Miyavi - Live In London 2011 - Cover
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Miyavi Live In London 2011


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 65 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
3.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der japanische Künstler Miyavi zählt in Deutschland längst nicht mehr zu den Geheimtipps der Szene wie er es noch bei der Animagic 2007 in Bonn war. Inzwischen kann er bereits auf die dritte Welttournee (erste Tour 2008 36 Konzerte in 14 Ländern, zweite Tour 2009 60 Konzerte in 10 Ländern!!) zurückblicken, auf der ihn Fans auf der ganzen Welt wie einen Superstar feierten. Dabei präsentiert er sich auch auf seinen Konzerten variabel und kreativ wie man es schon von seinen Alben gewohnt ist. So lieferte er gemeinsam mit seinen KAVKI BOYZ und Teddy Lloyd eine fetzige Show mit starken HipHop-Elementen ab, nur um im nächsten Jahr deutlich rockiger und mit schlichter Bandbesetzung zurückzukehren. Mit seinem neuen Album „What's My Name“, das Ende 2010 in Japan erschien, startete er nun auf gleichnamiger Welttournee voll durch. Auch in diesem Jahr ist der japanische Künstler wieder für Überraschungen gut. Das Album selbst versprach schon die Rückkehr zu stärkerer Gitarrenlastigkeit und musikalisch spielerische Neufindung ganz wie man sie von Miyavi kennt und liebt. Auf Tour überrascht er die Fans in schlichter Besetzung, denn er lässt sich diesmal nur von einem Drummer begleiten, setzt seine Gitarre und natürlich sich selbst ungeschminkt völlig in den Mittelpunkt des Geschehens. In diesem Rahmen entstand so auch das vorliegende Album, das eine Auswahl des in London aufgenommenen Konzerts der Tour 2011 darstellt.

Der Silberling selbst fasst die stärksten Songs des Konzertabends zusammen. Dabei wird vor allem Fokus auf die Tracks des aktuellen Studioalbums gelegt, einzig „We Love You“ hat es als älterer Track auf die Zusammenstellung geschafft. Das Album beginnt stark mit dem Opener der Tournee „What's My Name?“, der nicht nur titelgebend für Album und Tour ist, sondern den die Fans bereits auf der letzten Tour kennen lernen durften. Schnell wird klar, dass entgegen der letzten Touren der Fokus weg vom Gesang und hin zu seinem brillanten Können an der Gitarre geschoben wurde. So tritt der erstaunlich raue Gesang eher in den Hintergrund und lange Instrumentalpassagen, bei denen man das Gefühl bekommt Miyavi lasse dem Künstler in ihm ganz freien Lauf, übernehmen die Oberhand. Selbiges lässt sich auch in „Universe“ feststellen, denn auch hier geht der Künstler ganz in ausgeweiteten Instrumentalparts auf, die ihn zu Spielereien mit seinen eigenen Songs verleiten. Auch „Survive“, die erste Singleauskopplung des Studioalbums, präsentiert sich in spielerischem Kleid mit fast einer Minute mehr Spiellänge als auf der Albumversion. Dabei bekommt man allerdings keinesfalls das Gefühl, dass die Tracks unnötig in die Länge gezogen werden, ganz im Gegenteil. Seine Interpretationen und Spielereien zeugen von liebevollen technischen Details, die sich auch beim Hören nicht verstecken können. Bemerkenswert ist dabei wie seine Spieltechnik, die eine Mischung aus regulärem Gitarrenspiel, Slaptechniken und perkussivem Gitarrenstil im Stil von Keziah Jones darstellt. Zudem hat er sich für diese Tour mit einigen zusätzlichen Effektgeräten ausgestattet, wie man mit „Chillin' Chillin' Money Blue$“ zum ersten Mal deutlich zu hören bekommt. So helfen ihm Mehrspurtongeräte zur eigenen Mehrstimmigkeit und diverse Effektmaschinen, die er selbst über Pedale bedienen kann, sorgen für Effekte und Verfremdungen sowohl seines Gitarrenspiels wie auch der Aufnahmen.

„Gravitiy“ bringt zum ersten Mal Ruhe in das bisher starke und schnelle Album. Die schlichte Ballade sorgt für Gänsehaut und zeigt den Künstler von einer ganz anderen, beinahe verletzlichen Seite. Selbst wenn man den Text aus sprachlichen Gründen nicht verstehen kann, sind doch Wut und Verzweiflung deutlich greifbar, was nicht nur für Musik als weltverständigendes Medium selbst, sondern vor allem für diesen kreativen jungen Künstler spricht, der so geschickt Emotionen in Melodie und zweisprachigen Text packt. Die beiden Titel „Moon“ und „We Love You“ wurden dem Akustikset des Konzerts entnommen, das Miyavi mit einer Rainsong darbot. Besonders an dieser Gitarrenmarke ist ihr Graphitkörper, die eben genanntes perkussive Gitarrenspiel besonders schmeichelnd in Szene setzt. Dabei wird bei letzterem Song erstmals und einzig der starke und leider deutlich schiefe Fanchor des Londoner Konzerts gefordert. Zumindest für Textsicherheit, Ausdauer und Lautstärke muss man den britischen Fans ein Fleißsternchen vermerken. Dass Miyavis Stimme selbst deutlich angeschlagen ist, wofür er sich selbst vor dem Song entschuldigt, möchte man dem Künstler allerdings nicht ankreiden, es zeigt im Gegenteil einmal mehr, dass Miyavi seine körperlichen Grenzen deutlich ausweitet, um seinen Fans ein umfassendes Konzerterlebnis zu bieten.

Aus dem anschließenden erneut mit E-Gitarre gespielten Teil des Konzerts präsentiert der Silberling schließlich „S.M.F.B.“, eine weitere fetzige Gitarrennummer sowie die über 14 Minuten lange Zugabe „Futuristic Love“. Letzterer ist der einzige Song, für den sich der Künstler bei vielen Fans Abzüge in der B-Note holte. Nach einem eigentlich sehr überzeugenden Gitarrenteil und eher zurückhaltenden Effekten übernimmt ein deutlich starker und vor allem auf die Dauer eher nervtötender Beat nach gut vier Minuten Spielzeit die Oberhand über das Lied, der Gitarrenklang verschwindet teilweise sogar ganz und zurück bleibt besagter, von Miyavi teilweise weiter veränderte Beat, der nichts ins Ohr gehen will. Ein wenig schade ist es schon, dass das große Finale der Konzerte und auch der CD den Finger eher zur Skip-Taste wandern lassen möchte. Dem Gesamtbild gibt es Gott sei Dank nur wenig Abriss.

So bleibt das Live-Album eines großartigen Künstlers, der es immer wieder aufs Neue schafft Fans und Musikinteressierte mit Abwechslungsreichtum, Kreativität und Mut zu wilden Stilmischungen zu begeistern. Der vorliegende Silberling präsentiert sich in klarem Sound und guter Abmischung. Dabei ist trotz allem immer noch das Publikum deutlich zu hören und auch der Applaus wurde nicht völlig geschnitten, was sowohl Atmosphäre des Konzerts wie auch Begeisterung für den jungen Japaner ins eigene Wohnzimmer transportiert. Empfehlenswert nicht nur für jene, die die Tour besucht haben, sondern auch ein Trostpflaster für jene die es nicht geschafft haben und natürlich ein idealer Einstieg für neugierig gewordene diesen Künstler einmal in völliger Spielfreiheit zuhause erleben zu können.

Anspieltipps:

  • What's My Name?
  • Chillin' Chillin' Money Blue$
  • Gravity
  • Moon

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