Elbow - Build A Rocket Boys! - Cover
Große Ansicht

Elbow Build A Rocket Boys!


  • Label: Fiction/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf die Gefahr hin sich zu wiederholen, die Manchesteraner haben sich aufgeopfert und überzeugen auf ganzer Linie mit einem gefühlvollen Minimalismus.

„Ha, Ha“ müsste Nelson Muntz all denen zurufen, die ein zweites „The Seldom Seen Kid“ mit vielen eingängigen Rockmelodien erwartet haben. „Build A Rocket Boys!“ glänzt mit Schönheit aus Minimalismus und Elbow beweisen, dass sie sich einen feuchten Kehricht um die von außen aufgebaute Erwartungshaltung ans neue Album geschert haben. Der einzige wirkliche gemeinsame Nenner zum Vorgänger ist die Gestaltung der CD und die Illustrationen von Oliver East.

In der Ruhe liegt die Kraft, lautet ein gängiges Sprichwort. Auf der musikalischen Ebene ist es eine wahre Kunst Töne einzusparen und die wenigen übriggebliebenen mit Bedacht und Sorgfalt so einzusetzen, dass sie eine große Wirkung hinterlassen. Emotionen sind der Schlüssel dazu und diese bietet das Album an jeder Ecke, dank des stark von der Vergangenheit träumenden Charakters. Es ist nicht wirklich traurig, es schwelgt vielmehr auf eine nostalgische Art in Erinnerungen. Dabei klingt „Build A Rocket Boys!“ unglaublich persönlich, was natürlich zum Großteil an den Texten und dem Gesang von Guy Garvey liegt. Die simplere musikalische Umsetzung exponiert seine Stimme mehr als auf den vorigen Alben und tut ihr übriges durch oft monoton gehaltene Keyboardmotive und ein langsames Tempo. Manchmal sind regelrechte Schleifen auf den Keyboards zu hören und die E-Gitarre als solche kaum wieder zu erkennen.

Die Reise in die Vergangenheit beginnt mit dem 8-minütigen „The Birds“, das sich eine scheinbare Ewigkeit aus seiner Starre der Erinnerungen nicht lösen kann, bevor es doch einen mit Streichern akzentuierten befreiten Weg einnimmt. Dieses Stück kehrt kurz vor dem Ende des Albums wieder, aber ganz verändert, eine deutlich ältere Stimme (John Moseley) singt mit mehr Schwermut, als ob nicht 45 Minuten sondern dreißig Jahre seit der ersten gehörten Version vergangen wären. Eine alte Erinnerung, die wieder hoch gekommen ist und die Rückkehr des Albums in die Gegenwart verdeutlicht. In diesen gefühlten dreißig Jahren dazwischen passiert allerhand, vom Erwachsen werden über gescheiterte Beziehungen bis hin zum Wunsch ein nicht von Erwartungen geprägtes Normalleben zu führen. (Wer mehr erfahren möchte, sollte sich unbedingt Garveys Ausführungen auf songwriters anschauen.)

Zu den besonderen Perlen des Albums gehört „Lippy Kids“, so simpel und doch so stark einprägsam. Der mitreisende Gesang und die damit verbundene Forderung an die Jugend „Build A Rocket Boys!“, lasst eurer Phantasie freien Lauf, verfolgt eure Träume. An vielen Stellen des Albums taucht ein Jugendchor auf, der „Open Arms“ zu den eingängigsten Refrains des Albums macht. Das unkonventionellste Stück ist „High Ideals“ mit seinen punktuellen Betonungen. Das lauteste Stück „Neat Little Rows“ wurde gleich neben dem unscheinbarsten „Jesus Is A Rochdale Girl“ platziert. Auch in einer so ruhigen Umgebung lässt sich also viel Abwechslung schaffen. Zum Abschluss setzt Guy noch eine Ode an die Freundschaft. Auf die Gefahr hin sich zu wiederholen, die Manchesteraner haben sich aufgeopfert und überzeugen auf ganzer Linie mit einem gefühlvollen Minimalismus.

Anspieltipps:

  • Lippy Kids
  • High Ideals
  • The Birds
  • Open Arms
  • Dear Friends

Neue Kritiken im Genre „Pop“
8/10

Sweet Sweet Silent
  • 2017    
6.5/10

Halb Oder Gar Nicht
  • 2017    
Diskutiere über „Elbow“
comments powered by Disqus