Joy Denalane - Maureen - Cover
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Joy Denalane Maureen


  • Label: Four Music/Sony Music
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Gegen Joys Liebeslieder ist zwar nichts einzuwenden, doch am Ende bleiben die ganz großen Worte und Gefühle aus.

Es wird Zeit Tribut zu zollen. Für eine Frau, die mit aller Macht versucht in Vergessenheit zu geraten. Mal wieder hat sich Joy Denalane eine geradezu anstößige Zeit gelassen, um ihre Fans und Musikland Deutschland mit einer neuen Platte zu beglücken. Natürlich kann man die Kollaboration mit dem MDR-Orchester „The Dresden Soul Symphony“ als eigenständiges Werk sehen, aber selbst dann sind es immer noch drei Jahre seitdem Joy Denalane das letzte Mal hat von sich hören lassen. Jetzt ist also endlich wieder Zeit für die Mutter, Karrierefrau und vielleicht einzige Soul-Künstlerin des Landes, die mit ihren Texten nicht um den heißen Brei redet, sondern ihre Gefühle auf den Punkt bringt.

Wir gehen einfach vom letzten Studioalbum „Born And Raised“ aus und da hat eine gebürtige Berlinerin mit afrikanischen Wurzeln natürlich jede Menge zu berichten. Was für Geschichten erwarten den Hörer also auf einem Album mit dem Namen „Maureen“? Die Frage nach der Herkunft ist schnell geklärt, da es sich dabei um Joys zweiten Vornamen handelt. Die Hintergrundgeschichte zu diesem Namen allein wäre genug für ein Konzeptalbum über verlorene Liebe und neues Glück und auch in Bezug auf die seit dem letzten Album vergangenen Turbulenzen in Denalanes Leben wäre solch ein Ergebnis nur Konsequent. Doch ein kurzer Blick auf die Tracklist lässt eher feststellen, dass Joy Denalane noch immer ungebrochen an die Liebe glaubt.

„Bin Und Ich Bleib Dein“, „Siehst Du Mich“, „Lass Es Liebe Sein“ und „Happiness“ sind der gesammelte, romantische Erguss des neuen Outputs der Soulsängerin. In Verbindung mit Bläsern, Streichern und Klavier, die alle irgendwann ihre Auftritte in diesen ruhigen Stücken bekommen, ergibt das verträumte Balladen, die sich im Endeffekt zu ähnlich sind. Eine Nummer weniger dieser Richtung hätte gereicht. Da ist das Gegenprogramm schon besser portioniert, wenn „Nie Wieder, Nie Mehr“ mit Unterstützung von Julian Williams eine zerbrochene Liebe anklagt oder „Du Allein“ schon allgemeiner die kalte Seite des Lebens aufdeckt.

Wäre das Album mit diesen beiden Themenblöcken abgehakt, dann könnte man dieses Album tatsächlich als Joy Denalanes persönlichstes, aber auch schwächstes Album abhaken. Keine Spur von wirklich tiefgründigen Texten und Liebeslieder hat es seit Erfindung des Abendlandes schon so viele gegeben, dass Joy Denalane es schwer hat, sich mit ihren Liedern in die Erinnerung zu brennen. Aber die Soulsängerin weiß noch immer was sie tut und liefert Predigten, wie sie sich für Soul gehören. Gleich die Eröffnung „Niemand (Was Wir Nicht Tun)“ ist eine funky Steh-Auf-Hymne voller Lässigkeit. Amen. Ebenfalls fürs Radio bietet sich das langsamere, aber ebenfalls mit tanzbaren Beats unterlegte „Frei“ an, das sich mit einem der großen Themen abseits von Liebe auseinandersetzt und mit „Wo Wollen Wir Hin Von Hier?“ fast so etwas wie eine geistige Fortführung erfährt.

Diese Momente sind es, für die man Joy Denalane gratulieren darf. Gegen ihre langsamen Liebeslieder ist zwar nichts einzuwenden, doch am Ende bleiben die ganz großen Worte und Gefühle aus, was vielleicht auch daran liegt, dass die Texte in Zusammenarbeit mit einem Ex-Mann (Max Herre) entstanden sind. Vielleicht hätte Abstand und Ehrlichkeit zu ergiebigeren Texten geführt. So genießt man als Hörer die Hälfte auf der das Tempo oder eben die Lautstärke aufgedreht wird. Ausnahme hierfür ist noch das vor sich hinplätschernde „Rosen“, welches beschwingt startet und dann ohne Überraschungen vor der Ziellinie anfängt zu langweilen. Auf die Dauer des Albums geht den Liedern das ein oder andere Mal die Luft aus, was unangenehm ist, wenn man kurz vorher oder im Anschluss wieder eine richtig starke Nummer hört. Schön ist es trotzdem, dass Joy Denalane zurück ist und zumindest in Ansätzen zeigt, warum es sich gelohnt hat sie zu vermissen.

Anspieltipps:

  • Niemand (Was Wir Nicht Tun)
  • Du Allein
  • Lass Es Liebe Sein

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