The Human League - Credo - Cover
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The Human League Credo


  • Label: Wall Of Sound/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer nach einer fehlerlosen Scheibe für authentische Retro-Disco-Abende sucht, der wird hier solide bedient.

Wir sind wirklich ein verwöhntes Pack. Dank großartiger Talentsuche und den vielen Möglichkeiten in Studios genießen wir fantastischen Gesang, der die Tonleitern rauf und runter hechtet, als wäre er Michael Phelps im Schwimmbecken. Während Gesang immer flexibler geworden ist haben sich die Störgeräusche im Hintergrund – manche nennen es Musik – nicht großartig verändert. Es ist immer wieder etwas Anderes angesagt, doch selten ist es etwas wirklich Neues. Warum aber auch neu erfinden was es schon gibt? Das dachten sich auch „The Human League“ und bemerkten, dass der Synthie-Sound in den Clubs dieser Welt wieder angesagt ist. Rihanna, Lady Gaga und Co. sind auf Elektronik aus. Da schafft man nach zehn Jahren auch mal schnell wieder ein Album, um zu zeigen, wie die alte Schule solche Musik aus dem Boden stampft.

Phillip Oakey, Joanne Catherall und Susan Ann Sulley tun sich auf ihrem ersten Album seit einer Dekade erstaunlich gut zusammen. Eines sei vorneweg verraten: Sie schaffen ein Album ohne Höhepunkte. „Credo“ folgt dem Titel und liefert elf Titel, die allesamt zeigen, wie Synthie-Pop zu funktionieren hat, ohne dabei großartige Melodien aus dem Hut zu zaubern. Ob „Night People“ oder „Never Let Me Go“: Beide Lieder fordern dazu auf, die Tanzfläche zu betreten um mit dem letzten Ton aber auch direkt aus dem Kopf der Tänzer zu verschwinden und Platz für das nächste Lied zu machen. Für eine verschwitzte, durchtanzte Nacht ist solche Musik ideal, doch es sagt auch etwas über die Qualität der Melodien aus. Zu selten gelingt es, dass die Lieder auch nur ansatzweise so gut zünden wie „Night People“, wobei auch dieses Stück - wie bereits erwähnt – keine allzu großen Ohrwurmqualitäten vorzuweisen hat.

„Egomaniac“ oder auch „Sky“ sind Lieder die fast schon zu sehr nach 1979 klingen, ohne sich großartiger Aufpolierung erfreut zu haben. Damit soll der Band keine schlechte Produktion vorgeworfen werden, als vielmehr ein Nullwachstum seit ihrer Gründung. Auch wenn das die Musik ist, die zurzeit wieder Menschen vor dem Ofen hervorlockt, heißt das nicht, dass man sich nichts mehr trauen darf. Aber vielleicht reicht es auch einfach nicht für mehr oder wir sind tatsächlich zu verwöhnt. Wer nach einer fehlerlosen Scheibe für authentische Retro-Disco-Abende sucht (die inzwischen wieder in zu sein scheinen), der wird hier solide bedient. Wer meint einen Geheimtipp an Land zu ziehen, sollte nicht zu viel erwarten. Vielmehr kann man The Human League spielen, wenn man ohne großes Aufsehen nach dem nächsten Party-Hit sucht, um die Feier wieder zum Kochen zu bringen.

Anspieltipps:

  • Night People
  • Electric Shock
  • Never Let Me Go

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