Nôze - Dring - Cover
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Nôze Dring


  • Label: Get Physical Music
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Dring“ ist zuallererst einmal ein instrumentales Album. Dennoch: Man sieht sich auf der Tanzfläche.

Der Bandname Nôze, sowie der Titel des neuen Albums „Dring“ klingen platt und unglaublich einfach. Das sei Künstlern mit den bürgerlichen Namen Ezechiel Pailhès und Nicholas Sfintescu jedoch gestattet. Denn unabhängig von der Einfachheit des Titels gibt es auch diesmal wieder vielschichtigen Gipsy House aus Frankreich. Was in den nächsten 49 Minuten folgt ist geradezu unverschämt einfach zu erklären und dennoch muss man es selbst gehört haben. Gipsy House mit allen Freiheiten der improvisierten Jazzmusik lautet das durchgehende Programm, aber wie macht man das dem Hörer in spe noch weiter deutlich?

„Dring“ ist zuallererst einmal ein instrumentales Album. Zwar sind immer wieder Stimmen zu hören und teilweise auch so etwas wie Gesang, doch hier werden mehr Formeln gesprochen, als dass ein zusammenhängender Text den Hörer erwartet. Zusammen mit einem Ensemble, das irgendwo zwischen Jazz und Gipsy ausgestattet ist, erwarten einen mal Songs wie die Eröffnung „C'Era Una Volta“, die mit allem, was an Instrumenten vorhanden ist, auffahren. Dagegen stemmt sich ein reduziertes „Cinq“ vergebens, da sich auf dem Album die „We No Speak Americano“-Stimmung unaufhaltsam ausbreitet. Allein der Schluss in Form von „Willi Willi“ lässt das Album in einer unglaublich dämlichen Jazz-Piano-Nummer enden. Ansonsten regieren Bläser, die sich offensichtlich illegale Substanzen eingeflößt haben das Geschehen und geben Zunder, Zucker und womit man die Hörerschaft noch so auf Touren bringen kann.

Entweder hält man sich bei Gipsy House die Ohren zu oder man kann nicht anders, als sich zur Musik zu bewegen. So einfach ist das Rezept und Nôze können sich sicher sein, dass alle Menschen auf der Tanzfläche diese Musik bis ins Mark spüren oder verachten. Da weiß man, woran man ist. „Dring Dring“ ist ein wunderbares Beispiel für den psychedelischen, verfolgenden Stil den dieses Albums auszeichnet. Hier wird auch deutlich, dass der Gesang viel eher die Atmosphäre unterstützt, als ein eigenständiges Werkzeug unabhängig von der ganzen Kulisse zu sein. Das ist der Gesang höchstens in bereits genanntem „Willi Willi“ und auch in „Exodus“, welches sich nach konventionellem Beginn jedoch in einen wunderschönen Rhythmus rettet. Ähnlich hört es sich in „Nubian Beauty“ an, das ebenfalls mit afrikanisch angehauchten Rhythmen arbeitet.

Das Album hat neben „Willi Willi“ und dem eben nur durchschnittlichen „Exodus“ mit „When Tiger Smoked noch einen dritten Track (von neun) zu bieten, der nicht wirklich mitreißt. Auch hier erreicht das Lied nur das rettende Ufer des Durchschnitts aufgrund des jazzigen Mittelteils, der für Stimmung sorgt, bevor das Lied wieder verflacht und man nicht weiß, ob es jetzt Lounge, Dance oder House sein soll. Eine gewagte Mischung, die leider nicht aufgeht.

Alle diese Ausrutscher sind allerdings zu verschmerzen, wenn die Reggae-Nummer „In The Back Of My Ship“ und noch eine „Dring Dring“ ähnliche Perle in Form von „Marabout“ aufkreuzt. Zwar lässt sich eben diesem Track und auch dem ein oder anderen weiteren Song vorwerfen, dass er ein wenig zu simpel gestrickt ist, doch für die enorme Freude, die diese Lieder ausstrahlen, brauchen sich diese Tracks nicht zu rechtfertigen. Virtuosen oder einfache Handwerker, die den Zeitgeist treffen? Darüber kann man sich bei polarisierender Musik wie dieser am Besten streiten. Man sieht sich auf der Tanzfläche.

Anspieltipps:

  • Dring Dring
  • In The Back Of My Ship
  • Nubian Beauty

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