Tides From Nebula - Earthshine - Cover
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Tides From Nebula Earthshine


  • Label: Mystic Productions/SOULFOOD
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu passiv präsentieren sich die zwei letzten Drittel des Albums, um den Hörer in dem Maße zu fesseln, dass mehr als ein Rauschen im Ohr übrig bleibt.

Die schönstem Momente erlebt man, wenn man überhaupt nicht damit rechnet. Progressive-Rock ist dafür ein gutes Beispiel. Vielen Leuten graut es vor der Vorstellung Lieder hören zu müssen, die normalerweise nicht unterhalb der Fünfminutenmarke ihr Ende kennen. Gerade anstrengende Tage laden vielmehr dazu ein, bei Musicals, Pop-Musik und zeitgenössischem Rock den Alltagsstress zu vergessen. Wer braucht da schon noch überlange Songkonstrukte, die vollgepackt mit Effekten, diversen Themen und einer Achterbahnmischung aus Gitarrenwänden und sphärischen Soundlandschaften Anstrengung seitens des Hörers erwarten?

Es gibt eine Reihe von Bands, die sich aufzählen ließen, doch am passendsten scheint die Band Vito, die hierzulande kaum jemand kennt. Ihr Song „Reclaimed!“ bietet eine garantierte Gänsehaut für jeden geduldigen Fan von Rockmusik. Was die Jungs bei diesem Lied aus den Boxen jagen ist ein Kunstwerk, was in seiner Ausführlichkeit und Größe nur in den Gefilden der progressiven Rockmusik gefunden werden kann. So lautet zumindest die Behauptung. So viele Melodien, Kraft, Ruhe und komplexe Themen finden nur Platz in den übergroßen Werken der Prog-Rocker. Tides From Nebula will ebenfalls den Hörer an die Hand nehmen und aus der Welt der Schnelllebigkeit in ein Land voller Inspiration mitnehmen. An die Hand nehmen ist hierbei der richtige Ausdruck, da Tides From Nebula wirklich eine harmlose Prog-Rock-Band sind.

Schon der Opener „These Days, Glory Days“ ist Beweis genug für diese Behauptung. Die Wechsel zwischen laut und leise sind immer angekündigt. Gitarrenwände kündigen sich wie hohe Wellen an und überraschen niemanden. Das Rauschen der Klangwellen ist ein Versprechen auf den Aufschlag auf das Riff der Gehörgänge und enttäuscht die Hörer besonders in der zweiten Hälfte des langlebigen „The Fall Of Leviathan“ nicht. Bis auf dass es sich um E-Gitarren handelt und das Schlagzeug mit dem Bass zusammen wie ein Sturm durch das Zimmer fegt, spielen Tides From Nebula allerdings – ähnlich wie Vito – eine romantische Form des Prog-Rocks. Die langen, ausgedehnten Riffs sind nicht zu kompliziert und laden zum Augen schließen, statt zum Pogo tanzen ein. Besonders „Caravans“ und „White Gardens“ sind hervorzuheben. Nicht nur die sehr sanften Gitarrenpassagen sind dafür Anhaltspunkt genug. Auch die unglaublich ruhigen Interluden „Waiting For The World To Turn Back“ und „Hypothermia“ - erstere wird vom wahrscheinlich einsamsten Piano der Welt vorgetragen – umklammern die beiden genannten Lieder nicht umsonst.

Mit „Siberia“ übernehmen sich die jungen Männer allerdings qualitativ und quantitativ. Zu viele ruhige Passagen lassen das Album im Gesamtbild gesehen zu sehr im Sand unseres Klangufers verebben. Dass die Wellenstärke nachlässt ist kein Problem, doch dass nach dem zweiten Track kein wirklich kraftvoller Part mehr die Vorherrschaft des Albums übernimmt, lässt die im Durchschnitt überlangen Lieder noch länger erscheinen. Gerade der Wechsel aus Kraft und Kunst geht hier verloren, sodass man nur in den ruhigsten Momente noch einen Fluss ausmachen kann. Ansonsten scheint das Album wie ein Teich einfach starr zu stehen und in der drückenden Hitze des Sommers keine Abkühlung zu versprechen. Nach dem wunderbaren Auftakt ist es schade, dass Tides From Nebula ihre Einsteiger freundliche Interpretation dieses sonst zu sperrigen Genres nicht schlicht so fortsetzen, wie es der Beginn verspricht. So verläuft das Album also im Sand und „Earthshine“ in den Gehörgängen des Hörers. Zu passiv präsentieren sich die zwei letzten Drittel des Albums, um den Hörer in dem Maße zu fesseln, dass mehr als ein Rauschen im Ohr übrig bleibt.

Anspieltipps:

  • These Days, Glory Days
  • The Fall Of Leviathan
  • White Gardens

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