Primordial - Redemption At The Puritans Hand - Cover
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Primordial Redemption At The Puritans Hand


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 64 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„When the demons come / Do you make peace with them or do you become one of them?“

2008 war ein großartiges Jahr für Primordial. Das fulminante „To The Nameless Dead“ (11/2007) erhielt den nötigen Respekt und die ungeteilte Aufmerksamkeit von Kritikern und Fans gleichermaßen, die verstärkten Festival- und Konzertauftritte, welche über den gesamten Erdball verstreut stattfanden, festigten die Pagan-Gemeinde und sorgten bei Alan Averill Nemtheanga (Gesang), Ciaran MacUiliam (Gitarre), Michael O´Floinn (Gitarre), Paul MacAmlaigh (Bass) und Simon O´Laoghaire (Schlagzeug) trotz gelegentlich aufwallender Kritik am für das Genre recht düsteren Bandkonzept für innere Zufriedenheit. Endlich konnten die Früchte nach 20 Jahren harter Arbeit geerntet werden, was ihr Label Metal Blade zusätzlich zum Ansporn nahm mit Neuauflagen der ersten vier Alben den neu gewonnenen Anhängern die nicht minder interessanten Anfänge des Acts näher zu bringen.

So beständig der Anstieg des Bekanntheitsgrades von Primordial war, so schnell schien er jedoch zu zerbersten. Schuld daran waren wieder einmal Alkohol und Drogen. „Bisher waren wir immer eine starke Liveband gewesen, doch es schlichen sich nun ein paar Abende eine, in denen wir wegen des Alkohols und der anderen Versuchungen des Tourlebens nicht unsere übliche Stärke erreichten. Desaströser Höhepunkt war eine Show in Athen, die fast das Ende der Band bedeutet hätte. Diese Nacht markierte den Tiefpunkt in 20 Jahren Bandhistory“ gibt Alan reumütig zu Protokoll. Mittlerweile hat sich die Lage zum Glück stabilisiert und eines der schwarzen Schafe, Drummer Simon, ist nach seinem zwischenzeitlichen Rausschmiss wieder dabei, denn den verbliebenen vier Mitgliedern „wurde klar, dass er, genau wie jeder andere von uns, ein essentieller Bestandteil dieser Band ist. Sobald einer ausfällt, können wir zwar noch Musik machen, aber es handelt sich nicht mehr um Primordial“

Doch was bedeutet das für „Redemption At The Puritan´s Hand“, dem siebten Album der Iren? Bekommen wir es mit einem halbgaren Nachschlag von „To The Nameless Dead“ zu tun, der in der Diskographie zukünftig als notwendiger, aber nicht sonderlich aufregender Selbstfindungstrip verstanden werden muss? Keineswegs! Das neueste Werk strotzt nur so von starken Momenten, grandioser Atmosphäre und dem einzigartigen Primordial-Flair. Viele Ideen decken sich zwar mit dem Vorgänger, doch im Gegensatz zum perfektionierten und leicht zugänglichen Songwriting von „To The Nameless Dead“, kehrt der Fünfer auf dem Nachfolger zu seinen Wurzeln zurück und schickt bissige Hymnen durch die Lautsprecher, deren Gunst eine gewisse Eingewöhnungsphase abverlangen, anstatt die bekannten Konstrukte weiter zu entschlacken und dadurch womöglich ihrer Identität zu berauben.

Dieser räudige Charme führt jedoch nicht ausnahmslos zu anbetungswürdigen Gebilden, deren Zutaten aus Melancholie, Schmerz und Tod bestehen, sondern auch zu einer Platte, die die schwierigen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit in sich aufgesogen hat und von diesen, sichtlich gezeichnet, versucht wieder loszukommen. Erlösung findet der Hörer also sowohl im Titel als auf der musikalischen Ebene, mit dem Unterschied, dass die Kompositionen manchmal die Schlacht verlieren und wie in „Lain with the wolf“ und „The black hundred“ im Durchschnittsbereich stecken bleiben.

Dagegen halten dafür strahlende Sieger wie das eröffnende „No grave deep enough“, die beiden unbeugsamen Schlachtepen „Bloodied yet unbowed“ und „The puritan´s hand“ oder das von einer (wenn auch nur recht kurzen, aber äußerst einprägsamen) verzweifelt-todessehnsüchtigen Gitarrenmelodie unterstützte „The mouth of Judas“. Hier spielen Primordial ihre Asse aus und entführen den Hörer in ein bitteres, von heftigen Schicksalsschlägen gebeuteltes Black/Doom-Paralleluniversum, dessen Überlebenswille selbst in schwierigen Momenten ungebrochen scheint. In „Lain with the wolf“ fragt Alan „When the demons come / Do you make peace with them or do you become one of them?“ Die Antwort dazu dreht sich im CD-Player.

Anspieltipps:

  • The Puritan´s Hand
  • The Mouth Of Judas
  • Bloodied Yet Unbowed
  • No Grave Deep Enough

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