Tenside - Chain Reaction - Cover
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Tenside Chain Reaction


  • Label: Recent Records/ALIVE
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Münchner haben sich nach inzwischen sieben Jahren Bestehen zu einer festen Größe im Untergrund gemausert.

„Ach du Schreck! Das ist aber nicht unbedingt lebensbejahend!“, mag der ein oder andere denken, wenn er die Tracklist der neuen Tenside-LP sieht und unter anderem die Titel „At The Mercy Of The Bullet“, „Sadness I Embrace“ oder schlicht „Death“ erspäht. Aber wer sich diese Gedanken macht, gehört wohl auch eher nicht in das Beuteschema der deutschen Metal-Gruppe. Wer sich aber für laute Riffs, Growling und Shouting, sowie richtig Melodie orientierten Metal erwärmen kann, dem wird bei den steigenden Temperaturen unnötig heiß werden.

Die Münchner haben sich nach inzwischen sieben Jahren Bestehen zu einer festen Größe im Untergrund gemausert. „Chain Reaction“ könnte jetzt der Durchbruch in größere Gefilde sein. Als Konzeptalbum erdacht scheitert das Album zwar gleich mit dem „Intro“, welches getrost als Störgeräusch abgetan werden darf. Auch die Geschichte des Albums hat keine spezielle Aufmerksamkeit verdient, dafür aber die merkwürdig gepaarte Musik umso mehr. Schon der erste echte Titel des Albums „Death“ zeigt, dass es hier mal laut, mal leise, mal anstrengend, mal behutsam zur Sache geht. Wie in einer Achterbahn wiegt man sich in einem Moment in Sicherheit, um im nächsten niedergewalzt zu werden. Mit ein bisschen Musikverstand sieht man zwar voraus, wann es soweit ist, die Musik macht dennoch Spaß.

Natürlich geht es auch geradliniger und so bietet die Vorabsingle „Armed And Dangerous“ wirklich nur dann Zeit zum Luftholen, wenn es nötig ist. Hier ist die bedrohliche Stimmung viel präsenter, die dieses Konzeptalbum zu prägen scheinen soll. Finster, aber eventuell einen Tick zu stringent. Die Lieder mit Melodie zentrierten Teilen, wie das sehr starke „At The Mercy Of The Bullet“ machen da dann doch – auch ohne große Innovation – einen noch besseren Eindruck. Von den linearen Nummern kann sich nur „Violet World“ abheben, das die Band wohl als Zentrum des Albums betrachtet. Das Streicher-Instrumental-Stück „Danger Zone“ kündigt besagte Nummer an und Gastsänger Christoph von Freydorf (Emil Bulls) soll den sehr melodischen Metal-Track veredeln. Trotz aller Härte, Growling und all den weiteren Spielereien des Genres ist dies eine Nummer, die auch die breite Masse begeistern dürfte, wenngleich einige Metalcore-Fans sich auf den Schlips getreten fühlen könnten – zu Unrecht.

Wie jede band, die sich Gedanken um ihre Tracklist macht, kommen mit „One Bullet Left“ und „Infected“ zwei geradlinige und harte Songs, die etwaige Kritiker ruhig stellen sollen. Nur schade, dass gerade diese Nummern doch nicht die Stärke des Albums ausmachen. Man bekommt beinahe das Gefühl, dass die Band der Schmetterling ist, der sich nicht entscheiden kann, ob er wirklich aus dem Kokon möchte. Erst mit „Burning Heart“ kommt wieder ein Stück, dass sich mit Eigenheiten vom krachenden Rest absetzen kann. Die positive Überraschung: Es handelt sich ebenfalls um ein durchgehend hartes Stück Musik, das mit Soli und Ohrwurmcharakter die Hörer dennoch in seinen Bann zieht. Auch der Abschluss des Albums darf sich diese lobende Worte anhören, muss nach 44 Minuten jedoch damit leben, dass diese Musik selbst für geübte Ohren anstrengend wird.

Die zweite Hälfte des Albums hätte die Abwechslung der ersten Stücke gut vertragen können und vergibt nicht zwingend in Sachen Qualität, sondern in Sachen Aufbau. Ein Lied weniger (so kontraproduktiv sich das anhört) oder eben noch eine variablere Nummer hätten dem Album in der Hinsicht gut getan, dass die Ermüdungserscheinungen ausgeblieben wären. So reicht es nur für ein ganz nettes Metal-Erlebnis, welches an nicht wenigen Stellen Potenzial zu mehr zeigt.

Anspieltipps:

  • At The Mercy Of The Bullet
  • Violet World
  • One Life

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