Jesse Sykes & The Sweet  Hereafter - Marble Son - Cover
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Jesse Sykes & The Sweet Hereafter Marble Son


  • Label: Naivie/INDIGO
  • Laufzeit: 58 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Frage ob Jesse Sykes der weibliche Neil Young ist, hatte sich schon mit ihrem vergangenen Album „Like Love Lust & The Open Halls Of The Soul“ erübrigt, mit ihrem vorliegenden vierten Werk „Marble Son“ wurde die Einzigartigkeit von Jesse Sykes & The Sweet Hereafter noch deutlicher in den Vordergrund gerückt, obwohl in dieser Rezension noch einige, sogar hochkarätige Namen fallen werden, unter anderem auch der von Neil Young.

Gleich zum Auftakt entfachen Jesse Sykes & The Sweet Hereafter ein majestätisches achteinhalbminütiges Feuerwerk namens „Hushed By Devotion“, das zunächst mit verhaltenen Glocken schlagenden Stromgitarrentönen die Aufmerksamkeit des Hörers einfordert. Danach funkeln und gniedeln die elektrischen Gitarren (gespielt von Phil Wandscher und Jesse Sykes) als schrieben wir das Jahr 1970 als Bands wie Grateful Dead, Love und Jefferson Airplane das Westcoast-Rock-Zepter schwangen. Dazu rumort der Bass (Bill Herzog) und marschieren die Trommeln (Eric Eagle), letztlich münden alle Elemente in einem freifließenden Musikstrom, der nur kurz von einer aus dem Hintergrund auftauchenden hallend verfremdeten Stimme unterbrochen wird. Diese gehört zweifelsfrei Jesse Sykes, unverkennbar trotz Verfremdung und Zurückhaltung, die sie auf den ähnlich gelagerten Songs „Pleasuring The Divine“ und „Your Own Kind“ ablegt und so die ganze Schönheit ihres Gesangs preisgibt. Es ist eine dunkle Schönheit, die aus Färbung und Phrasierung ihre Einmaligkeit zieht, die frei von Vergleichen bleiben sollte. Dennoch erahnt man das Tiefe und Berührende einer Karen Dalton sowie das Vibrierende und Tremolierende einer Marianne Faihfull, all dem stülpt Jesse Sykes ihren schwarzen Schleier über.

Das Wunder ihrer Stimmfärbungen darf auf den spartanisch instrumentierten, in sich gekehrten Songs „Be It Me, Or Be It Done“ und „Birds Of Passerine“ noch vordergründiger glimmen. Die dunkle Seite des folk-country-rockigen Westcoastsounds schimmert auf dem Titelsong und dem mit Pedal-Steel-Licks gezeichneten „Come To Mary“; auf beiden Songs erfährt Jesse Sykes‹ Gesang Unterstützung von männlichen Harmoniestimmen. Auf den Midtemposongs „Servant Of Your Vision“ und „Ceilings High“ entstehen dicht gewebte Melodie- und Rhythmusverknüpfungen, die zwischen den Neil Young Begleitern The Stray Gators und Crazy Horse sowie The Band schwingen, naturgemäß im schwarz gewandeten Jesse Sykes & The Sweet Hereafter Stil. Ein besonderes Lob verdient der Ex-Whiskeytown-Gitarrist Phil Wandscher, der in seinem Spiel Jerry Garcia, Jorma Kaukonen, Neil Young und Robbie Robertson vereint und gerade hierdurch zu seinem eigenen Stil findet.

Die große Kunst dieses Albums liegt in dem nostalgiefreien Umgang mit der popmusikalischen Geschichte. Auch wenn ständig Assoziationen am Referenzhimmel aufblitzen, so erklingt immer das eigene Soundgewitter mit einem Donnergrollen, schweren pechschwarzen Regenwolken, die sich wasserfallartig entladen, oder poetisch leise um Jesse Sykes Stimme plätschern. Dunkel ist es, Americana ist es und doch weit mehr als Dark Americana. Jesse Sykes & The Sweet Hereafter fliegen in die Nacht hinaus, vorbei an den frühen 1970ern in die Zukunft, die gegenwärtig den Namen „Marble Son“ trägt. Eine wahre Pracht!

Anspieltipps:

  • Hushed By Devotion
  • Come To Mary
  • Pleasuring The Divine
  • Birds Of Passerine
  • Your Own Kind

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