The Kills - Blood Pressures - Cover
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The Kills Blood Pressures


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nachdem sich vor allen Dingen Alison Mosshart in den letzten Jahren unter anderem mit Jack White bei The Dead Weather ausgiebig ausgetobt hatte, war die Zeit für ein neues The Kills Album endlich gekommen. Das letzte Album des Duos, „Midnight Boom“ (2008), entzückte mit seinen minimalistischen sowie dreckigen Rocksongs. Die Songs zeichneten sich vor allen Dingen durch die überall scheppernden Rhythmen sowie Mossharts und Hinces Wechselgesang aus. „Midnight Boom“ krachte und ächzte, klang verrucht und absichtlich nachlässig produziert, mit all den Feedbacks und kreischenden Gitarren. Im Gegensatz zum letzten, hektischen Studiowerk geht „Blood Pressures“ die Sache jedoch viel smoother an. Dies ist wohl die eindeutigste Veränderung zum Vorgänger; man hört immer noch eindeutig The Kills, jedoch in einer irgendwie glatteren Version, mit geradlinigeren und etwas längeren, ausformulierteren und auch weniger lebendigen Songs. „Blood Pressures“ brodelt langsam aber sicher vor sich hin. Während der Herzmuskel von „Midnight Boom“ heftig pulsierte, so wird das Blut jetzt mit niedrigerer Frequenz, aber kräftigen Stößen durch die Adern gepumpt.

„After we’d made the record, Alison and I talked about the theme: there’s a lot about gender, about relationships; it’s about sex – so, „Blood Pressures““, begründet Hince den Albumtitel. Als verträumt und fiebernd, catchy und repetitiv sowie obsessiv und klaustrophobisch bezeichnet die Presseinfo das Album. „Right now, I would say it's quite a dark record,” sagt Alison Mosshart; „the lyrics are a little twisted. I think we're just both obsessive people. Obsessive about what we love and maybe even more obsessive about what we hate. I need to perform this record live to see what it really is, and what it's really communicating.”

Man hört die Einflüsse von The Dead Weather durch die Rock-Blues-Elemente mehr als eindeutig raus. “The blues are definitely an inspiration”, stellt Mosshart fest. “I feel like every piece of music that I really love, and that really speaks to me is blues or has been inspired by the blues somehow. I never get tired of the blues.” Der Opener „Future Starts Slow“ ist hierfür gleich ein guter Beleg. Während Mosshart versuchte, die Erfahrung der Spontanität der Sessions ihrer zweiten Band mit einzubringen, ist Hince, wie er selbst sagt, mehr der Perfektionist. Zum Beispiel wenn es um das Programmieren der Drums ging: Er nutzte für „Blood Pressures” eine Menge Drum-Samples, wie er erklärt. Die Percussion klingt somit hier auch weniger elektronisch, sondern mehr nach einer traditionellen Rockband.

„Satellite“ ist mit seinem Off-Beat Ausdruck von Hinces neu entdeckter Liebe zum Reggae, auch wenn die brutal-verzerrten und übersteuernden Gitarren dies zunächst nicht suggerieren. Hinzu kommen Harmonie-Chöre, die man so von The Kills ganz sicher auch noch nicht gehört hat. „Heart Is A Beating Drum” bezieht sich mit seinen namengebenden Rhythmen und Percussions wieder eindeutig auf „Midnight Boom”. Man hört jetzt eindeutig weniger Call-And-Response Gesänge: Entweder singen beide zusammen („Future Starts Slow“) oder Hince („Wild Charms“) bzw. Mosshart alleine. So wie bei „The Last Goodbye“, dem überraschendsten Song des Albums, in dem sie zerbrechlich singt: „How can I rely on my heart, if I break it with my own two hands.” Zunächst wird sie nur von einem Piano begleitet, welches so klingt, als würde es von einer verstaubten Platte kommen. Später kommen Streicher hinzu, die den Song immer weiter dominieren und ihn letztlich in eine Art Waltzer kippen, ohne das man von diesem Wechsel überhaupt Notiz genommen hat. “Blood Pressures” ist somit nicht nur stilistisch vielfältiger, sondern auch musikalisch subtiler und komplexer geraten als seine Vorgänger.

Auffällig ist auch die, im Vergleich zu den Vorgängeralben, relativ klare Produktion. The Kills haben etwas Dreck abgewaschen, auch wenn die Gitarren immer noch so klingen wie in der letzten Ecke einer Garage aufgenommen. Immer wieder hört man neue Gitarrenspuren im Hintergrund aufjaulen und kurze, knarzende Feedbacks wie früher beim Beginn von „Cheap And Cheerful“. In der Mitte des Album schleicht sich leider auch etwas Routine ein („Wild Charms”, „Baby Says”, „Damned If She Do”). Hier ist das Album weit weniger spannend als noch zum Beginn. Vor allen Dingen hört man hier, außer „The Last Goodbye”, nicht viel Neues, auch wenn zum Ende die Songs noch solide bis gut sind („You Don't Own The Road”, „Pots And Pans”). Insgesamt kann „Blood Pressures“ nicht mit „Midnight Boom“ mithalten, steht mit „Keep on Your Mean Side” (2003) und „No Wow” (2005) jedoch durchaus auf Augenhöhe. Das Album überrascht mit einigen Experimenten, langweilt zeitweise mit eher mäßigen Songs und ist letztendlich insgesamt eine weitere, gute Veröffentlichung von The Kills.

Anspieltipps:

  • Future Starts Slow
  • Satellite
  • Heart Is A Beating Drum
  • The Last Goodbye
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