Pentagram - Last Rites - Cover
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Pentagram Last Rites


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Last Rites“ ist ohne Frage eine dreckige Angelegenheit.

Anfang bis Mitte der 80er Jahre brodelte es am Heavy/Doom Metal-Sektor. Black Sabbath erlebten nach der Trennung von Ozzy Osbourne mit Ronnie James Dio und dem Album „Heaven And Hell“ (04/1980) ihren zweiten Frühling, frisch gezüchteter Nachwuchs wie Witchfinder General oder Candlemass machte mit eigenen Ansätzen wie den stil- und genrebildenden Werken „Death Penalty“ (09/1982) und „Epicus Doomicus Metallicus“ (06/1986) auf sich aufmerksam und Pentagram veröffentlichten nach mehreren schwierigen Besetzungswechseln 1985 endlich ihr Debüt namens „Relentless“, das in der Öffentlichkeit schnell „in einem Atemzug mit Black Sabbath und Judas Priest“ genannt wurde. Interne Zerwürfnisse, ein enormer Musikerverschleiß und nicht zuletzt Drogenprobleme ließen die Band um Gründer Bobby Liebling (Gesang) nie aus dem Schatten Sabbaths treten, Pentagram fristeten meist ein hoch geschätztes Dasein als einflussreiche Randnotiz.

Spät, aber doch könnte sich das nun ändern. Liebling hat nach dem sechsten Studioalbum „Show ´Em How“ (07/2004) mit Victor Griffin (Gitarre), Greg Turley (Bass) und Tim Tomaselli (Schlagzeug) eine vielversprechende Truppe am Start und einen Vertrag bei Metal Blade unterschrieben, deren erste Tat sein wird, „Last Rites“ unter das Volk zu bringen. Dieses schwüle Machwerk steht ganz in der Tradition der alten Doom-Meister und atmet den unvergleichlichen Dunst der 80-er Jahre als die Ideen zwar noch simpel gestrickt waren, aber dafür umso fesselnder in detailtreuer Handarbeit konstruiert wurden. Ohne ruhiges Intro oder instrumentalen Quatsch geht es dann sogleich in die Vollen und „Treat me right“ ächzt als rotziges Motörhead-Vehikel durch die Boxen.

Hypnotische Riffs geben dann den Takt im stampfenden „Call the man“ vor, „Into the ground“ bedient sich dezent bei Black Sabbaths „Country girl“ (zu finden auf „Mob Rules“ vom November 1981), „8“ walzt als aufgekratzter Lavastrom durchs Wohnzimmer, „Everything´s turning to night“ bleibt wegen seines einprägsamen Grundriffs sofort im Gedächtnis haften und „Windmills and chimes“ mimt die bluesorientierte Halbballade, während „American dream“ mit einer Melodie für die Ewigkeit gesegnet wurde und umgehend die Luftgitarre zücken lässt. Eine undurchdringliche Riffwand gibt es anschließend in „Walk in blue light“ zu erklimmen und „Horseman“ offenbart ein weiteres Mal hypnotische Qualitäten, bis Pentagram mit „Death in 1st person“ und „Nothing left“ zum Abschluss zwei stark Sabbath-infizierte Nummern offerieren, die selbst die Ära Osbourne nicht besser hinbekommen hätte.

„Last Rites“ ist ohne Frage eine dreckige Angelegenheit. Liebling dirigiert seine Mannschaft durch verzerrte Klanglandschaften, dunkelrote Lavaströme und eindrucksvolle Riffkaskaden, die mehr nach Black Sabbath klingen als Black Sabbath es heutzutage wohl selber würden und einen frischeren Zugang zum Doom Metal finden, der Ronnie James Dio (Gott, hab ihn selig) mit seinem Heaven And Hell-Comeback „The Devil You Know“ (04/2009) verwehrt blieb. Verkaufsrekorde werden Pentagram zu ihrem 40jährigen Jubiläum damit zwar nicht brechen, dafür bekommt man mit „Last Rites“ eines der ungeschliffensten und authentischsten Metal-Alben der vergangenen Jahre.

Anspieltipps:

  • Call The Man
  • American Dream
  • Death In 1st Person
  • Windmills And Chimes
  • Everything´s Turning To Night

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