Bushido - Jenseits Von Gut Und Böse - Cover
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Bushido Jenseits Von Gut Und Böse


  • Label: Ersguterjunge/Sony Music
  • Laufzeit: 70 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem von der Kritik belächelten Kinofilm „Zeiten ändern dich” und dem dazugehörigen schwachen Soundtrack (02/2010), zwischenzeitlichen Plagiatsvorwürfen, die dem Rapper eine 63.000 Euro hohe Schadensersatzzahlung einbrachte, einer nicht ungefährlichen Bandscheiben-OP und dem selbst von vielen Fans zwiespältig aufgenommenen „Berlins Most Wanted“-Projekt mit Kay One und Fler, steht mit „Jenseits von Gut und Böse“ nun bereits das zehnte Studioalbum aus dem Hause Bushido an. Die Maschinerie läuft also weiter auf Hochtouren und der 32-Jährige verliert keine Zeit, mindestens zwei Produkte pro Jahr auf den Markt zu werfen.

Wie es sich für einen geschickten Geschäftsmann gehört, schickt Bushido „Jenseits von Gut und Böse“ gleich in vier unterschiedlichen Versionen an den Start, damit für jedes Portemonnaie etwas dabei ist. Musikalisch fährt er mit Kay One, J-Luv, Booba, Xavier Naidoo sowie dem Texaner DJ Premier (Jay-Z, The Notorious B.I.G., KRS-One, Mos Def) und dem New Yorker Swizz Beatz (The Game, DMX, Nas, Mary J. Blige) so viele Feature-Gäste auf, wie noch nie auf einem Bushido-Album zu hören waren.

Dabei lagen ihm besonders die Features mit den amerikanischen Kollegen am Herzen, mit denen er sich einen Kindheitstraum erfüllt und seinen Status als einziger deutscher Mainstream-Gangster-Rapper unterstreicht. Dicke-Hose-Gäste, Dicke-Hose-Produktion (wie immer am Start: Beatzarre, Djorkaeff) – „Jenseits von Gut und Böse“ ist das Album eines Mannes, der nach eigener Aussage finanziell ausgesorgt und mit der Straße nichts mehr zu tun hat. Das spürt natürlich auch der Hörer.

Langsam, aber sicher erholt sich die Deutschrapszene wieder von ihrer Krise. Das bemerkt auch Bushido in „Wie ein Löwe“, indem er sich noch immer für den König des Raps hält. Doch Zeiten ändern dich (sic!). In den vergangenen 15 Monaten, in dem Bushido kein Soloalbum an den Start brachte, erschienen in regelmäßigen Abständen bemerkenswerte Werke von Haftbefehl, Massiv, Kay One, Summer Cem, Farid Bang, Alpa Gun, Prinz Pi und Silla. Darauf wird die Sprache der Straße gesprochen. Davon muss sich der Hörer bei Bushido inzwischen verabschieden, der sich aus der deutschen HipHop/Rap-Szene sowieso weitgehend raus hält und sein eigenes Ding durchzieht, wozu inhaltlich besonders die Tracks „Hassliebe“ und „Monopol“ passen.

Bushidos Themen sind andere. Und sie sind für harte Kerle von der Straße eher uncool. So ist es nur konsequent, dass die dazugehörige Musik häufig mehr Pop als HipHop ist. Bushido zeigt sich von seiner sentimentalen Seite – und das sehr ausführlich. Zusammen mit Xavier Naidoo gibt er den Wanderprediger („Du bist ein Mensch“), in „Vergiss mich“ geht es um ein gebrochenes Herz und „Die Art wie wir leben“ behandelt den Tod eines geliebten Menschen. Weiterhin hören wir Stücke zu den Themen Selbstreflexion („Wärst du immer noch hier?“), Liebeskummer („Schlechte Zeiten“) und Mutterliebe („Dankbar“). Am Ende wirft Bushido einen Blick zurück („Nichts ist für immer“) und bemerkt, dass alles endlich ist. So weich und ohne Maske hat sich der Rapper noch nie präsentiert.

Einen Ausweg aus dem unverhältnismäßig hohen Popanteil sucht Bushido in den Tracks mit den US-Kollegen Swizz Beatz („Mo´F**ka“) und DJ Premier („Gangster“), die sich am klassischen Old-School-Rap orientieren. Unterm Strich ist das aber zu wenig für ein HipHop/Rap-Album, vor allem wenn man weiß, woher Bushido kommt.

Dass Bushido nicht gerade zu den talentiertesten Rappern zählt, ist in der Szene schon lange klar. Leute wie Fler (der sich von ersguterjunge wieder getrennt hat) oder auch Kay One haben da wesentlich mehr zu bieten. Auch inhaltlich wiederholt sich der 32-Rapper seit Jahren nur noch in verschiedenen Variationen, wodurch „Jenseits von Gut und Böse“ über weite Strecken einfach nur langweilig ist. Fette Produktion und Gäste aus den USA hin oder her. Seine Hörer berühren (positiv wie negativ) kann Bushido damit nicht mehr! Gibt es für einen Künstler etwas Schlimmeres als egal zu sein?

Anspieltipps:

  • Schlechte Zeiten
  • Das ist Business
  • Nichts ist für immer
  • Gestern war gestern
  • Cash Money Brothers

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