Depeche Mode - Remixes 2: 81-11 - Cover
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Depeche Mode Remixes 2: 81-11


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 210 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Freunde elektronischer Spielereien und Verfremdungen sowie Remix-Fans mit einer Vorliebe für synthetische Tanzmusik, können hier zugreifen.

Über 100 Millionen verkaufte Platten, 12 Studioalben, fast 50 Singles, dazu Tournee, die alle Rekorde sprengen und eine treue Anhängerschaft, wie sie sonst wohl keine andere Band besitzt: Depeche Mode, Elektro-Pop-Pioniere und eine der erfolg- und einflussreichsten Bands der Welt. 2011 ist ein ganz besonderes Jahr für die Band aus Basildon, Essex: Vor 30 Jahren, im Februar 1981, veröffentlichten sie mit „Dreaming of me“ ihre erste Single und setzten damit den Startpunkt für eine beispiellose Weltkarriere, die bis heute anhält. Grund genug für ein musikalisches Lebenszeichen, zumal auch das letzte Studioalbum („Sounds of the universe“) schon wieder über zwei Jahre zurückliegt. Und so entschloss sich die Band um Sänger Dave Gahan, nun ein Remix-Album vorzulegen, auch um den Fans das Warten auf das nächste Studiowerk zu verkürzen.

Nach sieben Jahren nun also der zweite Streich: Depeche Mode präsentieren mit „Remixes 2: 81-11“ eine neue Zusammenstellung klassischer und brandneuer Remixes. 2004 erschien das erste Remix-Album, „Remixes 81- 04“, das sich in Europa schnell zu einem Verkaufshit entwickelte und vor allem (wie so oft) in Deutschland die Album-Charts stürmte. Dies war in erster Linie auch dem Riesenerfolg der Vorabsingle zu verdanken: „Enjoy the silence 04“, im Remix der beiden Linkin Park-Mitglieder Mike Shinoda und Rob Bourdon. Mit der Neuabmischung konnten sich sowohl tanzwütige Clubgänger, Depeche Mode-Anhänger der ersten Stunde und das auf den Massengeschmack ausgelegte Mainstream-Pop-Radio anfreunden. So kam man folglich 2004 nicht an einem Depeche Mode-Titel vorbei, der eigentlich schon 14 Jahre alt war und schon damals längst als Pop-Klassiker galt. Wie schon die erste Remix-Compilation liegt auch „Remixes 2: 81-11“ in verschiedenen Formaten vor: der Fan kann zwischen der Standard-CD, einer drei CDs umfassenden Box, der Download-CD sowie einer Vinyl-Box wählen, die aus sechs LPs mit insgesamt 37 Titeln besteht. Grundlage dieser Rezension soll die 3er-CD-Box sein.

Depeche Mode gelingt es seit jeher, hochkarätige Musiker und bekannte Namen aus der internationalen Musikszene für ihre Remixe zu gewinnen. So findet sich auch auf „Remixes 2“ wieder eine illustre Runde von Acts aus den verschiedensten musikalischen Genres zusammen, die sich zwecks Neuinterpretation alte Depeche Mode-Klassiker sowie aktuellere Stücke der letzten Jahre vornahmen. Die klassischen, älteren Remixe auf „Remixes 2“ (enthalten auf CD1 und CD2) stammen von verdienten Künstlern aus der Elektronik-Szene wie etwa dem Elektropop-Projekt M83 und dem DJ und Remixer UNKLE. Darüber hinaus geben sich auch der Minimal-Technokünstler Monolake sowie Hip Hop-Produzent Dan the Automator die Ehre. Die brandneuen Remixe auf der dritten CD stammen u.a. vom schwedischen Produzenten Eric Prydz, dem Elektro-Duo Röyskopp und – mit Spannung erwartet – von den beiden ehemaligen Depeche Mode-Mitgliedern Vince Clarke und Alan Wilder.

