TV On The Radio - Nine Types Of Light - Cover
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TV On The Radio Nine Types Of Light


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Nine Types Of Light” beinhaltet – das rot gehaltene Artwork mag es vielleicht andeuten – Songs über die Liebe.

Wer das letzte Album der Band TV On The Radio – „Dear Science“ (2008) – gehört hat, weiß, dass das New Yorker Quintett nicht zu der einfachen Sorte Bands gehört. Obwohl es in der Vergangenheit auch straightfoward Songs wie „Wolf Like Me“ (von „Return to Cookie Mountain“, 2006) gab, hatten sie auf ihrem letzten Album einen Punkt erreicht, in dem ihr Anspruch und ihre Ästhetik bei eher bedächtig voranschreitenden Songs in einer Symbiose aus Rock, Funk und Soul Vollendung fand. Ausformuliert wurde dieser immer wieder um sich spuckende Vulkan durch brodelnde und brummende Synthies, Funkgitarren, komplexe Rhythmen, Falsett-Gesang, Anlehnungen an verschiedenste weitere Genres und schließlich unbeschreiblich leidenschaftliches, detailliert ausgearbeitetes Songwriting. „Nine Types Of Light“, ihr mittlerweile fünftes Album (wenn man das selbstvertriebene „OK Calculator“ von 2002 mitzählt), nimmt sich nun die Ruhepole des insgesamt recht zappeligen „Dear Science“, wie z.B. „Family Tree“ und „DLZ“ und entwickelt daraus ein eher langsam brütendes Stück Musik.

„Nine Types Of Light” beinhaltet – das rot gehaltene Artwork mag es vielleicht andeuten – Songs über die Liebe. Musikalisch hat das Album, wie „Dear Science“ zuletzt auch, einen eher düsteren, unergründlichen Unterton, welcher jedoch optimistischer ausfällt, als man es von der Band gewohnt ist. Dies führt letztendlich jedoch, insbesondere zu Beginn des Albums, zu dem Effekt, dass sich die fünf Musiker zu sehr der Elegie und dem puren Soundbad hingeben und so ihr stetig hörbares Potential einfach etwas verträumen. Dies passiert nicht nur bei „Keep Your Heart” („I'm gonna keep your heart / If the world falls apart / I'm gonna keep your heart“), sondern insbesondere auch beim Track „You“ bei dem man stets hören kann, was TV On The Radio eigentlich auf dem Kasten haben, aber hier einfach nicht umzusetzen wissen.

Das stets ruhige und einfach wunderschöne „Killer Crane“ sowie der soulige Rock von „Will Do“ sind die herausragenden Leistungen dieses Konzepts. Allgemein zeigt die Band auf der zweite Hälfte jedoch mehr Biss: „New Cannonball Blues“ vereint mit seinen Funkgitarren, den aufbrausenden Bläsern, Falsettgesang und den im Hintergrund umherschwirrenden Synthies viele Stärken der Band. „Repetition“ ist TVOTRs Version eines krachenden Rocksongs, genauso wie das mit seinen heftig verzerrten und in den Vordergrund gemischten Gitarren auf Krawall gebürstete „Caffeinated Consciousness“. David Sitek hat bei der Produktion von „Nine Types Of Light“ wieder Großes geleistet: Auch hier ist das Klangbild wieder sehr detailliert, überall poppen Sounds aus dem Nichts auf, manchmal fühlt es sich so an, als würden hunderte Tonspuren gleichzeitig abgespielt werden, ohne dass dabei ein Soundbrei entstehen würde. Bläser („No Future Shock“) und Streicher („Forgotten“) fügen sich äußerst subtil in die Songs ein. So kann man auch diesen etwas schwächeren Tracks noch eine Menge abgewinnen.

Trotz der offensichtlichen songschreiberischen Stärken von TV On The Radio, reicht „Nine Types Of Light“ nicht an seinen Vorgänger heran. Vielleicht sind die New Yorker, die ihr neuestes Werk in Los Angeles einspielten, in manchen Momentan einfach zu lieb, vielleicht sind ihnen diesmal auch einfach nicht die besten Ideen und Melodien ihrer Karriere eingefallen. Mehrere Songs hinterlassen nicht den großen bleibenden Eindruck, zudem fügen sich die angekratzten Songs („No Future Shock“, „Repetition“) und die Ruhepole („Killer Crane“, „Will Do“) hier einfach nicht so reibungslos zusammen wie früher. Allerdings sind die Momente, in denen „Nine Types Of Light“ mehr als überzeugt, immer noch klar in der Überzahl. TV On The Radio sind hier vielleicht kein feuerspuckender Vulkan mehr, doch es brodelt immer noch beängstigend heiß unter der Oberfläche. Wir warten auf den nächsten Ausbruch.

Anspieltipps:

  • Killer Crane
  • Will Do
  • New Cannonball Blues
  • Repetition

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