Manchester Orchestra - Simple Math - Cover
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Manchester Orchestra Simple Math


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Insgesamt ist „Simple Math“ ein klarer Schritt in poppigere Gefilde.

Für Andy Hull, dem Sänger und Songwriter von Manchester Orchestra, ist das dritte Album seiner Band eine besonders persönliche Angelegenheit. „Simple Math“ sei letztendlich ein Album über ihn selbst, über die Erfahrung, sein Leben wieder zusammensetzen zu müssen. Über die eigenen ehelichen, physischen und mentalen Fehler. Der Pressetext spricht von einem Album, das sowohl von den Kompositionen und der Instrumentierung her, als auch erzählerisch sowie lyrisch einem Konzept unterliege: Die Instrumentierung sei groß, die Kompositionen seien emotional und komplex. Das Album sei ein Trip aus der Sicht eines Mannes, durch seine Fehler und Erkenntnisse. Die ehrlichen und leidenschaftlichen Lyrics führten den/die Hörer/in durch seine lebensveränderden Erfahrungen. „If we end up alone, a plague on my head and a curse on my home“, heißt es beispielsweise in „Leave It Alone”, einem Song über einen Ehestreit.

Auf „Simple Math“ ist das „Orchestra” im Namen von Hulls Band, im Gegensatz zum Vorgängeralbum „Mean Everything to Nothing“ (2009), wörtlich zu nehmen. Tatsächlich fällt es schwer, auf dem Album einen Song ausfindig zu machen, der nicht von einem großen Streicheresemble („Pale Black Eye“, „Simple Math“) oder Bläsern („Pensacola“) begleitet wird. Auf früheren Alben wurde relativ schroffer, gelegentlich von Country-Einflüssen durchdrungener Indie-Rock gespielt, der an Bands wie Modest Mouse und gesanglich an Bright Eyes erinnerte. Der Kern ihrer Musik ist hier noch vorhanden (insbesondere bei „Apprehension“), doch die Band und Produzent Dan Hannon haben dem Sound für „Simple Math“ die Kanten geschliffen und Schützer rübergelegt, damit man sich auch ja nicht mehr daran stoßen kann. Das Album ist fett produziert und hat einen gewaltigen Sound, der selbst die leisen Töne irgendwie laut erklingen lässt.

Dieser neue Klang steht der Band eigentlich gut zu Gesicht: Der Song „Deer“, bei welchem Hull zur Akustikgitarre singt, führt leise in das Album ein, bevor bereits „Mighty“ seinem Namen klanglich alle Ehre macht. Das Finale des Songs „Pale Black Eye“ wird vom Streichersatz mächtig überschattet, auch bei „Simple Math“ wissen Manchester Orchestra die zusätzlichen Arrangements gut einzusätzen. „Virgin“ wird von einem Schulchor begleitet, welcher dem Song eine zusätzliche Facette verleiht. Die meiste Zeit funktioniert dieses Prinzip jedoch nicht so hervorragend: Das Problem von „Simple Math“ ist, das man immer wieder vom Gefühl beschlichen wird, hier eine schwächere, aber aufgepumpte Version von Manchester Orchestra vorgesetzt zu bekommen. Die Streicher und Bläser wirken sehr häufig nur wie zusätzliche Instrumente, die den fertigen Songs übergestülpt wurden, um Schwächen zu überdecken und Leidenschaft zu suggerieren, die von den Liedern selbst nicht wirklich vermittelt werden kann („Leave It Alone“, „Mighty“).

Insgesamt ist „Simple Math“ ein klarer Schritt in poppigere Gefilde: Hull schreit zu keinem Zeitpunkt mehr, die Gitarren leiern und zerren nicht, sondern klingen wie der Rest des Albums glatt und pompös, anstatt eines einzelnen Keyboards begleiten fette Arrangements die rockenden Songs. Leider hinterlässt das dritte Album von Manchester Orchestra den Eindruck, es sei versucht worden aus schwächeren Songs über eine fette Produktion und einer größeren Anzahl an Instrumenten mehr herauszuholen. Somit kann „Simple Math“ zu keinem Zeitpunkt die Leidenschaft von Stücken wie „Shake It Out“ oder „I Can Feel a Hot One“ vermitteln und hinterlässt einen schlechteren, aber immer noch soliden Eindruck.

Anspieltipps:

  • Deer
  • Pale Black Eye
  • Virgin
  • Simple Math

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