Die ersten beiden CDs sind mit Tracks aus den Jahren 1985 bis 2011 bestückt. Auf CD1 fallen gleich zu Beginn zwei Stücke positiv auf: das schwelgerische, fast verträumte „Dream on“ im „Bushwacka Tough Guy Mix“, das auf der Tanzfläche ebenso funktioniert wie „Everything Counts“ in der Version des Hamburger Produzenten Oliver Huntemann und des Techno-DJ’s Stephan Bodzin. „Everything counts“ kommt sehr minimal und kühl daher, die Synthies arbeiten im Hochbetrieb, die Bässe brummen. Ebenfalls einen guten Eindruck hinterlässt der „Chab Vocal Remix Edit“ von „Lilian“. Zwar ist er (wie im übrigen viele der Songs) zunächst sehr monoton, punktet aber mit einem gelungenen Mittelteil, in dem sich die schwebenden, sphärischen Soundflächen wie ein Teppich über dem Song ausbreiten. Auch „Fly on the windscreen“ im „Death Mix“ geht in Ordnung, wird hier aus einer fast überfrachteten Reihung an Schnipseln des Originals, ein neuer Track gebastelt, der nach drei Minuten seine wahre Stärke – die dunkle und melancholische Atmosphäre – entfaltet. Zu überladen und verworren sind jedoch die ersten Minuten. Tim Simenon (Produzent von „Ultra“) und der britische Produzent Mark Saunders verwandeln „Strangelove“ in einen astreinen Clubtrack mit harten Beats und unterkühlter Stimmung, der – wenn man genau hinhört – Samples aus „People are People“ enthält. Hierbei handelt es sich um einen der stärksten Remixe der Compilation. Alles in allem ist das Gesamtbild dann aber dennoch ein enttäuschendes. Zu unausgegoren und konzeptlos, zu langatmig und monoton sind ein Großteil der Songs, die - leider zu oft - in der Belanglosigkeit versinken. Aus „World in my eyes“ ensteht in der „Dub in my Eyes“-Version ein ideenloser Stampfer, der sich in epischen Synthiesounds verliert. Die entspannte, meditative Stimmung des großartigen „Higher Love“-Originals wird im „Adrenaline Mix Edit“ zunichte gemacht, der gelangweilt vor sich hindümpelt und mit seinen übersteuerten Soundeffekten nervt. Den negativen Höhepunkt bildet der „Never let me down“-Remix des House-Duos Digitalism. Der Song entpuppt sich als völlig überdrehter, zusammenhangloser Mix an Sounds und Effekten, eine musikalische Reizüberflutung, die alles macht, bloß keinen Spaß. „Personal Jesus“ („Stargate Mix“), die zuvor veröffentlichte Single, ist ein netter, fast poppiger Track geworden, der den Fan versöhnlich stimmen sollte. An Hitqualität mangelt es ihm dennoch, weshalb damit kein zweites „Enjoy the silence 04“ zu erwarten ist.

CD Nummer drei enthält die neuen, aus 2011 stammenden Remixe. Auch hier gibt einen „Never let me down again“-Mix, diesmal nahm sich Eryc Prydz den Klassiker vor, einer der bis heute beliebtesten Songs der Band und Highlight eines jeden Konzerts. Prydz funkioniert „Never let me down again“ in einen schnörkellosen Dancefloor-Knüller um, der, mag er noch so arm an Höhepunkten sein, mit ungemein sattem und druckvollem Sound besticht. Diesem gelungenen Titel folgt jedoch sogleich wieder ein Durchhänger: „Leave in silence“ von Claro Intelecto ist nicht mehr als eine spannungsarme Remix-Ballade. Auch „A Question of Time“ („Joebot Presents ‘Radio Face’“) enttäuscht, da er am Ende nur fad und phantasielos seine fünfeinhalb Minuten abspult. Die Highlights sind die „Puppets“-Version der norwegischen Band Röyskopp, die aus dem Original einen fluffigen, luftig-leichten Zuckerwatte-Popper machen, sowie Alan Wilders Mix von „In Chains“, der vor allem durch sein mystisch-hypnotisches Intro sowie gelungene Tempi- und Stimmungswechsel überzeugt und auch sonst einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Auch der Remix des zweiten ehemaligen Bandmitglieds, Vince Clarke, gehört noch zu den besseren Songs. Sein waberndes, dark-waviges „Behind the wheel“ dürfte auch EBM-Anhänger zum tanzen bringen. Sonst überwiegt – wie auch auf den ersten beiden Scheiben – allgegenwärtige Tristesse, Monotonie und Gleichförmigkeit, die sicher qualitativ nie gänzlich abfällt, aber eben auch nicht im Gedächtnis bleibt und daher kein Muss selbst für hartgesottene Depeche Mode-Fans ist. Zu selten können einzelne Songs wirklich durchweg überzeugen. Freunde elektronischer Spielereien und Verfremdungen sowie Remix-Fans mit einer Vorliebe für synthetische Tanzmusik, können hier aber dennoch zugreifen, zumal die Liste der hochkarätigen Mixer und Künstler ein gutes Argument für den Kauf darstellt.

Anspieltipps:

  • Personal Jesus – Sir Medway-Smith Remix
  • In Chains – Alan Wilder Remix
  • Never Let Me Down Again – Eric Prydz Remix
  • Dream On – Bushwacka Tough Guy Mix
  • Strangelove – Tim Simenon/Mark Saunders Remix
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