Eden Weint Im Grab - Geysterstunde I - Cover
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Eden Weint Im Grab Geysterstunde I


  • Label: Danse Macabre/ALIVE
  • Laufzeit: 62 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Alexander Paul Blake gründete Eden weint im Grab 2002 als Soloprojekt und auch der vorherige Output „Der Herbst der Einsamen“ (Rezitationen von Gedichten Georg Trakls mit avantgardistischen Soundcollagen angereichert) war noch von ihm in Eigenregie eingespielt. Live hingegen präsentierten sich Eden weint im Grab schon länger als Band und 2011 ist das Livegefüge die aktuelle Bandbesetzung welche „Geysterstunde I“ eingespielt hat.

Auch wenn es den ein oder anderen Leser verschrecken mag, das neue Album der Berliner sollte man von vorneherein als Gesamtkunstwerk verstehen, sonst verirrt man sich in der Vielzahl der verwendeten Stilmittel. Die Kreativität des Masterminds Mr. Blake scheint nahezu grenzenlos zu sein. Die erste Singleauskopplung wird „Moritat des Leierkastenmanns“ sein. Eine nicht nur musikalisch ungewöhnliche Nummer. Man kann dem Track vorwerfen, dass er seine Melodie über die gesamten Spielzeit nicht variiert, sondern stupide durchorgelt. Allerdings macht dies in zweierlei Hinsicht Sinn. Zum einen sind die Walzen einer Drehleier auch nur auf eine durchgehende Melodie eingestellt. Zum anderen wird damit die Eintönigkeit der Arbeit des Leierkastenmanns und das aktuelle Thema der Vereinsamung noch verstärkt. Wer sich für die Vorgeschichte der Moritat interessiert sollte mal die MySpace-Seite von Sascha Blach (Chef von Wintersolitude und die andere Identität des EwiG-Chefs) besuchen und die Geschichte „Der Leierkastenmann“ besuchen.

„Der Galgenvogel“ und „Taphephobie“ sind minimalistische Tracks, die gesprochenen Text nebst Nebengeräusche beinhalten und somit entfernt an „Der Herbst der Einsamen“ erinnern. Während „Der Galgenvogel“ sehr bildhaft die vermutliche Denkweise eines Raubvogels in Erwartung von Aas thematisiert, erinnert „Taphephobie“ sehr stark nicht nur in der Titelgebung an die Kurzgeschichte „Lebendig begraben“ von Edgar Allen Poe.

Der Verweis auf Poe öffnet auch den Blick auf die Lyrik des Albums. Der Geist schwarz-romantischer Texte von E.T.A. Hoffmann, Baudelaire, De Nerval, Poe umweht eine Vielzahl der Texte, genau wie das durchziehende Thema der Wiedergänger. Dass dies nicht zu einer literarisch-akademischen Werkschau wird ist Blake zu verdanken, der selbst das Kinderlied „Die klappernde Mühle am rauschenden Bach“, eigentlich nur „Die Mühle“ betitelt, in „Die Knochenmühle“ mit schwärzestem Humor persifliert, zugleich aber auch mit leichter Hand die Problematik der Versorgung in Kriegstagen thematisiert. Eine weitere Testelle, die für viele andere auf dem Album steht, die den Humor von Eden weint im Grab verdeutlicht stammt aus dem Opener „Geysterstunde“: „Husch, Husch ins Grab!“

Besonders hervorzuheben ist allerdings „Tango Mortis“. Die Vermengung von Metal mit anderen Musikgenres ist seit Jahr und Tag ein Garant für innovative Musik. Eden weint im Grab treibt das ganze aber auf die Spitze, denn nicht nur der 6/8 Walzertakt in vielen Liedern irritiert und bereichert das Album sondern auch besagter Tango. Bei diesem Titel kommt es zu dem einzigartigen Aufeinanderprallen von klassischem Tango und Death Metal. Zusammen mit Gastsänger Jan Lubitzki (Ex-Depressive Age) entsteht hier ein klassischer wie moderner Track, der nebenbei auch noch Anspielungen auf ein Gedicht Goethes enthält und im Ohr hängen bleibt. Gerade dies ist bei aller Innovation und Kreativität ein erstaunlicher Pluspunkt des Albums. Einmal durch gehört, entwickelt das Album enorme Ohrwurmqualitäten, auch wenn mit „Gang durch ein modriges Beinhaus“ ein sehr doomiger und schwer zugänglicher Song das Album beschließt.

Abgesehen von einem eher schleppenden Beginn, „Geysterstunde“ und „Armee der Wiedergänger“ wollen nicht so recht zünden, reiht sich ein toller Song an den nächsten. 13 von 15 Songs auf höchstem inhaltlichen und musikalischen Niveau sind allerdings eine Marke, die man bei vielen anderen Alben verschiedenster Künstler suchen muss. Will man da Haar in der Suppe finden, so kann man anmerken, das die klassischen Instrumente alle aus dem Keyboard kommen und der organische Klang „echter“ Instrumente sicher hier und da den Songs gut getan hätte. Dies wird aber sicher eine Kostenfrage bei der Produktion.

Mit diesem Album sollten Eden weint im Grab im Bereich des Dark Metals, von der Band als Horror Metal bezeichnet, zu den großen aufsteigen, verdient hätten sie es bei dem tollen Album sicherlich.

Anspieltipps:

  • Moritat des Leierkastenmanns
  • Ein Requiem in Sepia
  • Friedhof der Sterne
  • Tango Mortis (feat. Jan Lubitzki)

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