Tiemo Hauer - Losgelassen - Cover
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Tiemo Hauer Losgelassen


  • Label: Green Elephant Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ist dieser junge Herr Hauer die neue deutsche Pop-Hoffnung?

Ha! Ein Künstler, der jünger ist als der Rezensent! Da fühlt man sich selbst als Schreiberjungspund plötzlich alt und weise. 1990, als Gesamtdeutscher noch ein äußerst zweifelhaft schmeichelhafter und frischer Begriff war, erblickte Tiemo Hauer das Licht der Welt im schönen Stuttgart und durchlief mit Gitarre und Klavier die typischen Lehrstufen für Jungmusiker und hat 2009 tatsächlich den Mumm mit seiner Optimisten-Nummer „Ehrlich Glücklich“ an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Stimme ist okay, der fröhliche Klavier-Pop ist erfrischend und eine Single später mit der gleichnamigen EP „Nacht Am Strand“ ist er in den deutschen Top 100. Ist dieser junge Herr Hauer die neue deutsche Pop-Hoffnung?

Normalerweise müsste dieser Text sich jetzt langsam an die Antwort dieser Frage heranpirschen, doch es ist viel schöner Klartext zu reden. Nein! Nein, nein und nochmals nein! Ironischerweise ist das Lied „Nein“ auf dem Album einer der stärkeren Momente, aber dazu gleich mehr. Tiemo Hauer packt für sein Debütalbum „Losgelassen“ alte Liebesgedichte hervor und lässt den immer gleichen Liebes- und Weltschmerz direkt am Hörer aus. Natürlich gibt es gute gefühlvolle und melancholische Alben, aber Hauer verliert sich in Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Konstrukten, die viel zu gekünstelt wirken. Man meint kaum einmal wirklich die Emotionen des Sängers zu spüren oder zu hören, sondern kann anstatt dessen gespannt warten, welches Reimwort hier noch reinzustopfen ist. Klingt unfair, ist aber so. Reim vor Rhythmus heißt das verheerende Programm des Albums, das sich wie ein roter Faden durch das komplette Album zieht.

Daneben gibt es thematisch nichts zu bestaunen, bis mit „Nein“ eine tiefschwarze Ballade auftaucht, welche die traurigen Liebeslieder als das entlarvt, was sie wirklich sind: Nichts sagende Aneinanderreihungen von Klischees. Wie jeder weiß lieben viele Menschen jedoch Stereotypen und somit ist den oft zu ähnlichen Piano-Klängen (und wenn's passt noch ein paar Streicher) Erfolg nicht im Voraus zu entsagen. Und dann ist da plötzlich eine Albumversion von „Ehrlich Glücklich“. Und sie macht Spaß. Das Lied ist genau das, was die Schwermütigkeit und all die pathetischen Liebeslieder als Gegengewicht gebraucht haben, aber so ganz alleine macht die altbekannte Single auch nicht alles wieder gut. „Wie Eine Fee“ zeigt zumindest noch, dass der junge Tiemo Hauer auch die Gabe innehat, schöne Melodien zu finden. Zwei bis drei kleine Lichtblicke sind allerdings nicht genug, um ein gesamtes Album aus den Tiefen des schlechten Mittelmaßes zu heben und so schwindet die Hoffnung auf einen neuen Pop-Stern so schnell dahin wie die Jugend.

Anspieltipps:

  • Ehrlich Glücklich
  • Nein
  • Wie Eine Fee

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