James Vincent McMorrow - Early In The Morning - Cover
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James Vincent McMorrow Early In The Morning


  • Label: Believe Digital/INDIGO
  • Laufzeit: 46 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Early In The Morning“ bietet alles und noch mehr und wird viele Hördurchgänge Freude bereiten.

„Ich habe mich heute verliebt!“, schreit man dem Liebsten zu Hause voller Wonne durch die Wohnung und erntet für das strahlende Gesicht bei solch einer frivolen Aussage sehr wahrscheinlich ungläubige Blicke. Dabei muss Liebe doch gar nicht immer auf einen anderen Menschen hinweisen, sondern kann auch Tieren, Pflanzen, Gebäuden, einem Film oder Musik gelten. In diesem Szenario gehen wir davon aus, dass die euphorische Person soeben das Debütalbum von James Vincent McMorrow, einem irischen Singer/Songwriter der optisch Damien Rices ferner Verwandter sein könnte, stimmlich aber eher an Gnarles Barkley erinnert. Dieser Mann schafft es laut der Presse Dublins eines der ehrlichsten Alben der letzten zehn Jahre geschaffen zu haben und darf sich mit Rice also durchaus messen. Gerade in einem eher Export armen Land wie Irland sind solche Aussagen selbstverständlich nicht überzubewerten, aber es sei vorweg gesagt, dass unsere imaginäre Turteltaube aus dem ersten Satz dieser Kritik ihr Liebesbekenntnis begründet sehen darf.

James Vincent McMorrow hat erst über Umwege den Schritt zu souligen SingerSongwriter-Musik vollzogen. Bei seiner hohen, ungewöhnlichen Stimme hat er sich wohl selbst kaum eine Karriere als Sänger vorausgesagt, bevor er die ersten Soul-Platten verschlang. Experimente mit Hip-Hop-Produktionen und viel Soul führten am Ende zu doch recht „normalem“ Singer/Songwriter-Stücken, die allerdings sehr von einer Stimmung wie der der Fleet Foxes profitieren. Ein „Follow You Down To The Red Oak Tree“ macht deutlich, was die Presse mit „ehrlicher“ Musik meint. Keine Spezialeffekte und unnötigen Sperenzchen: McMorrow liefert gefühlvolle Balladen, aber auch beschwingte Stücke voller Wärme ab („Sparrow & The Wolf“, „This Old Dark Machine“). Natürlich – wie könnte es auch anders sein – sind die Perlen aber unter den emotional aufgeladenen Stücken auszumachen. Hier singt McMorrow von „den düsteren, weniger besprochenen Aspekten des Lebens“, wie der Newcomer selbst sagt.

Bei dieser Sorte von Stücken kann man frei auswählen, welches Stück einem am meisten zusagt. „If I Had A Boat“ eröffnet das Album noch mit einer Melodie, die der möglichen Trauer und Sehnsucht des Liedes Einhalt gebietet, sodass man genießen kann. Beim umwerfenden „We Don't Eat“ ist es wohl kaum möglich, dass einem nicht ein Klos im Hals stecken bleibt. An diesem Punkt meißelt James Vincent McMorrow geradezu in Vinyl, dass er mit Größen wie Ray LaMontagne und Damien Rice auf eine Bühne gehört. Zwar gibt das Album auch bei den schnelleren Stücken Beispiele, die mit viel Liebe zum Detail und unverfälschtem Klang (dank der organischen Instrumente und der unangetasteten Gesänge) ebenfalls ganz oben mitspielen (z.B. das Ende von „From The Woods!!“), doch nichts klingt so schön, wie ein melancholischer McMorrow.

Das Album bietet viele verschiedene Ansätze, um diesem Soul-Singer/Songwriter-Mix gerecht zu werden. Geradlinige Stücke, die mehr auf Stimmung, als auf diese eine Melodie aus sind („Down The Burning Ropes“) oder eben doch Lieder mit Refrains zum Dahinschmelzen („And If My Heart Should Somehow Stop“): „Early In The Morning“ bietet das alles und noch mehr und wird noch viele Hördurchgänge Freude bereiten. Schwächen sucht man vergebens, anstatt allein hochtrabender Atmosphäre gibt es auch eine Hand voll echter Ohrwurm-Balladen mit Gänsehaut-Garantie. Kann der Hörer viel mehr verlangen?

Anspieltipps:

  • We Don't Eat
  • If I Had A Boat
  • Sparrow & The Wolf

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