Twin Atlantic - Free - Cover
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Twin Atlantic Free


  • Label: Red Bull Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer Blink 182 ähnelnden Bands nachtrauert, die immer weniger werden, der wird beim neuen Twin-Atlantic-Album Purzelbäume schlagen.

Erinnert sich noch irgendjemand daran, was Alternative Rock gewesen sein soll? Das war doch diese Musikrichtung, die um die Jahrtausendwende als härterer Radio-Rock anerkannt wurde, oder nicht? Während bei diesen Worten einige auf die Barrikaden steigen und andere überlegt nicken, einigen wir uns in dieser Kritik einfach darauf, dass die Mischung aus lauten Gitarren und melodischem, ja, beinahe poppigem Gesang Alternative-Rock genannt wird. Einverstanden? Wenn man nicht nur einverstanden, sondern auch noch angetan von solcher Musik ist, dann dürfte der Name Twin Atlantic interessant sein.

Die Schotten aus der Hauptstadt Glasgow geben sich alle Mühe mit jedem Lied einen potenziellen Liebling für Konzertbesucher zu schaffen. Es ist laut und zornig und doch irgendwie immer sympathisch und somit doch harmlos, was die Schotten auf die Hörer loslassen. Manch einem geht vielleicht auch der Ausdruck College-Rock durch den Kopf und Erinnerungen an Blink 182 werden wach. Zurecht, wenngleich der sonst so häufige Humor der Amerikaner hier mit Emotionen jeglicher anderer Art getauscht wird. „Edit Me“, „Time For You To Stand Up“ und „Apocalyptic Renegade“ haben sich darauf geeinigt, dass sie mit richtigen Gitarrenwänden (die im Radio garantiert heruntergeregelt werden) überzeugen wollen. Wenn hierbei auf Konzerten nicht gesprungen wird, dann ist der Boden entweder magnetisch oder chronische Hüftleiden plagen das Publikum.

Es geht allerdings auch anders, damit den ebenfalls chronischen Leiden der Rezensenten über Eintönigkeit vorgebeugt ist. Also wird das Tempo einfach mal gedrosselt und es kommen Rock-Balladen, die zwar nicht auf laute Gitarren, dafür aber auf Zorn und Aggressivität verzichten (z.B. „Yes, I Was Drunk“ oder der Titeltrack „Free“). In „Crash Land“ wird sogar auf die E-Gitarren verzichtet. Bevor sich Rockballaden und Smash-Hits gegenseitig um die Vorherrschaft streiten dürfen, ist „Dreamember“ auf jeden Fall noch erwähnenswert. Hier wird die Brit-Keule ausgepackt, indem während des Mid-Tempo-Stücks die Bandmitglieder in schönstem Schottisch durcheinander sprechen und auch sonst der Gesang immer wieder nach Sprechen klingt. Eine nette Abwechslung, die allerdings bei weitem nicht so konsequent wie ein „Parklife“ von Blur ist.

Auch das für ein Instrumentalstück mit knapp vier Minuten recht lange „Serious Underground Dance Vibes“ hebt sich noch ein wenig ab, indem es die vielleicht schönste Ballade des Albums ist, ohne dabei auch nur einer einzigen Textzeile zu bedürfen. Mit „Ghost Of Eddie“ wird es davor auch einmal wirklich zornig, sodass nicht Hoffnung und Optimismus oder Aufruhe den Songs leben einhaucht. Gut zu wissen, dass die fünf Jungs auch wirklich wütend klingen können. Balladen und Rocker teilen sich das Zepter nach dreizehn Lieder übrigens – gefühlt. Besser und länger und Erinnerung sollten allerdings die lauten Songs bleiben.

Wer Blink 182 ähnelnden Bands nachtrauert, die immer weniger werden, der wird beim neuen Twin-Atlantic-Album Purzelbäume schlagen. Besonders Songs wie der umwerfende (im wahrsten Sinne des Wortes) Schlusspunkt der Platte „We Want Better, Man.“ sorgt für ordentlich Druck hinter den Boxen. Wer dachte, dass die neue Generation ohne den Rock von vor zehn Jahren auskommen muss, bekommt hier ein zeitgemäßes Beispiel, dass es nicht so sein muss.

Anspieltipps:

  • We Want Better, Man.
  • Free
  • Dreamember

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