Beardfish - Mammoth - Cover
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Beardfish Mammoth


  • Label: InsideOut/EMI
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Frische und Spritzigkeit sind zwei Eigenschaften, die im Zusammenhang mit Retro-Prog normalerweise keine Nennung finden. Genau dies haben Beardfish aber bislang verkörpert, indem sie den 70er Prog nicht einfach synchron wiedergaben, sondern mit einer gehörigen Portion Spontanität, Verrücktheit und Humor ausstatteten. Geäußert hat sich dies in einem kunterbunten Stildurcheinander, zumindest traf jenes auf den Vorgänger „Destined Solitaire“ zu, der das ein oder andere Ründchen mehr im Player machen musste, bevor der Besitzer die Vielfalt erfassen konnte. Der Nachfolger „Mammoth“ lässt vieles davon vermissen. Der Frische-Bonus ist aufgebraucht.

Das Album präsentiert sich gediegener, nicht so chaotisch und abwechslungsreich wie der Vorgänger und somit auch weniger spontan. Die Schweden spielen nach wie vor unglaublich locker daher, aber ihre Kompositionen sind diesmal mehr geradlinig, erdig und rockig und hierdurch an vielen Stellen schlichtweg leicht zu durchschauen, geradezu voraussehbar. Beardfish klingen als ob sie erwachsen geworden wären und keine musikalischen Faxen mehr machen möchten, aber genau das hat sie doch so hörenswert gemacht. Die etwas seltsam matte Produktion tut ihr übriges zu diesem Eindruck. Andererseits muss man ihnen zugutehalten, dass sie sich nicht wiederholen und ihren Retro-Prog aus einem anderen Blickwinkel darstellen.

Alles schwarzmalen wollen wir aber nicht, denn „Mammoth“ hat auch seine schönen Seiten. Für die richtigen Progger dürfte „And The Stone Said If I Could Speak“ am interessantesten sein, für Nicht-Progger am ehesten „Green Waves“, in welchem das Retro-Korsett zum ersten mal richtig abgeworfen wird und mehr auf die Tube gedrückt wird. Erfreulicherweise wird der Hammond-Orgel eine Pause gegönnt und die verzerrten Gitarren in den Vordergrund beordert. Das größte Highlight folgt kurz darauf mit „Akakabotu“, das einen stark jazzrockigen Charakter entfaltet, der dank eines starken Saxophon-Beitrags unterstrichen wird – sehr hörenswert. Zwischen die beiden Stücke wurde mit „Outside/Inside“ ein kurzes Klavierbasiertes Stück eingeschoben, welches die Songs nicht miteinander verbindet, sondern sich sehr kontrastreich wie ein Trennglied dazwischen schiebt. Der Rest des Albums ist durchschnittliche Retro-Kost, für Liebhaber des Genres sicherlich ein Pflichtkauf, für alle anderen ist Spock’s Beard die deutlich bessere Wahl. Was haben die bloß alle mit ihren Bärten?

Anspieltipps:

  • Akakabotu
  • Green Waves
  • And The Stone Said If I Could Speak

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