühmten Brüder im Geiste versuchen auch Nazareth nicht, sich dem Zeitgeist anzupassen. Hier gibt es alle Jahre wieder den Geist der 70er auf die Ohren. Gitarren, unangepasster Gesang und jede Menge Staub, der aufgewirbelt wird. So darf und muss sein, wie es AC/DC und Metallica bereits vorgemacht haben.

Es gibt keine Sperenzchen oder irgendwelche Schleifen zum vierzigsten Geburtstag. Harter, trockener, aber langsamer Hardrock wie in alten Zeiten. So und nicht anders verlaufen die ersten Minuten dieses Albums und weil man bei seinen Leisten bleiben soll, ändert sich bis „When Jesus Comes To Save The World Again“ nicht viel an dieser Rezeptur. „No Mean Monster“ fällt mit ersten Überlängeerscheinungen und Ohrwurmriff etwas mehr auf, aber das soll es auch gewesen sein. Erst das bereits genannte Lied um den Sohn Gottes beweist weitere Qualitäten. Hier gibt es eine definitiv überlange staubtrockene Ballade zu bewundern, die sich auch weniger Zeit hätte nehmen dürfen. Wenn allerdings die Wechsel von der ruhigen Strophe zum ekstatischen Chorus stattfinden nickt der Hörer jedoch zufrieden, womit größere Schäden verhindert werden. Ähnlich verhält es sich mit „Time And Tide“, das sogar über 7 Minuten lang eine Mischung aus Ruhe, Melodie und Hardrock zu liefern versucht. Auch hier werden höchstens Hardcore-Fans der alten Schule ihre helle Freude finden.

Zwar dürfte es heute niemanden mehr umhauen, doch es sei betont, dass Nazareth kein Problem haben, verschiedene Stile aufzugreifen und sie für sich zu interpretieren. So wirkt „Radio“ wie eine heimliche Huldigung an den inzwischen auch nicht mehr ganz jungen David Bowie und „Lifeboat“ hätte in den 80ern garantiert die Charts mitbestimmt. „The Toast“ will dann verspielt klingen, kann mit dieser Reibeisenstimme auf die Dauer jedoch die Nerven arg strapazieren. Die Idee des Vorworts und eines Nachworts in Form einer britisch angehauchten Rede ist nett, aber wirklich nichts Neues. Wer ein neues „Parklife“ (nur in Hardrock-Format) erwartet, der wird bitter enttäuscht.

Bevor der Hörer auf dieser vielfältigen Reise vergisst, dass er eine Hard-Rock-Band der alten Schule hört, bekommt „Big Dogz“ mit „Watch Your Back“ und „Sleeptalker“ noch einmal ordentlich Zunder zum Schluss hin. Letzteres Lied, welches auch den Abschluss des Albums darstellt, endet zwar in progressiv angehauchtem, langem Abspann, doch alles was davor kommt, zieht einem gepflegt die Socken aus. Die Ballade „Butterfly“ nimmt man dazwischen gerne mit und fühlt sich bestätigt, wenn man Nazareths breites Spektrum anpreist. Das Problem ist jedoch, dass die Band nicht mehr den Puls der Zeit auf ihrer Seite hat und so echte Ohrwürmer das einzige sind, was einen im Rennen hält.

Niemand würde sich schließlich nach Wolfmother umdrehen, wenn nicht jedes zweite Lied tagelang durch die Gehörgänge rennen würde und dabei Luftgitarre spielt. Genau diese griffigen Riffs fehlen dem Album „Big Dogz“ jedoch. Die Scheibe ist ein netter Überblick auf das Repertoire der Band, doch es ist nur ein oberflächliches Menü und nicht ausgewählte Delikatessen, die die Größe der Band beschreiben sollen. Das funktioniert zwar, lässt aber auch viel Platz nach oben übrig.

Anspieltipps:

  • Radio
  • Butterfly
  • Sleeptalker

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