William Fitzsimmons - Gold In The Shadow - Cover
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William Fitzsimmons Gold In The Shadow


  • Label: Nettwerk/SOULFOOD
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Musik des Psychotherapeuten und Songschreibers William Fitzsimmons erklingt trotz aller Subtilität und Intimität – oder gerade deswegen – äußerst eindringlich. Schließlich hatten alle bisherigen Alben des Amerikaners mehr als nur persönliche Bezüge. Sie handelten direkt von Situationen und Erfahrungen aus seinem familliären Umfeld. „Until When We Are Ghosts“ (2005) und „Goodnight“ (2006) bildeten die Kindheit und Jugend Fitzsimmons ab, wie zum Beispiel das Auseinanderbrechen der Ehe seiner beiden blinden Eltern, die ihm schon als Kind Intrumente wie Klavier und Trombone beibrachten. Die Alben beinhalteten „eine zurückhaltende Präsentation und unverhohlene Beschreibungen familiärer und zwischenmenschlicher Desillusionierung“, wie es im Pressetext heißt. Sein drittes Album „The Sparrow and the Crow“ (2008) ist „eine detaillierte und betrübliche Schilderung der Scheidung von seiner Frau nach fast zehn Jahren Ehe“ und als „persönliche Entschuldigung an sie geschrieben“. Somit ist William Fitzsimmons durch das Reflektieren von Erfahrungen beim Songschreiben wohlmöglich sein eigener Therapeut geworden.

„Gold In The Shadow“ heißt nun sein neuestes Werk und steckt natürlich auch wieder voller privater Eindrücke. Doch dieses Mal geht Fitzsimmons noch einen Schritt weiter: Das Album sei „eine musikalische Reflektion einer seelischen Wiederbelebung und psychischen Erneuerung, die der Songwriter in den Jahren nach der Scheidung erlebte“. Er selbst sagt über seine zehn Lieder, dass sie „eine reale und sich seit langem anbahnende Konfrontation mit persönlichen Dämonen, vergangenen Fehlern und dem Schemen der Geisteskrankheit, der während einem Großteil meines Lebens über mir hing“, darstellen würden. „Gold In The Shadow“ sei somit auf Heilung ausgerichtet.

Schaut man sich William Fitzsimmons auf dem Artwork zum Album an, fällt natürlich sofort der Vollbart auf, der ihm bis zur Brust hinunterhängt. Rein optisch werden dadurch natürlich sofort Assoziationen mit Beam von Iron & Wine geweckt und zufälligerweise ist diese Verbindung in Bezug auf das musikalische Schaffen der beiden auch gar nicht so falsch: Genau wie Beam haucht und flüstert Fitzsimmons seine Texte heraus und verleiht so seinen Liedern die nötige intime Stimmung. Das ist zwar auf Albumlänge nicht gerade variationsreich, doch er bedient sich genug anderer musikalischer Mittel, um dies auszugleichen: Bei Liedern wie „Beautiful Girl“ oder „What Hold“ reicht ihm zwar fast durchgängig die Akustikgitarre zur Begleitung, ansonsten füllt er die Songs jedoch ganz bedächtig mit verschiedenen Arrangements.

Bei der Eröffnung „Tide Pulls From The Moon“ sind dies zum Beispiel Glockenspiel und Schlagzeug, in „The Winter From Her Leaving“ ist zusätzlich eine akzentuirte Mandoline zu hören. Bei „Fade And Then Return“ und insbesondere „Psychasthenia“ fügen sich leichte elektronische Elemente ins Songwriting, wie zum Beispiel Drumsounds aus dem Computer oder subtile Synthies. In diesen Momenten erinnert Fitzsimmons stark an The Postal Service. Es taucht auch immer wieder weiblicher Gesang auf („Psychasthenia“, „Let You Break“) und auch Streicher bettet Fitzsimmons mit ein („Bird Of Winter Prey“). Die Einsätze der Instrumente bleiben jedoch immer so spärlich und bedacht, dass die Songs zu keinem Zeitpunkt ihre Filigranität verlieren.

Trotz unüberhörbarer Stärken kann Fitzsimmons jedoch nie an seine großen Vorbilder Iron & Wine, Sufjan Stevens oder The Postal Service anknüpfen. Es sind durchaus starke Songs auf „Gold In The Shadow” zu hören, wie zum Beispiel das traditionelle Songwriterstück „The Winter From Her Leaving“ oder eben die Kreuzung mit elektronischen Elementen bei „Psychasthenia“. Doch zwischen diesen starken Songs gibt es auch immer wieder Leerlauf („Beautiful Girl“, „Wounded Head“ „What Hold“) und es fehlt etwas der fühlbare Zusammenhang zwischen den Stücken. Dadurch ist „Gold In The Shadow“ leider nicht mehr als durchweg gutes Album zu bezeichnen.

Anspieltipps:

  • The Winter From Her Leaving
  • Fade And Then Return
  • Psychasthenia
  • Bird Of Winter Prey

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