Mirrors - Lights And Offerings - Cover
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Mirrors Lights And Offerings


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 58 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Uhren noch einmal zurückdrehen. Aneka, Talk Talk, Yes oder A Flock Of Seagulls noch einmal in den Radios hören und so bunte Kleidung tragen, dass jeder Öko-Aktivist der Neuzeit sich ernsthafte Gedanken macht, was da für Chemikalien in den Hawaiihemden und Haartönungen sind. Nur um auch auf der persönlichen Ebene diese Rezension zu beginnen: Der zuständige Schreiber zu „Light & Offerings“, dem Debüt der britischen Combo Mirrors, war noch nicht geboren, als diese Musik die Radiolandschaften eroberte und regierte. Zum Glück durchreitet die Menschheit seit jeher aber immer wieder Retro-Wellen und die 80er waren inzwischen mehr als nur einmal abermals angesagt.

Mit Keane hat auch schon eine eher BritPop orientierte Band gezeigt, dass sie an den Achtzigern hängen, war „Perfect Symmetry“ doch eine Verneigung vor eben diesem Jahrzehnt. Mirrors gehen den Umweg jedoch gar nicht erst, sondern wollen gleich mit dem Debüt zeigen, dass bei ihnen zu Hause immer noch die Synthie-Klänge dieser Dekade die Klanglandschaften beherrschen. Wer glaubt, dass es auch nur einen Moment ohne Keyboard auf „Light & Offerings“ gibt, der hat sich gewaltig getäuscht. Wer kennt nicht noch Hits wie „Owner Of A Lonely Heart“? Da kommt nach wenigen Sekunden das Gefühl dieser Zeit auf. Man denkt nicht großartig über die Musik nach, sondern weiß einfach sofort: 80er! Wie eine Zauberformel, die gesprochen wurde, eröffnet auch „Fear Of Drowning“ mit einem Tonteppich aus Elektronik, der keine andere Epoche als die besprochene zulässt.

Man muss die Mirrors selbst gehört haben, wenn man diesen Worten Glauben schenken will. Sie fangen den Geist der 80er wirklich perfekt ein. Man vermisst hier und da ein paar gitarrenlastige Stücke, da wirklich nur die Synthesizer den Sound des Albums bestimmen und so ein oder zwei Nummern à la „Your Love“ oder „Four Little Diamonds“, wie man sie aus der Pop-Ära um ELO und Michael Jackson kennt, wären eine nette Abwechslung gewesen. Zumindest bieten die Briten aber nicht bloß Atmosphäre, sondern mit „Hide And Seek“ oder „Searching The Wilderness“ echte Ohrwürmer. Hier wird also nicht nur aufbereitet, sondern auch selbst kreiert. Spätestens mit dem eigentlichen Abschluss des Albums „Secrets“ (die deutsche Version hält noch die Bonustracks „Visions Of You“ und „Perfectly Still“ bereit) zeigt sich in mehr als zehn Minuten, wie sehr sich die Engländer dem 80er-Jahre-Pop verschrieben haben. Sehr fein, die Herren!

Audiovisuell begeht man mit Mirrors eine Zeitreise. Es ist zwar nicht gleich ein „Zurück in die Zukunft“, aber zumindest wird hier authentisch ein Programm geboten, auf dass jeder 80er-Fan scharf sein dürfte. Mit den Klassikern dieser Epoche können sich die Mirrors natürlich kaum messen, weil dazu die Reifezeit und der Zusammenhang fehlen. Dafür fügen sich die zwölf Lieder in eine 80er-Jahre-Party so nahtlos ein, dass nicht wenige erstaunt fragen werden, wer denn diese Band ist. Nun, liebe Freunde farbenfroher Kleidung, Geschmacks verirrter Frisuren (wobei da jede Generation ihren Spleen hat) und elektronischer Musik aus dem PC: Das sind die Mirrors, Jahrgang 2011! Willkommen im Gestern.

Anspieltipps:

  • Into The Heart
  • Hide And Seek
  • Secrets

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