Doris Decker - Pictures By Picasso - Cover
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Doris Decker Pictures By Picasso


  • Label: Neo/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„When fantasy hits reality“, so treffend umschreibt eine unscheinbare Zeile aus Doris Deckers drittem Album den Wandel vom durchwachsenen „Avantgarde-Lounge-Easy Listening Pop mit Elektrobeats“ der beiden Vorgänger hin zu einer jazzorientierten Platte mit Verve, Esprit und Feingefühl. Zu dumm, dass die werte Frau Decker an der Realisierung ihrer Phantasien auch ein Wörtchen mitzureden hat, denn nicht selten stehen die in holprigem Englisch vorgetragenen Texte auf Kriegsfuß mit dem fabelhaften musikalischen Background, der eine physische Präsenz offenbart, die jede Live-Aufnahme erblassen lässt.

Auf dem Vorgänger „Double Decker“ (02/2006) konnte dieser Makel mit satten Beats und einer stattlichen Anzahl an Gaststars noch kaschiert werden, im neuen Jahrzehnt ist die Dame allerdings meist auf sich allein gestellt. Mit mäßigem Erfolg. „I sooo juuuu / Ju sooo mie“ schmettert Decker in bestem Denglisch ins Mikrophon, die Band spielt eine schräge, aber herzerwärmende Melodie, die in jedem Hollywoodschmachtfetzen für überhöhte Tränendrüsenaktivität sorgen würde, nur leider passt für den Hörer in „To be continued“ beides einfach nicht zusammen. Selbiges im kammerspielartigen „Chocolate cookie“ oder der minimalistischen Nummer „But I do“. „Pictures By Picasso“ schöpft in punkto Instrumentierung stets aus dem Vollen, versagt jedoch eine passende Atmosphäre aufrecht zu erhalten, da Frau Decker in den falschen Momenten die stimmliche Darbietung vermasselt und malt so ein surrealistisches Gemälde von sich selbst, wodurch die angestrebte Traumwelt immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird.

Dabei hätte es soviele Alternativen gegeben um dieses linguistische Fettnäppchen zu umgehen, noch dazu weil „Pictures By Picasso“ einige Lösungsvorschläge von selbst anbietet. Das perkussiv ausgelegte und sehr relaxte „Jugar“ ist z.B. in (überzeugendem!) Spanisch, der Titeltrack konzentriert sich vornehmlich auf einen zaghaften Spannungsbogen, der beinahe die komplette Instrumentenpalette miteinbezieht und das aus der Reihe tanzende, weil mehr an einen peppigen Guesthouse-Track erinnernde „Mrs. Bingo“ hat ausreichend elektronische Spielereien anzubieten um einerseits vom zweifelhaften Inhalt („Mrs. Bingo - Mrs. Jingo Bingo / Ring on her fingo / Mrs. Bingo - Mrs. Ringo“) und andererseits von der unsauberen Aussprache abzulenken. So ist „Pictures By Picasso“ ein auf dem Papier detailverliebtes Album geworden, das in der Praxis leider nicht den Elchtest besteht. Schade!

Anspieltipps:

  • Jugar
  • Peter Is Gone
  • Pictures By Picasso

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