The Raveonettes - Raven In The Grave - Cover
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The Raveonettes Raven In The Grave


  • Label: Rykodisc/WEA
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ist schon objektiv? Wie das Mittagessen geschmeckt hat oder das Wetter? Empfindungen sind letztlich bei jedem anders, was mit Abneigungen und Vorlieben zu tun hat. Ob man Sachen mag oder nicht, hängt meist mit Ticks oder unerklärlichen Gründen oder Aberglauben zusammen. Es gibt zum Beispiel keinen Grund, warum Bands aus Dänemark immer wieder Bonuspunkte im Kopf dieses Rezensenten bekommen. Es ist einfach so. Wenn dann noch die – gefühlte – halbe Indie-Szene Amerikas davon spricht, dass das Duo, The Raveonettes eine Inspiration für sie war und das renommierte Blatt NME sie als „America's pop renaissance“ feiert (dabei sind sie doch Dänen?!), dann steigert das die Vorfreude doch ungemein auf Seiten des Schreiberlings.

Die Wahrheit sieht fast schon zu routiniert aus. Jeder Track klingt sauber und anschließend durch ein Mikrophon aufgenommen, welches den Sound nach Garage und Indie klingen lässt. So wird die Eröffnungshymne „Recharge & Revolt“ ein verwaschener Retro-Rocker, der ansonsten eine 80s-Ballade hätte sein können. Fast das Gleiche gilt für „War In Heaven“. Auch hier muss man sich durch einen Filter an Störgeräuschen kämpfen, um letzten Endes eine mit Gitarren unterlegte Pop-Ballade herauszuhören. Ein wenig erinnert dieser Versuch an das letzte MGMT-Album, welches auf die durchgehend glasklare Produktion verzichtete, um eine durchgehend unecht wirkende LoFi-Atmosphäre zu erzeugen.

Ab „Forget That You're Young“ bekommt das Duo allerdings selbst genug von den überbordenden Soundgewäsch. Dafür klingen die Lieder, wenn man sich vorher schon angestrengt hat, recht homogen an. So homogen, dass man beinahe auf sie verzichten könnte. Immer wieder gefühlvolle Gitarren und sanfte – mal mehr, mal weniger verzerrte – Stimmen machen nicht gleich gute Songs. Da braucht es schon einen psychedelischen Kick, wie ihn „Apparitions“ bietet und das erste Mal eine wirklich gute Mischung aus den Störgeräuschen und dem 80s-Pop erstellt. Dass die Mischung es ausmachen kann, beweist dann später auch noch das durchgehend verzerrte „Let Me On Out“, das geradezu darum bettelt übersprungen zu werden. Dann lieber „Ignite“, das wie „Apparitions“ das vorher genannte Prädikat seitens NME zu Recht tragen kann. So darf, kann und muss Pop vielleicht sogar klingen.

Auch „Evil Seeds“ offenbart sich nach holprigem Start als Indie-Pop von höchster Qualität. Warum es nicht das ganze Album so gehen kann, ist wohl dem rund zehnjährigen Bestehen zu „verdanken“. Das zeigt auch der Schlusstrack, wo das Duo wieder von der ersten Sekunde an auf Rauschen setzt, das lauschen ungemein schwer macht. Schade, weil auch hier sich ein wirklich schönes Lied versteckt. Insgesamt verbeißen sich die Raveonettes auf ihrem neuen Album zu sehr auf die Idee authentisch und „von der Straße“ zu klingen. Dafür sind die Klänge dahinter viel zu gut produziert und am Ende raubt man sich der eigenen Integrität. Eine handvoll guter Songs rechtfertigt den neuen Weg, indem die – nennen wir sie mal – Soundeffekte wirklich für Bereicherung im Klang sorgen. Ein Album, das die amerikanische Pop-Szene erneut aufrüttelt, dürfte „Raven In The Grave“ jedoch nicht sein. Wenngleich der ein oder andere Song gerne Pate für neue Ideen stehen darf.

Anspieltipps:

  • Apparitions
  • Ignite
  • Evil Seeds

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