Explosions In The Sky - Take Care,Take Care,Take Care - Cover
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Explosions In The Sky Take Care,Take Care,Take Care


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Explosions In The Sky sind eine der „Größen“ des Post-Rock Genres. Das Quartett, bestehend aus Munaf Rayani (Gitarre), Mark Smith (Gitarre), Michael James (Gitarre, Bass) und Chris Hrasky (Schlagzeug), spielt durchgängig instrumentale Songs, die nicht selten die zehn Minuten Marke sprengen und genretypisch mit vielen laut-leise-Dynamiken spielen. Bezeichnend ist der helle, schimmernde Klang der Gitarren, die sich stetig ineinander verhaken und bei langen Aufbauten exzellent ergänzen. Im Pressetext zum fünften Album „Take Care, Take Care, Take Care” rechtfertigen sich EITS für die lange Wartezeit von vier Jahren seit ihrem letzten Album „All Of A Sudden I Miss Everyone“ (2007): Einer von ihnen sei verheiratet, man habe Kinder bekommen, Fitnessprogramme seien begonnen und abgebrochen worden, einer von ihnen leide unter Panikattacken, zwei von ihnen hätten Probleme mit dem Schlafen, man habe eine Pause von der Musik nehmen müssen, um Abstand zu gewinnen. Die Liste ist lang. Man sei sich nicht ganz einig gewesen, wie das Album klingen und aufgebaut sein sollte. Ein Album mit 17 kürzeren Songs? Könnte es nicht klingen wie ein Traum? Schließlich habe man sich nach über 50 aufgenommenen Demos gefragt: Ist dies die Musik, die man machen wolle? Ob sich dieses Album genug vom bisher veröffentlichten Material unterscheide und gleichzeitig, ob es sich gut in die bisherigen Veröffentlichungen füge. Kurz ist auf „Take Care, Take Care, Take Care” selbstverständlich wieder nur weniges geworden, doch den angesprochenen träumerischen Ansatz, den man von ihnen bereits kennt, haben sie sich natürlich bewahrt.

Dass ihnen ein Album passieren könnte, welches Fans ob seiner Andersartigkeit verschrecke, darüber müssen sich EITS so schnell keine Sorgen machen. Denn „Take Care, Take Care, Take Care” bietet genau das, was ihr bisher bekanntestes und möglicherweise bestes Werk, „The Earth Is Not A Cold Dead Place” (2003) auch schon in Petto hatte. Manchmal umgarnen sich bis zu drei verschiedene Gitarren, hin und wieder wird das wellenförmige auf und ab von einem knatternden Bass unterlegt („Human Qualities”), Songstrukturen werden sorgsam aufgebaut und in Kleinstarbeit zu cinematischer Vollendung gebracht. „Trembling Hands” ist ein kurzer Song, gerade drei Minuten lang, und wird von einem stürmischen, nicht endenden Trommelwirbel unterlegt. Hier wandeln EITS ihre Formel einmal leicht ab. Anders jedoch als Mogwai, die mit ihrem kürzlich veröffentlichten Album „Hardcore Will Never Die, But You Will” eine neue, direktere und konzentriertere Version ihres Sounds präsentierten, können EITS dem Genre keine neuen Seiten mehr abgewinnen. Man fragt sich beim Hören von „Take Care, ...” durchgängig, warum die vier Jungs nicht mal neue Effekte ausprobieren o.ä., um so wenigstens etwas differenzierter zu klingen.

„Last Known Surroundings”eröffnet mit Klavierklängen, bei „Let Me Back In” hört man bei genauer Rezeption so etwas wie einen verfremdeten Chor, stark in den Hintergrund gemischt. Es sind Marginalien, die die Songs auf diesem Album leicht untereinander abheben lassen. Auffällig ist der positivere Grundton im Vergleich zu Vorgängerwerken wie „The Earth Is Not A Cold Dead Place”. Im Endeffekt sind die Versuche jedoch zu wenig, der Wille zur Veränderung nicht wirklich vorhanden. Dennoch beeindrucken EITS nach wie vor durch die punktgenaue Ausführung ihrer Musik und den orchestral anmutenden Sound, den sie irgendwie aus ihren gerade einmal vier Instrumenten und ein paar Arrangements herausquetschen. „Take Care, Take Care, Take Care” ist, wie seine Vorgängeralben auch, ein wunderschönes, auch ohne Lyrics fast schon narratives und hochemotionales Hörerlebnis geworden. Man kann sich wieder seine eigenen Geschichten zu den Melodien ausdenken, die Explosions In The Sky geschrieben haben. Sie liefern den Soundtrack für das Kopfkino. Das Problem ist nur, dass es eigentlich egal ist, welches ihrer Alben man sich anhört.

Anspieltipps:

  • Last Known Surroundings
  • Human Qualities
  • Trembling Hands

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