Asaf Avidan & The Mojos - Poor Boy / Lucky Man - Cover
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Asaf Avidan & The Mojos Poor Boy / Lucky Man


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 62 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch ohne Lieder für die Ewigkeit zu schreiben, hat Asaf Avidan gezeigt, wie facettenreich das Genre der Singer/Songwriter ist.

Seit Mika wollen wir Hörer eigentlich nicht mehr daran zweifeln wie ein Mann singen kann und darf. Der Israeli Asaf Avidan macht es einem allerdings wieder erneut schwer, nicht an den Gesetzen der Stimmbänder zu zweifeln. Wie der Singer/Songwriter, der Americana, Country, Folk, Rock, Jazz und viele andere Musikstile auf seinem zweiten Album erforscht, sich eine gute Stunde lang die Seele aus dem Leib schreit und dabei eher wie eine Janis Joplin klingt, ist beeindruckend und für nicht wenige bestimmt verstörend. Wer sich allerdings nicht damit aufhalten möchte, warum ein Sänger mehr wie eine rauchige Sängerin klingt, der wird mit viel guter Kunst belohnt, auf welche wir in Deutschland knapp zwei Jahre lang warten mussten.

Schon 2009 brachte der Singer/Songwriter aus Israel sein zweites Album heraus. Mit seinem Debüt bereits zum Star geworden, lieferte er innerhalb eines Jahres einen zweiten Silberling ab. Ein Schnellschuss? Keineswegs! Asaf Avidan tobt sich auf seinem Zweitwerk so aus, wie er es sich auf seinem Debüt noch nicht getraut hat. Das Album bringt folklorische Singer/Songwriter-Musik en masse mit sich, die sich sehen lassen kann. Ob der Opener „Brickman“ oder der Titeltrack: Hier regieren warme Gitarren und schwermütige Streicher zu einer vor Gefühl nur so strotzenden Stimme. Dann klingt ein Stück desselben Genres auch gerne orientalisch („Got It Right“) oder nach Jazz („Small Change Girl“) und dabei handelt es sich nicht um Experimente, sondern gleichwertige Songs, die sich mit den fast schon konventionellen Tracks, wie dem wunderschön melancholischen „My Favourite Clown“ auf einer Stufe wissen.

Aber auch Freunde von rockigen, lauten Riffs werden bedient. Innerhalb von „The Ghost Of A Thousand Lies“ legt Asaf den Schalter um und zaubert aus einer ruhigen Jazz-Nummer einen hektischen Saloon-Rocker, nur um danach in „Wasting My Time“ die E-Gitarren auszupacken. Gerade von den Riffs gegen Ende des Liedes können sich selbst einige Rockbands eine Scheibe abschneiden. Avidan scheint bei diesem Ausflug Blut geleckt zu haben und liefert mit „Jet Plane“ und „Little Stallion“ zwei Tracks, die von den White Stripes hätten sein können. Respekt. Auch in „Losing Hand“ - nachdem die Americana-Ballade „Your Anchor“ einen in Sicherheit wiegte – rutscht der Israeli nochmals zurück in die Rockschublade. Wem das zu heftig scheint, der wird mit eben diesem schaurig schönen „Your Anchor“ oder dem beinahe schon Björk'schem „Out In The Cold vertröstet.

Auch ohne Lieder für die Ewigkeit zu schreiben, hat Asaf Avidan gezeigt, wie facettenreich das Genre der Singer/Songwriter ist. Da geht es auf und ab, laut und leise und die Einflüsse reichen von Nah-Ost bis Western. Wer ausdrucksstarke, anstrengende Stimmen mag, der wird hier emotional verwöhnt. Asaf Avidan beweist spätestens mit diesem Album, dass er mehr als nur ein Geheimtipp sein sollte. Jetzt liegt es jedoch an Verkaufszahlen und Verlegern zu entscheiden, wie groß dieser Mann auch außerhalb seiner Heimat werden darf. Freunden guter Musik sei zu dieser Investition geraten. Das nächste Album kann hierzulande jederzeit erscheinen, da „Through The Gale“ in Israel schon wieder seit einem Jahr die Plattenläden unsicher macht.

Anspieltipps:

  • My Favourite Clown
  • The Ghost Of A Thousand Lies
  • Jet Plane
  • Your Anchor

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