Otep - Atavist - Cover
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Otep Atavist


  • Label: Victory Records
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Smash The Control Machine“ (08/2009) hat sich Otep Shamaya selbst ein großes Geschenk gemacht und zum ersten Mal die Top 50 der amerikanischen Billboard-Charts geknackt. In Zeiten, wo der von der 30jährigen Amerikanerin recht stumpf dargebrachte Nu Metal eigentlich niemanden mehr von den Stühlen reißen sollte und der Output nicht gerade die extravaganten Kopfkino-Ausmaße eines „House Of Secrets“ (07/2004) angenommen hat, ein durchaus beachtlicher Erfolg. Als logische Konsequenz folgt gerade einmal 20 Monate später mit „Atavist“ bereits der Nachfolger, denn immerhin muss das Eisen geschmiedet werden, solange es heiß ist und im Bezug auf die stilistische Ausrichtung von Otep sollte es eigentlich schon völlig erkaltet am Grund des Marianengrabens liegen.

Erstaunlicherweise funktioniert der brachiale Crossover aus harten Gitarren und aufgekratztem Geschrei auch auf „Atavist“, denn nachdem das unnötige Eröffnungsinstrumental „Atavist animus“ und die verzerrte Aggressionsabbautherapie „Atom to Adam“ keinesfalls als Glanzstücke deklariert werden können, jagt Otep mit „Drunk on the blood of saints“ eine kratzbürstige Nummer durch den Äther, die Madame Shamaya in Hochform zeigt und sowohl völlig abgedrehte wie auch verstörende Vocals in einer groovenden Metalhülle vereint und auf den Hörer niederbrechen lässt. Anschließend versucht sich „Remember to forget“ an einer ähnlichen Vorgehensweise, ersetzt jedoch den harten Chorus durch einen versöhnlichen, während „Skin of the master“ das Konzept erneut umdreht und zwischen Refrain und Strophe die Laut-Leise Dynamik aufs Äußerste ausreizt.

In der Mitte der Platte steht „We dream like lions“, eine akustische Ballade, die einen gelungenen Kontrast zur verbrannten Erde der ersten Hälfte herstellt, bis mit „I, alone“ eine Light-Variante von „Atom to Adam“ vorgestellt wird, dem die mit 7 1/2 Minuten überlange Spoken Word-Einlage „Baby´s breath“ folgt, die ohne den dazugehörigen Kurzfilm allerdings ihre komplette Wirkung verliert. „No more tears, no more fears“ heißt es dann in der unmissverständlichen Brachialattacke „Fists fall“ und „Stay fucking away from me“ kreischt Otep im anschließenden „Stay“, das Ende der Neunziger mit Limp Bizkit und Korn um die Vorherrschaft am Nu Metal-Sektor gekämpft hätte, bevor „Atavist“ einen mehr als ungewöhnlichen Abschluss nimmt.

„Bible belt“ ist nämlich ein weiterer, in der vorliegenden Form wenig überzeugender Spoken Word-Beitrag und „Not to touch the earth“ versteht sich als atmosphärischer Brocken, der dem ruhigen Beginn eine immer lauter werdende Collage aus Geräuschen, Geschrei und harten Metaleruptionen gegenüberstellt, die einfach nicht zünden will. Nichtdestotrotz hat Otep mit „Atavist“ einmal mehr das Unmögliche möglich gemacht und dem totgeglaubten Nu Metal-Genre eine weitere, wenn auch nur sehr kurze Gnadenfrist verschafft.

Anspieltipps:

  • Stay
  • Fists Fall
  • We Dream Like Lions
  • Drunk On The Blood Of Saints
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