Ayo - Billie-Eve - Cover
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Ayo Billie-Eve


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 62 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Sind es wirklich schon wieder drei Jahre, die seit der letzten Platte der deutschen Soulsängerin Ayo ins Land gezogen sind? Ist die süße Wahl-New-Yorkerin tatsächlich schon über dreißig? Aus dem Mädchen ist also endgültig eine Frau geworden, doch wen wundert das noch? Ihre letzten beiden Alben waren schon sehr erwachsen und so darf man auch von „Bille Eve“ reife Klänge erwarten. Wie schon auf dem letzten Album erwarten den Hörer Reggae, Soul und feiner Pop, der hier und da mit Blues angereichert wird. Die größte Neuerung ist jedoch ein gewagter Ausflug zum Funk, der Gitarren mehr in den Vordergrund rückt. Aber Eines nach dem Anderen.

Ayos neues Album beginnt zutraulich balladesk mit sanftem Gesang und nur von Piano unterstützt, bevor Reggae-Beats einsetzen und aus dem bedächtigen „How Many People?“ eine entspannte Nummern zum Ausspannen wird. Feierabend, du darfst kommen! Auch die ersten Gitarren-Riffs machen sich im Eröffnungstrack breit und kündigen eine rauere Gangart als auf den vorigen Alben an. Das fast schon wütende Finale des ersten Song unterstreicht diesen Eindruck. Die gewollt laute Single „I'm Gonna Dance“ kann sich zwar nicht wirklich entscheiden, ob sie Pop oder Rock sein möchte und auch Ayos kräftiger Gesang, der immer noch dem Soul verbunden ist, hilft da nicht wirklich weiter. Dafür sorgt ihre Stimme allein dafür, dass bei dauerhafter Beschallung Ayo eines der Themen des aufkeimenden Frühlings sein könnte. Ihre Stimme reißt den Hörer mit, macht Spaß und lässt über die eigentlichen Schwächen des Songs hinweg sehen.

Aber natürlich versucht sich unsere Soul-Maid nicht allzu sehr anzubieten. Zwar lässt sich ein „I Can't“ als klare Popnummer abstempeln und einige weitere Tracks hören sich gefährlich normal an, doch damit würde man der guten Frau nicht gerecht werden. Soul-Nummern, die mal bedächtig-nachdenklich („Black Spoon“) oder auch verführerisch klingen („Flower“). Außerdem werden viele Melodien durch den Reggae gerettet. „Real Love“ wird seinem Titel im Chorus und zu Beginn entsprechend zu kitschig, wird jedoch in den Strophen ausgeglichen. Nicht, dass Liebeslieder etwas schlechtes sind, doch wenn die Ohren mit Sirup verklebt sind, hört es sich so schlecht. Da doch lieber am Soul orientierte, bluesige Nummern wie das anschließende „Julia“. Dafür hört man Ayo: Ausdrucksstarker Gesang, eine wohlige, aber nie flache Atmosphäre, hinter der sich immer noch etwas zu verbergen scheint.

Wer Angst hat, dass von dieser Sorte Musik nicht genug vorhanden ist, der darf sich beruhigt zurücklehnen – wenn er denn kann. Songs wie das funkige „My Man“ oder auch das schnelle „We've Got To“ und natürlich die Coverversion von „I Want You Back“ sorgen für wippende Hüften und breites Grinsen. Bei Männern sollte zumindest das typisch verklemmte Arme heben und senken drin sein. Ansonsten wird der zweite Teil von „Billie Eve“ von ruhigen Nummern beherrscht. Mal wird Reggae in langsamster Spielform zelebriert („It's Too Late“), dann geht es akustisch und behutsam zur Sache („Who Are They?“, „It Hurts“) oder man darf wieder ganz feinen Soul made from Germany in US genießen („Before (After)“, „I Know A Place“). Der Facettenreichtum des Albums dürfte in über 16 Lieder verteilt früher oder später unter Garantie Musik für Jedermann garantieren. Das heißt jedoch nicht, dass es sich hierbei um ein oberflächliches Werk handelt, das anspruchsvollen Fans nicht Genüge tun kann. Bis auf die schwächeren Pop-Ausrutscher kann hier jeder Soul-Fan glücklich werden, der nichts gegen ein paar Ausflüge ins Reggae-Gefilde auszusetzen hat.

Anspieltipps:

  • It's Too Late
  • My Man
  • I Know A Place

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