Joe Bonamassa - Dust Bowl - Cover
Große Ansicht

Joe Bonamassa Dust Bowl


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 63 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Joe Bonamassa ist zurück, zurück aus der Zukunft. Wo auch immer er war, Urlaub war es wohl nicht, denn wie kann man bitte schön jedes Jahr ein neues Album aus dem Boden stampfen, auf Tour gehen und das gleiche Programm nun auch mit Black Country Communion abspulen. Der Mann muss unglaublich diszipliniert sein und einen weit reichenden Arbeitsplan pflegen. Vielleicht möchte er auch die Diskographie von B.B. King übertrumpfen. Zumindest ist er auf einem guten Weg, zehn Jahre, zehn Studioalben.

Ziemlich genau vor einem Jahr gab es „Black Rock“ auf die Ohren, was sehr stark vom Led Zeppelin-Rock beeinflusst war, aber auch einige Kontraste mit Anleihen an die Weltmusik enthielt. Nix für Bluespuristen, aber mit „Dust Bowl“ geht Bonamassa zurück in Richtung seiner Anfangstage, das bedeutet deutlich mehr Bluesgefühl und ein in sich mehr einheitliches Album. Der Titel dokumentiert dabei genau wie beim Vorgänger bestens die eingeschlagene Richtung was Musik und Klang anbelangt. Staubtrocken ist vor allem der Beginn der Platte mit einer langsam anrollenden Dampflok, die perfekt am Schlagzeug simuliert wird, „there‘s a slow train a comin‘“ singt Bonamassa mit einer Besorgnis in der Stimme. Das vor tiefen Tönen triefende „Dust Bowl“ passt sich der Stimmung an.

Was jedem Fan Pipi in die Augen treiben dürfte, sind die grandiosen Soli, die auf diesem Album wieder mehr zum Vorschein kommen. Die Riffbetonte Musik der letzten beiden Alben ist passe, auf „Dust Bowl“ heult die Gitarre wieder häufiger. Auf solche Gefühlsausbrüche wie in „No Love On The Street“ hat jeder seit dem Song „Sloe Gin“ gewartet. Was für einen unfassbaren Gänsehaut-Faktor dieser Song ausstrahlt. Das Beste, es ist nicht der einzige mit solch hoher Qualität, mit „Prisoner“ schließt ein weiter Hochkaräter das Album ab. Das ist aber längst nicht alles, denn „Dust Bowl“ bietet fast durchgehend klasse Songs, zum Beispiel in Balladenform, wie „The Last Matador Of Bayonne“, dem eine Trompete im Hintergrund ein spanisches Gefühl verleiht und das obwohl Bayonne in Südfrankreich liegt. Live werden diese Songs super wirken, denn das ist das wahre Terrain des Bluesmeisters.

Drei Gastauftritte sind zu verzeichnen, die dem Album etwas andere Facetten beisteuern, aber gleichzeitig sind jene Songs auch nicht wirklich herausragend. Mit John Hiatt geht es leicht in Richtung Country und mit Vince Gill traditionell und mit Piano im Hintergrund. Die Paul Rodgers Nummer „Heartbreaker“ ist ein gelungenes Duett mit Glenn Hughes, aber eigentlich hätte Bonamassa darauf verzichten können, schließlich spielen beide in der Supergroup Black Country Communion, die noch dieses Jahr ihr zweites Album auf den Markt werfen möchte. Ein wirklicher Albumfüller ist indes nur „You Better Watch Yourself“, das so wirklich keine besonderen Qualitäten aufweist.

Gesanglich hat sich Joe nochmals gesteigert, er hört sich lockerer an, die höheren Töne dringen ihm deutlich leichter aus der Kehle. Mittlerweile ist es schwer zu differenzieren, welches Album von Bonamassa besser ist als das andere, sie sind alle auf ihre Art anders, aber immer auf einem starken Niveau. Nicht umsonst wird er als „The New King Of Blues Rock“ gefeiert. Abzüge gibt es aber in der B-Note, denn sehr störende Verzerrungen durch Clipping verderben den Hörspaß, besonders auffällig in „Slow Train“, so etwas sollte vermieden werden Herr Caveman.

Anspieltipps:

  • No Love On The Street
  • Prisoner
  • The Last Matador Of Bayonne
  • Dust Bowl

Neue Kritiken im Genre „Blues“
6/10

Live At Carnegie Hall: An Acoustic Evening
  • 2017    
Diskutiere über „Joe Bonamassa“
comments powered by Disqus