Frida Gold - Juwel - Cover
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Frida Gold Juwel


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
3.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wirkt zuerst hip und frisch, verfällt danach jedoch in eine Starre aus Selbstüberschätzung oder Einfallslosigkeit.

In Fachkreisen nennt man es Modeerscheinung. Da trifft es sich gut, dass Sängerin Alina nebenher wirklich modelt. Die Band Frida Gold konnte als Untermalung eines MTV-Spots glänzen und plötzlich wurde man aufmerksam auf die Deutsch-Pop-Fraktion aus dem Ruhrgebiet, die schnelle Beats und elektrische Popmusik vereint. Positivisten erahnen eine deutsche Bloc Party, während Skeptiker Angst vor Erinnerungen an Modern Talking haben. Unrecht sollen natürlich wie immer beide Extreme behalten, doch bis zu diesem Schluss dauert es noch ein paar Zeilen und Absätze.

Die Vorab-Single „Zeig Mir Wie Du Tanzt“ gibt die Marschroute für das Album vor. Synthesizer schaufeln sich ihren Weg aus dem Pott in die Szenestädte der Welt. Besonders auf sprachlicher Ebene versucht die Band im Hier und Jetzt zu landen. Erwähnung von Paris im Opener, Bereitwilligkeit zu Sex zu dritt („Verständlich Sein“) und Titel wie „Nackt vor der Tür“ sollen eine offenherzige Sprache in der Musik dieser Band offenbaren. Ehrliche Texte über die kleinen Dinge, die man sich bei schnellen Beats von der Seele tanzen kann. Klingt nach einem viel versprechenden Rezept, dass in der Single bekanntlich zündet. Wen es nicht stört mehr oder minder gleiche Botschaften in ähnlichen Soundkonstrukten serviert zu bekommen, der wird sich sehr gut unterhalten wissen, da die erste Hälfte des Albums genau so funktioniert. Ob es sich wie im Albumtitel versprochen um Juwelen handelt wird hier nicht unterschrieben, aber zumindest bekommt man ein halbes Dutzend guter Popsongs, die allesamt tanzbar sind und homogen, aber nicht eintönig für Bewegung auf der Tanzfläche sorgen dürften.

Nach der Hälfte des Albums scheint der Band jedoch die Puste auszugehen und mit „Waffen und Pferde“ kommt ein schon zu altbackener Beat, der sich zu stark an den Achtzigern orientiert. Auch wenn Anhänger der Band das Lied bejubeln werden, ist ein Blick hinter den ersten Eindruck wichtig. Hier setzt Staub ganz schnell an. Noch schlimmer sind da die Balladen, welche ähnlich unbeholfen klingen wie die kuscheligen Momente auf „The Resistance“ von Muse. Kitschig, ungelenk und uninspiriert. Warum man jetzt solche Musik brauchen sollte, bleibt wohl auf ewig ein Geheimnis. Frida Gold sollten sich schnell damit abfinden eine Band zu sein, die für elektronischen Pop der tanzbaren Sorte abonniert werden und für nichts Anderes. Zumindest sind die ruhigen Momente dieses Albums alles Andere als ein Bewerbungsschreiben für höhere oder zumindest flexiblere Aufgaben.

Die letztlich unausgegorene Mischung der zweiten Hälfte dieses ansonsten zu Beginn interessanten Albums sorgt für einen insgesamt soliden Eindruck. Der Anfang wirkt hip, frisch und fast schon nach neuer Bewegung für die deutsche Musikszene aus. Danach verfällt das Album jedoch in eine Starre aus Selbstüberschätzung oder Einfallslosigkeit. Beide Attribute strotzen nicht gerade vor Lob und so heißt es zurück ans Reißbrett und sich überlegen, was die eigene Musik aussagen soll. Wenn das nächste Album nur auf Clubs abgestimmt ist, dafür aber die Qualität der ersten Hälfte abrufen kann, wird sich niemand beschweren. Will die Gruppe aber beweisen, dass sie mehr als schnellen Pop liefern kann, dann sind neue Ideen, Ansätze und Umsetzungen von Nöten, um die Republik von ihrer Qualität zu überzeugen.

Anspieltipps:

  • Morgen
  • Verständlich Sein
  • Zeig Mir Wie Du Tanzt

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