The Pains Of Being Pure At Heart - Belong - Cover
Große Ansicht

The Pains Of Being Pure At Heart Belong


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Vielleicht war ich in meiner Review zum ersten Album „The Pains Of Being Pure At Heart” (2009) noch ein wenig zu streng mit den vier New Yorkern, die sich so hinterrücks mit ihrem zuckersüßen Twee-/Noise-Pop in mein Herz gespielt hatten. Auszusetzen hatte ich am Debüt gar nichts und bei Songs wie meinem Liebling „Young Adult Friction“ kann ich auch heute noch nicht still sitzen. Der im Vorfeld veröffentlichte Titeltrack ließ die Hände vor Freude über den Kopf zusammenschlagen: Nach wenigen Sekunden der typisch sanften Indie-Pop Klänge setzen urplötzlich stark verzerrte, tief gestimmte Gitarren ein und sind dann genauso schnell wieder verschwunden. Kip Berman haucht wieder mehr ins Mikro, als dass er singt, und die Band schraubt „Belong“ zu einer Hymne hoch, wie man sie so mitreißend dieses Jahr noch nicht gehört hat. Wieder geht der Song direkt ins Blut, wieder ist da dieses aufblinkende Keyboard von Peggy Wang, welches dem Song eine extra Portion Zucker mit auf den Weg gibt. Nur die Lo-Fi-Referenz – die EP „Higher Than The Stars“ (2009) deutete es bereits an – kann man auf dem zweiten Album fast komplett vergessen. Auch wenn Bermans Gesang immer noch dezent-lethargisch ist, strotzt „Belong“ von einem bislang ungehörten Selbstbewusstsein.

Produzent Flood und Mixer Alan Moulder (beide für die eben nicht gerade dezenten Produktionen von Acts wie U2, Smashing Pumpkins, Nine Inch Nails, The Killers, Placebo oder Editors bekannt) lassen dieses Merkmal der Band, das fast jeden Song des Debüts in einen leicht übersteuernden Rausch versetze, komplett verschwinden. Der Klang von „Belong“ ist klarer und druckvoller, das Herz der Band hat sein Blut tief in das Organ Pop gepumpt. Ob sich das nun positiv oder negativ auf die Studioperformance der Band auswirkt, mag jeder für sich entscheiden. Doch The Pains Of Being Pure At Heart waren im Herzen schon immer eine Popband. Für den wie auf dem ersten Album recht simplen Ansatz, träumerischen Tweepop und Shoegaze zu vermischen, hat dies jedoch in meinen Augen eine sehr positive Kehrseite: Ihnen steht die Widescreenoptik einfach perfekt zu Gesicht: Das Album ist mitreißend, belebt, hymnisch und augenblicklich im Kopf des Hörers. Keyboards und Gitarren begegnen sich auf melodiegebender Augenhöhe und vermischen sich zu einem kraftvollen Paket. Wohlgemerkt: Die Veränderung im Sound bleibt überwiegend die einzige Neuerung auf „Belong“.

Ich höre bei Songs wie „Heart in Your Heartbreak“ noch immer die Keyboards von Joy Divisions „Love Will Tear Us Apart“, während die verzerrten Gitarren die tanzbare Version von My Bloody Valentine mimen. Dabei vermitteln die Lieder einen ähnlichen Vorwärtsdrang wie die von The Gaslight Anthem, auch wenn es rein musikalisch eher wenige Zusammenhänge gibt. Das galoppierende Schlagzeug von „The Body“ unterlegt hervorragend Wangs glühendendes Keyboard, „Anne with an E“ schmachtet leise aus den Lautsprechern „you’re everything to me“. „Even in Dreams“ und „Too Tough“ schießen mit ihren großartigen Melodien direkt ins Ohr und Fans des Debüts dürften bei „Girl of 1,000 Dreams“ aufspringen, da es dessen Lo-Fi-Gedanken doch noch gefährlich nahe kommt. Alles zusammen ergibt ein schwungvolles und aufblickendes Album, das die Melancholie immer noch in den Texten und in den sehnsüchtigen Melodien der Band versteckt („And your friends don’t understand that the world could end / and it would feel no worse than this, every thought of the look in her eye / like a cold california sky“). Und zuletzt brauche ich auch gar nicht mehr nach einem Grund suchen, diesem Album eine 8/10 zu geben. Hier ist er: Ich liebe The Pains Of Being Pure At Heart.

Anspieltipps:

  • Belong
  • Heart in Your Heartbreak
  • The Body
  • Even in Dreams

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
8/10

Sweet Sweet Silent
  • 2017    
6.5/10

Halb Oder Gar Nicht
  • 2017    
Diskutiere über „The Pains Of Being Pure At Heart“
comments powered by Disqus