The Charcoal Sunset - The Charcoal Sunset - Cover
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The Charcoal Sunset The Charcoal Sunset


  • Label: Radiotransmission Music
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Globalisierung erreicht das nächste Level. Zumindest behaupten wir das jetzt einfach mal, wenn mit The Charcoal Sunset eine Berliner Band von Redaktionen zur Demo des Monats gewählt wird. Gut, das waren deutsche Musikredaktionen, aber wir wollen uns jetzt nicht selbst den Musikgeschmack absprechen. Die Band wird vollmundig mit Wilco und den Bright Eyes verglichen und auch Namen wie Springsteen und Dylan machen die Runde. Bevor man sich so weit aus dem Fenster neigt, sollte man dieses Debüt doch genauer unter die Lupe nehmen.

Tatsächlich. Da hilft kein Ohrenreiben oder Rumspielen am Lautstärkeregler: „In Your Garden“ ist eine waschechte Americana-Nummer. Keine Spur von Anbiederung an Radio, Pop oder Sonstiges. Hier geht es allein um nicht ganz perfekten Gesang (dazu später mehr), die Gitarren und Streicher, Mundharmonika und was sich sonst noch so alles in typischen Americana-Gefilden ausmachen lässt. Nicht zu vergessen das oft an einen Marsch erinnernde Schlagzeug. Wie eine Lokomotive wird das erste Lied von schwerem Bass und treibendem Schlagzeug in der Spur gehalten und macht Lust auf mehr. Dann zeigt sich jedoch auch gleich schon das zweite Gesicht des Albums. Die anschließenden „Glenn Gould“ und „The White Lie“ spielen zwar weiter mit allen Tricks aus dem Americana-Repertoire, doch ein Gefühl von Indie-Rock lässt sich nicht abschütteln. Ein kleiner, feiner Riss im Soundpanorama, das die Jungs so erfolgreich im Opener auf die Bühne gebracht haben.

Zum Glück überwiegen jedoch authentische Nummern, so dass spätestens mit „In Your Time Of Dyin'“ wieder alles gut scheint. Das ist wieder ein trockener Mix aus Country und Americana. In „Better View“ lässt sich auch endlich das erste Mal Wilco als Muse ausmachen. In diesem Fall wollen wir das gar nicht erst als Ideenklau betrachten, sondern als Hommage an immer noch aktive Größen des Genres. Verspielt und dabei erstaunlich routiniert treffen sie auch im Anschluss zumeist den guten Ton ihrer Musikrichtung, was normalerweise Mindestanspruch sein sollte, bei einer deutschen Band jedoch einen kleinen Extra-Applaus wert sein sollte. Was fehlt diesem Album also, um in der Liga der Großen mitzuspielen?

So gelungen das Debüt der Hauptstädter auch ist, fehlt es ihnen doch an zwei wichtigen Eigenschaften, um ein richtig großes Album zu schaffen. Der Gesang der Band ist eigentlich prädestiniert mit seiner nicht ganz sauberen Art für diese Art von Musik. Immer wieder erinnert der Gesang jedoch an Pop (wie im ansonsten so starken Abschluss des Albums „Black Letters“), was im ersten Anlauf und ohne Vergleich nicht auffallen mag, auf Dauer jedoch als Schwäche auszumachen ist. Außerdem schaffen es die Berliner noch nicht einen eigenen Stil zu präsentieren. Sie zeigen uns alles das, was wir an Country und Americana mögen, doch nicht, was sie selbst damit anstellen wollen. Als Vorzeigebeispiel sei Delta Spirit genannt, die auch heute noch mit ihrem Track „Trashcan“ für mehr Aufsehen sorgen könnten, als die Songs dieses Albums. Eine ungebremste Spielfreude und der schon verzweifelte Gesang sorgen für Gänsehaut, wo The Charcoal Sunset noch auf Nummer sicher zu gehen scheint. Auf dem richtigen Weg sind die Berliner jedoch alle mal.

Anspieltipps:

  • In Your Garden
  • In Your Time Of Dyin'
  • Better View

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