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Favez En Garde!


  • Label: Two Gentlemen/INDIGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Favez. Sie sind eine Band von vielen. Was in den Achtzigern Synthie-Pop war, ist heute Indie-Rock. Wobei das Wort Indie sich einer Wandlung unterzieht, die nicht immer nachvollziehbar und auch nicht zwanghaft positiv ist. Zu Beginn waren Independent-Bands jene, deren CDs man nicht im Großmarkt fand, die im eigenen Bus durch die Gegend tourten und meist auch nicht so professionell und dem Mainstream nach abgestimmt waren. Später handelte es sich um Bands, die nur noch auf unkonventionelle Instrumentalisierung zurückgriff. Ein organischer Klang und eher folklorische Elemente sorgten für das neue Indie-Verständnis. Spätestens nach dem zweiten Album von Arcade Fire sollte das Wort Indie – im Sinne von unbekannt – überholt worden sein. Heute ist Indie fast schon ein Begriff von Resignation. Es kann sich um ganz gewöhnliche Rockbands handeln, die einfach nicht den Durchbruch geschafft haben und die fragenden Gesichter beim Namen Favez bestätigen solche Theorien.

Also wird für das neue Album „En Garde“ ein Schwergewicht als Produzent verpflichtet. Andrew Scheps heißt der Mann, der die Band aus dem Mittelmaß holen soll. Der Mann, der schon mit Rick Rubin und den Red Hot Chili Peppers gearbeitet hat, sieht sein Engagement bei den Eidgenossen keinesfalls als Abstieg. Im Gegenteil habe er sich als Fan der Band um sie bemüht. Ein ganz neuer Ansatz in der Arbeit sei bei solch einer Band gefragt, aber wenn man die Platte hört, merkt man schnell, wie erfolgreich Scheps sonst ist. Favez bekommen den Sound einer Rocktruppe, die ganz dick im Geschäft ist. Hier gibt es melodischen Rock, der in Stadien auf der ganzen Welt gespielt werden möchte und klingt, wie jede Rockband klingen könnte. Zwar wollen uns die für Mainstream ungewohnt kratzbürstigen Stimmen im Opener oder auch in „The Heart Of A Cynic“ beweisen, dass es sich um eine kleine Band handelt, die einfach nur gute Aufnahmebedingungen hatten. Dann dürfen jedoch nicht so bis ins Unendliche gefeilte Balladen à la „Sister Rose“ folgen.

Beschreibt man Favez' Stil auf diesem Album beschreibt man den Stil von abertausenden Rockgruppen. Favez bieten nichts Besonderes oder ungewöhnliches. Kein Song schafft es zu überraschen. Ob „On“, welches so hart wie Wolfmother beginnt, nur um dann wieder artig Indie-Rocker zu werden, oder „Closet Astronaut“, das ein Klon von „The Heart Of A Cynic“ zu sein scheint. Die letzten zwei Songs des Albums zeigen erst, was diese Band wirklich abliefern kann, wenn sie nur will. „The Kids“ ist nervöser und aufstrebender Rock, der in der Garage eingeprobt und im Studio raus posaunt wurde. So muss das klingen! Und wenn eine Ballade so bedrückend und mysteriös klingt wie „End Of The Show“, dann denkt man nicht an Dutzende anderer Bands, sondern daran, wie Favez aus der Schweiz dieses Thema angegangen sind! Die Mischung aus bekömmlich und authentisch geht hier leider großteils daneben und so ist man während der meisten Tracks überfragt, ob man Rocken soll oder die Feuerzeuge raus holt oder einem Hipster gleich nur Kopf nickend da steht.

Anspieltipps:

  • End Of The Show
  • The Kids
  • Just Like The Old Days

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