Frank Turner - England Keep My Bones - Cover
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Frank Turner England Keep My Bones


  • Label: Epitaph Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Für seine Stücke, die meist leise beginnen und dann immer weiter überschäumen, nutzt Turner vielfältige, förmlich explodierende Arrangements.

„And I haven't done what mom and dad dreamed / But on the day I die I'll say, at least I fucking tried / That's the only eulogy I need“, singt Weltenbummler Frank Turner in seinem kleinen Eröffnungsstück „Eulogy“ etwas autobiografisch. Er versichert seiner Hörerschaft somit noch einmal, dass er mit sich und seinem Lebensstil im Reinen ist. Man hätte auch nichts anderes von ihm erwartet, bei all der Überzeugungskraft, die er in seine Songs legt. Das Leben auf Tour ist ihm wohl lieber als das traute Heim, und dennoch trägt sein viertes Album den bodenständigen Titel „England Keep My Bones“. Als wolle er sagen: Ich bin ein freier Mann, aber ich weiß, wo ich herkomme.

Dies wird auch in dem inbrünstig gesungenen a cappella-Stück „English Curse“ oder dem Song „Wessex Boy“ deutlich: „I'm a Wessex Boy and when I'm here I'm home.“ Dass Frank Turner gerne seinem Beruf als stetig wandernder Musiker nachkommt, wird jedoch in jeder Sekunde seines neuen Albums offenbar: „Now who'd have thought that after all / Something as simple as rock 'n' roll would save us all?“, singt er im Stück „I Still Believe“. „England Keep My Bones“ frönt überschwänglicher Folkmusik mit herzlich-poppigen Melodien. Er nutzt größtenteils die Akustikgitarre, doch immer wieder kommen auch kraftvolle E-Gitarren zu Einsatz. Der Name seiner ersten EP, „Campfire Punkrock“, umschreibt diese Musik ganz wunderbar.

Für seine Stücke, die meist leise beginnen und dann immer weiter überschäumen, nutzt er vielfältige, förmlich explodierende Arrangements: In „I Still Believe“ setzt nach einiger Zeit zunächst ein hüpfendes Klavier, dann die Mundharmonika ein. „I Am Disappeared“ nutzt ebenfalls das Klavier, in diesem Fall jedoch für seine sehnsüchtige Stimmung, während „Glory Hallelujah“ im Klang einer Orgel badet. „One Foot Before the Other“ ist ein energischer Song und wegen seiner E-Gitarren fast schon als Punkrock zu bezeichnen. Bei „If Ever I Stray“ führt ein Bläsersatz zum Höhepunkt, „Redemption“ blüht zum Ende unter lauten Gitarren und Piano vollkommen auf. So gut der Einsatz all dieser Instrumente die vermittelten Emotionen auch stützen, in so manchen Momenten übertreibt es Turner dann doch: „I Still Believe“ wäre zum Beispiel auch ohne seinen Publikumschor ausgekommen. Auf der anderen Seite ist „Peggy Sang the Blues“ zwar ein einfacher Gitarrenpopsong, fällt aber gerade deswegen gegenüber den anderen Stücken nicht ganz so überzeugend aus. Da funktionieren „Rivers“ und „Nights Become Days“ als Akustikballaden mit leichtem Streichereinsatz doch erheblich besser.

„England Keep My Bones“ ist ein unheimlich vielfältig arrangiertes, mit unermesslicher Überzeugung und Leidenschaft vorgetragenes Album, das seine Hörerschaft etwas auf die Reisen des Frank Turner mitnimmt. Ein Album, das in seinen ruhigen Stücken zu Herzen geht und seine Hörerschaft in den richtigen Momenten zum Weitermachen auffordert.

Anspieltipps:

  • I Still Believe
  • I Am Disappeared
  • One Foot Before the Other
  • If Ever I Stray
  • Redemption

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