Joyless - Without Support - Cover
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Joyless Without Support


  • Label: Van Records/SOULFOOD
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Have a nice fight“, besser hätten Joyless, 1996 als Nebenprojekt der norwegischen Black-Metal-Combo Forgotten Woods ins Leben gerufen, ihren Opener nicht nennen können. Das Wortspiel, welches auf „Have a nice trip“ anspielt, beinhaltet nämlich die beiden Pole, die das Album „Without support“ umspielt. Einen Kampf mit sich und seinen Hörgewohnheiten muss der Hörer nämlich über die gesamte Spielzeit ausfechten, um diesen oftmals extrem psychedelischen Trip durchzuhalten. Abgesehen von den Black-Metal-typisch sehr hoch gestimmten Gitarren, erinnert dabei nichts an die musikalischen Wurzeln der Bandmitglieder. Stattdessen werden schnell Erinnerungen an 60er Rock, Shoegazing aber auch Avantgarde-Pop wach.

Schon das Intro von „Have a nice fight“ ist eine lupenreine Reminiszenz an The Doors, gefolgt von Ida Hellbøs sanfte, immer wieder knapp am Kitsch vorbeischrammenden Gesang und einem Melodiebogen, der in seiner Monotonie an Urfaust erinnert, mit denen Joyless 2009 eine Split-CD veröffentlichten. Dabei entwickeln sich Melodie und Gesang nicht immer parallel, sondern ein ums andere Mal konträr zueinander.

Besonders auffallend ist dies bei dem hervorragenden, Grenzen sprengenden „De profundis domine“, bei dem nicht nur hier der Hörer unweigerlich an die altehrwürdigen Velvet Underground denken muss, die neben den Pixies bei diesem Track Pate zu sein scheinen. Allerdings steckt auch hier der Teufel im Detail, denn was neben modernen Scratches an vertrackten Rhythmus-Sequenzen herausgeholt wird, spottet jeder Beschreibung, denn am Ende werden auch noch Rockabilly und Hole zitiert.

Neben den zumeist melancholisch bis depressiven Titeln sticht „Better“ als ein Ausbund an Lebensfreude hervor. Überraschend gesellen sich dabei dem Rockinstrumentarium Instrumente wie Banjo und Mundharmonika hinzu und gestalten so eine Countrynummer, die wie eine schräge Interpretation der aktuelle Grammyabräumer Lady Antebellum klingt. Es ist zwar nicht „Spiel mir das Lied vom Tod“ aber mit „Shimmer and Shine“ wird auch noch der verraucht Westernsaloon bedient, garniert mit punkigem Zwischenspiel um dann noch Western mit Doom zu vermengen.

Mit „Journey“, welches ausschließlich aus Orgelklängen und sphärischem, fast dissonanten Gesang besteht, streifen die Norweger auch noch das Soundtrackgenre. Wohin die Reise allerdings für „Joyless“ gehen soll, muss der Hörer selbst entscheiden. Ob sie „Without support“ bleiben werden, ist die große Frage, denn das Album verlangt sehr offene Hörer. Die vielen zitierten Bands und Genres verlangen mit Sicherheit nach mehr als einen Hördurchgang. Ohne Zweifel handelt es sich für den bewanderten Musikkenner um ein starkes Album, ob es allerdings viele Hörer erreichen wird, darf bezweifelt werden.

Anspieltipps:

  • Have a nice fight
  • De profundis domine
  • Shimmer and Shine

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