Believer - Transhuman - Cover
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Believer Transhuman


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Believer waren noch nie leicht zu verstehen. Trennen sich auf dem Höhepunkt ihres Schaffens nach einem großartigen Album wie „Dimensions“ (04/1993), kehren über ein Jahrzehnt später ins Rampenlicht zurück um eine bockige, stark progressive und vielseitige Platte namens „Gabriel“ (04/2009) abzuliefern, die von den meisten leider nur wegen des Gastauftritts von Killswitch Engage-Schreihals Howard Jones auf die Beobachtungsliste gesetzt wurde und legen jetzt zwei Jahre später ein Konzeptwerk vor, das ein so komplexes Thema behandelt, das sich die Musik im wahrsten Sinne des Wortes unterordnen muss. Genauer gesagt behandelt „Transhuman“ die verschiedenen Theorien und Meinungen zum transhumanistischen Gedankengut, also einer Ansammlung von Risiken, Nebenwirkungen, ethischen Überlegungen oder aber auch nützlichen Nebeneffekten, die durch eine technologische Modifizierung zum „perfekten Menschen“ führen würde.

Für Interessierte: Bisweilen haben sich für den Transhumanismus folgende zwei Definitionen durch die World Transhumanist Association (WTA) herumgesprochen: Wem noch nicht schwindlig ist, darf nun gerne „Transhuman“ in sein Abspielgerät schieben und Believers Meinung zu diesem Thema in musikalischer Aufbereitung hören.

Die fällt nämlich entgegen des rohen und um sich schlagenden Vorgänger recht geradlinig aus. Doch Kurt Bachman (Gesang, Gitarre, Bass), Jeff King (Gitarre, Keyboard), Kevin Leaman (Gitarre) und Joey Daub (Schlagzeug) würden nicht den Namen Believer verwenden, wenn nicht zumindest ein paar geschmackvolle Brotkrumen herabfallen. So muss sich der geneigte Hörer durch die zwei eröffnenden, spannungsarmen, vor sich hin mäandernden Tracks „Lie awake“ und „G.U.T.“ schlagen, bis „Multiverse“ und „End of infinity“ den Spagat zwischen Progressivität, Anspruch und packender Inszenierung bravourös meistern, jedoch viel Zuneigung benötigen um ihr volles Potential zu entfalten. Weniger geglückt ist hingegen „Transfection“, dem es außer an knackigen Riffs an Inspiration und Ideen fehlt, während „Clean room“ wiederum als durchdachter Midtempo-Thrasher aus den Lautsprechern fegt.

Ein elektronisch gehaltenes Instrumental („Currents“) schiebt sich dann zwischen den „Clean room“ und „Traveler“, bleibt allerdings im Vergleich zu letzterem Track, der mit seinen rhythmischen Verrenkungen sämtliche Gehirnwindungen in Anspruch nimmt, nicht mehr als nettes Beiwerk. Danach verfällt „Transhuman“ leider dem Größenwahn. Zuerst prügelt ein undurchsichtiges „Ego machine“ ohne Ziel und Verstand auf den Hörer ein, „Being no one“ bleibt blass und maximal ein Ohrenschmaus für sehr hart gesottene Progressive Metal-Fans und der Albumender „Mindsteps“ will als epischer Ausklang verstanden werden, bleibt aber lediglich in einer nicht enden wollenden Spirale aus unheilvoll-klingenden Samples und zähflüssigen Midtempogebärden inmitten einer anstrengenden Songstruktur hängen.

Glücklicherweise bringen sich Believer kurz davor mit dem wuchtigen „Entanglement“ ein letztes Mal in Form, ziehen alle Register ihres Könnens und vollführen eine packende Berg- und Talfahrt, die zeitlosen Charakter besitzt. Dennoch bleiben Believer auf „Transhuman“ ihren Fans einiges schuldig: Große Momente werden nur sehr sparsam eingesetzt, die progressiven Elemente fokussieren sich hauptsächlich auf dezente Taktwechsel oder technische Solos, der Thrash-Anteil steht in keinem Verhältnis zu früher und die moderner klingende Abmischung beraubt das Album seines räudigen Charmes, den z.B. „Gabriel“ hatte. Dafür bekommt man ein lyrisches Konzept vorgesetzt, das, gemessen am Umfang und seiner in der Musik thematischen Unbefangenheit, Stoff für fünf weitere Platten bieten würde. Ob Believer diese zwei Ebenen beim nächsten Mal sinnvoller miteinander zu verknüpfen wissen, wird sich (vielleicht) zeigen.

Anspieltipps:

  • Multiverse
  • Clean Room
  • Entanglement

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