Amon Amarth - Surtur Rising - Cover
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Amon Amarth Surtur Rising


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist schon fast ein wenig mühselig es jedes Mal aufs Neue zu betonen, aber Amon Amarth sind eine Macht. Die letzten Studioalben sind mehr oder weniger der Inbegriff von in Musik kanalisierter nordischer Mythologie und live blasen einen Johan Hegg (Gesang), Olavi Mikkonen (Gitarre), Johan Söderberg (Gitarre), Ted Lundström (Bass) und Fredrik Andersson (Schlagzeug) durch ihren starken Backkatalog ohnehin regelmäßig nach Valhalla. Die fünf Schweden können praktisch nichts mehr falsch machen, „Fate Of Norns“ (09/2004) bleibt trotz des damit eingeleiteten, kommerziellen Durchbruchs eine gut behütete Achillesferse und die einzige Frage, die an jedes neue Machwerk gestellt wird, ist nicht etwa, inwiefern der Nachfolger den Vorgänger toppt, sondern ob Hegg und seine Mannen noch Geschichten gefunden haben, die es, in den typischen Amon Amarth-Trademarksound gehüllt, zu erzählen gibt. Innovation will man von einer Band wie dieser schließlich nur im Entferntesten hören und selbst dann nur wenn es songdienlich vonstatten geht.

In diesem Sinne kann definitiv eine Entwarnung ausgesprochen werden. „Surtur Rising“, das sich mit den Geschehnissen um den Riesen Surt während des Ragnarök auseinandersetzt, ist ein weiterer Instant-Klassiker für die stetig wachsende Fangemeinde geworden: Brutal, zähnefletschend, aber auch emotional und prachtvoll in Szene gesetzt. Produzent Jens Bogren (Katatonia, Soilwork, Opeth) hat der Scheibe einen räudigeren Touch im Vergleich zu „Twilight Of The Thunder God“ (09/2008) verpasst, Johan röhrt mit unnachahmlich klarer Artikulation durch die Texte und kompositorisch treten die Herrschaften nicht in die Radarfalle, sondern loten mit viel Umsicht Grenzen aus, bieten hervorragende, frische Melodien an und halten so das Niveau auf einem Level, das selbst Bragi vor ihnen den Hut ziehen würde. Doch genug der Lorbeeren, „Surtur Rising“ hat trotz seiner gelungenen Darbietung eine Schwachstelle und das ist seine versteckte Tendenz neue Ufer ansteuern zu wollen.

Das betrifft zwar effektiv nur „The last stand of Frej“, aber gerade dieser sich mühsam voranschleppende Brocken in Doom-Optik zeigt, das Weiterentwicklung nicht immer ein gutes Omen ist. Okay, auf der Stelle tretende Exemplare wie „Destroyer of the universe“, das unverschämt an den Titeltrack des Vorgängers erinnert, der 0815-Knüppel „Live without regrets“ oder „Wrath of the norsemen“, welcher sich trotz einer grandiosen Gesangseinlage Heggs für die Skip-Taste qualifiziert, sind ebenso wenig zu gebrauchen, aber wer weiß wohin diese Reise gehen könnte, wenn Amon Amarth die bekannten Pfade verlassen und zu experimentieren beginnen? Sorgenfalten müssen noch lange keine gezogen werden, denn dafür ist das restliche Material einfach zu gut, jedoch wollen wir hoffen, die Schweden bleiben sich ihrer Formel treu anstatt es irgendwelchen Zweiflern und Kritikern Recht machen zu wollen.

Widmen wir uns also wieder den positiven Aspekten von „Surtur Rising“. Diese kennen 2011 vorrangig ein Adjektiv und das nennt sich „episch“. In Großbuchstaben! Schon „War of the gods“ trommelt die verschlafene Unterwelt wach und kann nicht nur wegen seines flotten Tempos die Rübe in Schwingung versetzen, sondern auch durch eine prachtvoll in Szene gesetze Solopartie von Mikkonen und Söderberg. Gleich danach wird die Geschichte um den Verräter Loki („Lokes treachery“) weiter gesponnen, die auf „With Oden On Our Side“ (09/2006) mit „Hermod´s ride to Hel“ begonnen und nun mit „Töck´s taunt“ eine weitere Episode spendiert bekommt. Ein Riff für die Ewigkeit geleitet den Hörer durch den Song, vorbei an einem mächtigen Chorus und hin zu einem einzigartigen Instrumentalteil um schlussendlich wieder alles so enden zu lassen wie es begonnen hat. Sechs Minuten können eigentlich kaum besser genutzt werden!

Mit „Slaves of fear“ kredenzen die Schweden dann wieder einen dieser Amon Amarth-Songs, der einem schon nach dem ersten Mal nicht mehr aus Kopf geht, während „For victory and death“ anfänglich etwas blass zu sein scheint, allerdings nach mehreren Umdrehungen seine Qualitäten offenbart. Für den Schluss gibt es dann noch zwei besonders schmackhafte Stücke: „A beast am I“ geht seine Betörungsversuche zwar etwas grober an als „Doom over dead man“, pachtet aber wegen seiner unglaublich eingängigen Grundidee aus donnerndem Schlagzeug und zupackendem Riffing die Repeat-Taste im Handumdrehen für sich. Als Pendant zu „Live for the kill“ von „Twilight Of The Thunder God“, das damals von Apocalyptica-Cellos verfeinert wurde, ist „Doom over dead man“ dieses Mal elegischen Streichern verfallen, die selbst die Zeit in Hel erträglich machen würden und „Surtur Rising“ nach allen Regeln der Kunst ausklingen lassen.

Was will man also noch zum achten Werk Amon Amarths sagen? Beständigkeit ist ihre große Stärke und abgesehen von einer kleinen Ausnahme („The last stand of Frej“) und dezenten Abnutzungserscheinungen („Destroyer of the universe“, „Live without regrets“, „Wrath of the Norsemen“) spielen sie diese gnadenlos aus und setzen sie gekonnt um. Für die anstehende Festivalsaison und die europaweite Headliner-Tour hat sich der Fünfer damit jedenfalls mehr als nur empfohlen.

Anspieltipps:

  • A Beast Am I
  • Slaves Of Fear
  • War Of The Gods
  • Doom Over Dead Man
  • Töck´s Taunt - Lokes Treachery Part II

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