L/O/N/G - American Primitive - Cover
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L/O/N/G American Primitive


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Zählt noch jemand mit in und an wie vielen Projekten Chris Eckman beteiligt ist? Der amerikanische Singer/Songwriter und Produzent, der einst mit The Walkabouts die alternative Szene der 1980er wesentlich mitbestimmte, ist längst ein etablierter Künstler und so eng mit dem Label Glitterhouse verbunden, dass er aus dem Beverunger Kreis einfach nicht mehr wegzudenken ist. Eckman trägt eine Mitschuld daran, dass das Label, das Anfang der 1980er mit Sixties-Garage-Rock, später mit Americana dealte, sich stilistisch immer weiter geöffnet hat und inzwischen auch Weltmusik (die von Eckman produzierten Tamikrest) sowie Art-Pop Künstler wie z.B. Scott Matthew im Programm hat. Dass einmal ein der Ambient/Elektronik-Szene zuzuordnender Künstler auf Glitterhouse erscheint, ist Chris Eckman zu verdanken, der gemeinsam mit Rupert Huber (Tosca) unter dem Namen L/O/N/G (im Folgenden als Long gehändelt) das vorliegende „American Primitive“ eingespielt und produziert hat.

Long gingen aus einer zufälligen Begegnung hervor, die bereits einige Jahre zurückliegt. Als Huber und Eckman gemeinsam zu jammen begannen, war schnell klar, dass die scheinbaren Gegensätzlichkeiten leicht zu überbrücken waren. Mehrere Sessions und hin und her gesendete Files später war es so weit und ein Album entstand, auf das die Welt eigentlich nicht gewartet hatte. Diese wäre jedoch eine ärmere, hätte sie »American Primitive« nicht zu hören bekommen. Die anfängliche Skepsis wird bereits mit dem ersten Song „Shoot Your Dog“ weggepustet. Ein Stück Pop-Musik, das sofort ins Ohr geht und das beste aus zwei Welten verbindet. Das luftig-leichte Pianospiel Hubers und Eckmans unverkennbare Stimme. Hinzu kommt ein relaxt groovendes Rhythmusspiel und eine weibliche Harmoniestimme (Terri Moeller), die dem Song den letzten Schliff verpassen. Danach geht der Flow mit dem Titelsong weiter, abermals mit einer super angenehmen und eingängigen Melodie, die den Hörer um den Finger wickelt.

Interessant, dass diese eingängigen Songs keineswegs Eckman alleine zuzuschreiben sind, er selbst sagt: „Zu keinem Zeitpunkt war ich für die akustischen und Rupert für die elektronischen Parts zuständig. Beide von uns waren für beide Seiten zuständig“. Auf dem instrumentalen „Longitude Zero“ lassen sich sowohl sphärische Krautrock- als auch Afro-Elemente heraushören. Neu! trifft Dirtmusic/Tamikrest. Dennoch überwiegen die melodiösen Songs, wie bspw. das balladeske mit kristallklaren Pianotönen und Chantal Acdas Harmoniestimme veredelte „Wrong Train Comin“. Oder das im langsamen Tempo akustische Gitarre und Pianotakte verbindende „Dust“, auf dem Eckmans Ehefrau Anda Gesang beisteuert.

Auf „Shame This Darkness“ wird das Tempo wieder hochgefahren, der poppige Groove, der auf dem instrumentalen „Stockerau“ eine Portion Kraut-Jazz abbekommt, kehrt wieder ein. „Night Fisherman“ sprudelt wie eine frische Quelle mit weich perlendem Piano, zarten Harmoniestimmen (Chantal Acda, Chris Eckman) und elektronisch erzeugten Streichern. Was für ein herrliches Stück Musik. Dem steht das finale „Run Of Days“ in nichts nach. Rupert Huber und Chris Eckman ist mit „American Primitive“ ein unerwartetes und frisches Stück moderner Popmusik gelungen, das dem Ruf nach Innovation gerecht wird ohne damit ins Artifizielle oder Verkopfte abzudriften. Im Gegenteil das Album klingt organisch, ist dennoch abwechslungsreich. Bei Long dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein, freuen wir uns auf die Fortsetzung, zunächst jedoch geniessen wir dieses hervorragende Werk!

Anspieltipps:

  • Shoot Dog
  • American Primitive
  • Dust
  • Night Fisherman
  • Run Of Days

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