Ja, Panik - DMD KIU LIDT - Cover
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Ja, Panik DMD KIU LIDT


  • Label: Staatsakt/Rough Trade
  • Laufzeit: 69 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht erst mit dem Titel ihrer vierten Platte, „DMD KIU LIT“, sind sich die Wiener mit Wohnsitz in Berlin Ja, Panik der Fragezeichen gewiss, die auf Seiten der Journalisten und Musikbegeisterten alsbald zum Vorschein kommen werden. Die Band um Andreas Spechtl ist seit ihrer Gründung im Jahre 2005 ein Mysterium, welches nicht bei den deutsch-englischen Texten anfängt und bei der massigen Wandlungsfähigkeit ihres Ausdrucks genauso wenig aufhört. Festhalten kann man sich bei Ja, Panik nur an einer wohl ziemlich einzigartigen Interpretation von Rock-Musik mit Spitzen in der Theatralik. Wie der Vorgänger „The Angst And The Money“ von Moses Schneider (u. a. Tocotronic) produziert, brauchte es nur erstaunliche zehn Tage, um „DMD KIU LIT“ im Kasten zu haben. Die Dramaturgie dieser Platte erweist sich mit diesem Wissen als besonders eindrucksvoll.

Wenn dem einen der Wechsel zwischen deutschen und englischen Vocals ein Gräuel ist, braucht es der andere gar zur unmittelbaren Freude und so wird nicht nur das so simple wie mitreißende „Nevermind“ die Hörergemeinschaft spalten. Ungemein doppelbödig textet Andreas Spechtl zwingend im Spannungsbogen von Nonsens, Alltagsbeobachtung und mit Zitaten gespickt, die einen das eigene Plattenregal neu entdecken lassen. „Bittersweet“ startet als Noise-Oper, findet sich zeitweilig im Blues wieder, ehe unzählige Breaks komplett das „was“ verwischen und nur noch das „wie“ zentral vor einem liegt. Nämlich verdammt gut.

Es ist schon sonderbar, dass Ja, Panik bei der ersten Begegnung mit ihrem aktuellen Longplayer so verstörend erscheinen, so haltlos alles-wollend. Doch schon ein Wiederhören mit „DMD KIU LIT“ ist aufschlussreich. Was vorerst vermeintlich fragwürdig aus den Boxen tönt, wird unweigerlich und in gehöriger Geschwindigkeit durch ungezwungene Freude am Spiel mit den Worten, gespickt mit musikalischer Raffinesse, ersetzt. Von einem Hit-Album zu sprechen, ist im Falle der Wahl-Berliner zwar zu einfach, doch die Theatralik, der Pathos des klavier-geprägten „The Evening Sun“ dringt so schallend ins Ohr wie die Streicher in „Barbarie“ schier in den Wahnsinn treiben. Da bleibt nur ein Zitat aus „Trouble“ und die Empfehlung, sich spinnert in dieser Wonne zu suhlen: „Sorry for my bad english, but my german is even worse.“

Anspieltipps:

  • Nevermind
  • Bittersweet
  • Time Is On My Side
  • The Evening Sun

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