The Haunted - Unseen - Cover
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The Haunted Unseen


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Haufen widerspenstige und kratzbürstige Metal-Exponate.

„Epic, danceable, groovy” soll es sein, das neue The Haunted-Album. „The goal right from the beginning was to make an album that would stand out from the pack. We did not want to go for being the loudest record on earth, the most in your face-tearing-shit-up sounding feast. We wanted to make an album you can listen to the whole way through and still be hungry for more, so you have to play it again...and again...and again!” verkündet Tue Madsen (Dark Tranquillity, Moonspell, Sick Of It All), der seit „The dead eye” (10/2006) als Produzent für die Wirkung des Gesamtpakets des vorwärtsgewandten Entstehungsprozesses bei The Haunted zuständig ist. Kompromisse gehen Anders Björler (Gitarre), Patrik Jensen (Gitarre), Jonas Björler (Bass) und Per Möller Jensen (Schlagzeug) seit der Rückkehr Peter Dolvings (Gesang) schließlich keine mehr ein und da liegt es auf der Hand einfach das zu machen, worauf man Bock hat.

Im Falle von „Unseen“ bedeutet das einen Haufen an widerspenstiger und kratzbürstiger Metal-Exponate in das Abspielgerät gesteckt zu bekommen, die erst einmal gezähmt werden müssen, denn ein Feuerwerk an eingängiger Thrashkost brennen The Haunted mit ihrem siebten Album wahrlich nicht ab. Vielmehr verkriechen sich unzählige Ideen unter einem engmaschigen Korsett aus ambitionierten, aber ebenso unberechenbaren Klangungetümen, die sich per se nicht dem Schema der Unterhaltung beugen, sondern abseits jeglicher Trends ein Festmahl für Gourmets darstellen wollen. „Never better“ bringt es sogleich auf den Punkt: Hämmernde Schlagzeugpatterns dringen rücksichtlos in die Nervenknoten ein, an den Gitarren wird ohne Punkt und Komma ein Rhythmuswechsel zelebriert und Dolving krächzt heiser seine Lyrics ins Mikro. Zwischenzeitlich erinnert diese anspruchsvolle Mixtur an Korn, dann gibt es wieder Parallellen zu Tool. Schubladen? Welche Schubladen?

In diese Kerbe schlagen auch die restlichen Kompositionen auf „Unseen“. „No ghost“ gefällt sich als walzendes Groovemonster mit Down-Appeal, „Catch 22“ erinnert nicht nur vom Namen her an eine vertrackte Meshuggah-Komposition, Post Hardcore-Parallelen zur At The Drive-In-Splittergruppe Sparta werden in „Disappear“ und „Motionless“ wach und „Done“ wandert ein weiteres Mal ungeniert in Kirk Windsteins Vorgarten. Dolving & Co. belassen es jedoch zum Glück nicht bei diesen simplen Annäherungsversuchen, sondern saugen wie eine musikhungrige Amöbe sämtliche Einflüsse auf und verpacken sie anschließend geschmackvoll mit einem The Haunted-Schleifchen, das schnell vergessen lässt, das einige Ideen nicht mehr ganz so taufrisch sind. Ein roter Faden bleibt dadurch zwar verborgen, „Unseen“ will aber ohnehin mehr als nur „Gefallen“ beim Hörer erzeugen oder diesen Effekt gar nicht erst zulassen.

Paradigmatisch hierfür ist das stringente, drogenschwanger herumtaumelnde „The skull“, welches pfeifend über die Ziellinie getragen und vom ganz und gar nutzlosen Intermezzo „Ocean park“ abgelöst wird. Wer hierbei kein riesengroßes Fragezeichen im Oberstübchen heranwachsen lässt, hört wahrscheinich noch abgedrehtere Sinnlosigkeiten. Klassischer, dezent abgewandelter und verfeinerter Göteburg-Metal ist das sowieso keiner mehr, doch leider kristallisiert sich nach mehreren Umdrehungen auch kein Album heraus, das mit dem Hörer wächst. „Unseen“ ist sicherlich nicht oberflächlich oder gar konventionell, aber wenn sich erst einmal der Rauch gelegt hat, bleibt lediglich eine Scheibe, die zwar viele Ansätze bietet, einige klangliche Experimente offenbart und streng ihr Ding durchzieht, im gleichen Zug aber keine Lösungen für lose Fäden, im Gefecht verloren gegangene Melodien oder monotone Strukturen parat hält, die die Erfahrung von „Unseen“ aufgewertet hätten. Und das ist extrem schade!

Anspieltipps:

  • Unseen
  • No Ghost
  • Disappear

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