Primal Scream - Screamadelica (20th Anniversary Edition) - Cover
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Primal Scream Screamadelica (20th Anniversary Edition)


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 88 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Screamadelica“, das 1991 veröffentlichte, dritte Album der schottischen Band Primal Scream, gilt für nicht wenige als einer der Meilensteine in der Rockmusik der 90er Jahre. Das Album bedeutete für die 1984 gegründete Gruppe um Bobby Gillespie den internationalen Durchbruch und bestand aus einem auch heute noch faszinierenden, musikalischen Mosaik mit einem „Crossover aus Psychedelic- bzw. Indie-Rock, Sitarklängen, Samples und Elementen der Dance Music“. Es war das erste Album, das den britischen Mercury Music Award gewann und taucht immer wieder in rückblickenden 90er Bestenlisten auf. Diese Tage kommt das Album aus gegebenen Anlass in der von der Band und Kevin Shields (My Bloody Valentine) remasterten „20th Anniversary Edition“ auf den Markt: Zum einen in der kostengünstigen 2-CD-Version, welche abgesehen vom Album selbst die 1992 veröffentlichte „Dixie Narco EP“ enthält und Gegenstand dieser Rezension ist. Zum anderen gibt es für die eingefleischten Fans auch die runde Collector‘s Edition-Box, welche zusätzlich noch ein Live-Album, eine CD mit Remixes, eine DVD mit Videos und einem Making of sowie das Album als Doppelvinyl umfasst. Ein echter Hingucker also, der sich aber auch einiges kosten lässt.

„Screamadelica“ schießt musikalisch in unglaublich viele Richtungen, lebt von Samples diverser Songs der Musikgeschichte und sampelt beim Lied „Loaded“ sogar Teile eines Dialogs aus dem Film „The Wild Angels“ von 1966. Eines jedoch haben (fast) alle Songs gemeinsam: Eine unaufdringlich gelockerte Atmosphäre, die mit lässiger Percussion auch mal zum Tanzen einlädt und heute immer noch so taufrisch wirkt wie gerade aus dem Kühlregal genommen. „Movin' On Up“ erinnert mit seinen Lyrics an das allseits bekannte „Amazing Grace“, während sich Gillespies Stimme mit einem Gospelchor paart. Dazu gibts einen Rhythmus, der nach den Rolling Stones schreit. „Don't Fight It, Feel It“ vermischt erstmals elektronische Elemente mit Rock zu einem Italo House-ähnlichem Style, bevor es dann mit „Higher Than The Sun“ (welches später noch in einer Dubversion wieder auftauchen wird) und „Inner Flight“ richtig düster, größtenteils elektronisch und psychedelisch wird. Nicht nur das folgende „Come Together“ beinhaltet auch weibliche Vocals. „Loaded“ schließt musikalisch an den Opener an, punktet aber zusätzlich mit einer lässig aufspielenden Bläser-Sektion. „Damaged“ hingegen versprüht mit Klavier, Akustikgitarre und zurückhaltender Percussion eine äußerst entspannte Stimmung.

Dies sind lediglich einige Beispiele für die Vielfalt und den Einfallsreichtum, mit dem Primal Scream 1991 ihr Album wie einen Flickenteppich zusammensetzten. Auf „Screamadelica“ ist eine unheimliche Breite an Einflüssen und Ideen zu hören, die zwar nicht durchweg einen roten Faden erkennen lassen, aber das Album mit ausnahmslos starken Songs füllen. Die „Dixie Narco EP“ schließt größtenteils an Qualität sowie Stil an und enthält den titelgebenden Song „Screamadelica“. Die Songs der beiden Scheiben variieren untereinander nicht nur stark in ihrer Länge, sondern auch in Aufbau sowie Instrumentenwahl. Auch auf ihren späteren Alben wie zum Beispiel „XTRMNTR“ (2000), welches die elektronischen Elemente zum aggressiven Protagonisten werden lässt, zeigte sich die Band nicht minder wandlungsfähig und experimentierfreudig. So ist „Screamadelica“ auch heute noch ein hervorragendes Album für Liebhaber vielfältiger, alternativer Rockmusik mit ruhigeren Momenten sowie Dance-Rhythmen.

Anspieltipps:

  • Movin' On Up
  • Slip Inside This House
  • Come Together
  • Loaded
  • Higher Than The Sun (A Dub Symphony In Two Parts)
  • Stone My Soul

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