Malachai - Return To The Ugly Side - Cover
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Malachai Return To The Ugly Side


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 35 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Worin sich „Return To The Ugly Side“ am meisten vom Debüt unterscheidet, ist seine dramaturgische Stringenz.

Wenn Portishead’s Geoff Barrow eine Band über den Klee lobt darf man ruhig genauer hinhören. Nicht nur, weil er das selten tut, sondern weil er als Hauptarrangeur des portishead’schen Klangkosmos und verantwortlicher der Sampleauswahl ein dick-derbes Musikwissen haben muss.

Also hörten alle genauer hin letztes Jahr beim Debüt der ebenfalls aus Bristol stammenden Malachai, die nach dem Rechtsstreit mit dem gleichnamigen Rapper sich fortan mit „ch“ und nicht mehr mit „k“ schreiben. Typisch Bristol war das Ergebnis einigermaßen crazy zwischen Massive Attack, Portishead und Tricky zielsicher anzusiedeln. Malachai’s Debüt, „The Ugly Side Of Love“, war schwerer Tobak, durchgeknallt, komplex und Sampleüberladen. Aus Geoff Barrows Tipp, der das Debüt zudem produzierte, wurde so etwas wie ein erweiterter Geschmackshinweis für Portishead-Maniacs.

Doch nun, ein Jahr später, knallen Malachai uns gleich den noch finsteren Nachfolger ins Gesicht. Und der ist der richtig große Wurf. Thematisch dichter, mit wiederkehrender Samplemotivwahl und Klangelementen à la Dopplung und Stimmverzerrung reiten wir 35 verschwitzte Minuten auf einer Achterbahn der Wahrnehmung. Musik für den schweren Rausch, eindeutig. Donnernde Perkussionsgewitter entladen sich über mächtige Samples voller fieser Fallen und irrer Wortwahl.

Worin sich „Return To The Ugly Side“ am meisten vom Debüt unterscheidet, ist also seine dramaturgische Stringenz. Alpdruckartig wankt man beim hören gleich durch mehrere diffuse Träume, doch der Wolkenhimmel bleibt die ganze Zeit bedrohlich geladen und tiefdunkel. Nach einer heftigen Flakseite Perkussionsbeschuss greift der weiße Hai im Opener unvermittelt an, nur um im nächsten Moment in ein Meer aus Violinenmelodien sich elegisch aufzulösen. Die Drums- und Percussionsamples sind auch im Weiteren das, was „Return To The Ugly Side“ pointiert zu gefährlich guter Musik werden lässt. Ob im manisch-polternden „Anne“ oder im Gleichschritt zum Rockgitarrensample marschierenden „Mid Antarctica (Wearin’ Sandals)“: allgegenwärtig versetzt es Schläge, Trommeln und schepperndes Knallen. Perfekte Übergänge zu hypnotisch tickenden Anschleichern wie „Rainbows (feat. Katy Wainwright)” machen die Sache endgültig zum staunenden Kopfschütteln, bevor auf „(My) Ambulance“ der schiere TripHop-Wahnsinn regiert.

„Monster“ ist der perfekte Titel für ein Ungetüm an Song, der die vorherrschende Stimmung auf Malachais Zweitwerk adäquat versinnbildlicht: schneidende Streicher, Gewährsalvengetrommel und unberechenbare Gesangsmelodien machen berauscht wie eine gute Droge. Und es wird nicht locker gelassen: das croonende „The Don’t Just“ reitet auf Gefühlswellen der Gänsehaut und so erst recht der vielleicht eingängigste der 14 gemein-gefährlichen Songs, „Let Em Fall“, mit seiner Hookline zum Zunge schnalzen.

Man möchte Domino Recordings einen Orden verleihen für ihre Labelarbeit; gibt es eigentlich einen einzigen überflüssigen Act bei ihnen? Malachai jedenfalls, von dessen Protagonisten man nicht viel mehr weiß als das sie Gee (Gesang) und Scott (Samples) heißen, sind mit diesem Album angekommen in der großen weiten gemeinde international aufsehenerregender Musik. Geoff Barrow, der alte Sample-Meister von Portishead, hatte doch Recht: man ziehe sich Malachai ins Gemüt!

Anspieltipps:

  • Let ‘Em Fall
  • Monster
  • Monsters
  • Mid Antarctica (Wearin’ Sandals)
  • Rainbows (feat. Katy Wainwright)
  • The Don’t Just
  • No More Rain No Maureen

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