Crystal Stilts - In Love With Oblivion - Cover
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Crystal Stilts In Love With Oblivion


  • Label: Fortuna Pop/CARGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Hause der Crystal Stilts spukt es! Wer die knarzende Eingangstreppe besteigt, die quietschende, aus den Angeln hängende Tür öffnet und den düsteren Eingangsflur betritt, dem schlottern die Knie. Das Licht funktioniert hier schon lange nicht mehr, das Wasser kommt als braune Suppe aus den Hähnen, bei jedem Schritt muss man sich vorsehen, nicht im morschen Boden zu versacken oder sich in Spinnenweben zu verheddern. Es ist eines jener Häuser, wie man sie vielleicht aus zweitklassigen Horrorgeschichten kennt: Auf einem Hügel außerhalb der Stadt erbaut, bestehend aus Holz und von einem schwarzen Metallzaun umgeben. Angeblich wurde es auf einem ehemaligen Friedhof erbaut, ringsherum stehen vereinzelt Bäume, von denen schon lange keiner mehr Blätter trägt. In der Nacht hört man, wie sich ein unverständlicher Krach seinen Weg aus den zertrümmerten Fensterscheiben hinaus in die Dunkelheit bahnt. Es ist die Zeit, in der Brad Hargett (Gesang), JB Townsend (Gitarre), Kyle Forester (Keyboard), Andy Adler (Bass) und Keegan Cooke (Schlagzeug) ihr Unwesen treiben. Wenn das Horrororchester „In Love With Oblivion“ zum Leben erwacht. Denn die Crystal Stilts sind einen Pakt mit den Geistern des Hauses eingegangen. Wie sonst könnte das zweite Album der New Yorker nur so gespenstisch klingen?

Auf der Geisterfahrt mit Crystal Stilts begegnen einem Bands wie The Cramps oder The Velvet Underground, Assoziationen mit dem letzten Album von The Horrors („Primary Colours“) sind sicher auch nicht von der Hand zu weisen. Wie auch schon bei dem Debüt „Alight Of Night“ hört man Klänge, die einem aus den Genres Noise-, Psychedelic-Rock oder Shoegaze bekannt vorkommen. Wer sich auf den Trip einlässt, wohnt zunächst Hargetts unheimlicher Begegnung mit einem fremden Mädchen bei, die ihn verfolgt: „See the girl by the Sycamore tree / She knows she’s looking at me / She follows me down to the sea / She follows me into the sea / And I wanna know why / I wanna know why.” Auf Hargetts Gesang liegt durchgehend ein dermaßen starker Halleffekt, dass es manchmal schwierig ist, überhaupt ein Wort seiner Lyrics zu verstehen. Die hell gestimmten Gitarren schrammeln an den Wänden lang, übersteuern und rauschen, dass das Holz zu bersten droht. Bei „Through the Floor“, „Alien Rivers“ oder „Invisible City“ schlägt Forester mehr auf seinem Keyboard herum, als dass er es spielt und unterlegt die Stücke so mal mit wahnsinnig hämmernden Klavierklängen, mal mit schrägen Orgellauten.

Obwohl all diese Kriterien den Zugang zum Haus der Crystal Stilts zunächst versperren, sind es die Melodien von Hargetts, die die Tür zunächst nur einen Spalt und schon bald gänzlich öffnen. Man lasse sich nicht von dem ganzen Krach täuschen: „Through the Floor“ ist ein augenblicklicher Ohrwurm. Langgezogene Stücke wie der sich krankhaft im Kreis bewegende, siebenminütige Alptraum „Alien Rivers“ versuchen den Hörer jedoch sogleich wieder rauszuschmeissen. Es gibt kurze Jams („Death Is What We Live For“), ebenso wie sich ständig wiederholende Gitarrenriffs („Sycamore Tree“). So entdeckt man in dieser gespenstischen Hütte letztendlich viel mehr, als man zunächst vermutet hätte. Die Crystal Stilts hetzen jedem Eindringling ihre gespenstischen Freunde auf den Hals, von denen die gefürchtetsten kratzbürstige sowie verlockende Songs sind, die auch vor Autounglücken nicht zurückschrecken („Silver Sun“). Ein wilder Haufen: Die Geister, die sie riefen.

Anspieltipps:

  • Sycamore Tree
  • Through the Floor
  • Flying Into The Sun
  • Shake the Shackles

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